Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
US-Präsidentschaftswahl 2012 Romney gewinnt, die Republikaner verlieren
Thema Specials US-Präsidentschaftswahl 2012 Romney gewinnt, die Republikaner verlieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:11 07.03.2012
Von Stefan Koch
Mitt Romney hat die Vorwahl im wichtigen Bundesstaat Ohio knapp gewonnen, das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ist aber weiter offen. Quelle: dpa
Anzeige
Washington

Die großen Verlierer des "Super-Dienstags" sind die Republikaner. Die "Grand Old Party", die mit aller Macht Barack Obama aus dem Weißen Haus jagen will, hat sich bei ihrer Suche nach einem geeigneten Präsidentschaftskandidaten verheddert. Trotz der zahlreichen Wahlschlachten in diesem Jahr zeichnet sich noch immer kein Favorit ab, hinter dem die gesamte Partei steht. Daran änderte auch der mit Spannung erwartete Wahlabend nichts, bei dem in zehn Bundesstaaten gewählt wurde: Mitt Romney setzte sich zwar bei den Vorwahlen in Alaska, Massachusetts, Virginia, Vermont und Idaho eindeutig durch. Dafür aber lieferte er sich ausgerechnet in Ohio ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen, dem symbolträchtigen Bundesstaat, der für sich bisher in Anspruch nehmen konnte, die Kandidaten quasi vorherzubestimmen. Seine Mehrheit fiel hauchdünn aus - mit 38 zu 37 Prozent.

Rick Santorum, der christlich-konservative frühere Senator aus Pennsylvania, erweist sich einmal mehr als hartnäckiger Widersacher. Nach seinen Siegen in Iowa, Minnesota, Missouri und Colorado holte er in der Nacht zum Mittwoch Oklahoma, Tennessee und North Dakota. In dem kleinen Städtchen Steubenville trat Santorum nach Bekanntgabe der Ergebnisse selbstbewusst vor seine Anhänger: "Wir haben im Westen gewonnen, im Mittelwesten und im Süden und wir sind bereit, überall in diesem Land zu gewinnen." Obwohl er als Außenseiter gestartet sei, trage er nun ein Sieg nach dem anderen davon: "Es gab keinen einzigen Staat, in dem ich mehr Geld ausgegeben habe als die Leute, gegen die ich dort gewann."

Anzeige

Santorum ist die eigentliche Überraschung des Wahljahres 2012. Mit seinen rückwärtsgewandten Thesen mag er zwar so manchen etablierten Parteianhänger abschrecken, doch an der Basis fliegen ihm die Herzen zu - überraschenderweise auch die der jüngeren Wähler, wie jüngste Erhebungen zeigen. Der 53-Jährige wird gern als "Jesus-Kandidat" bezeichnet, der häufig über seinen katholischen Glauben spricht und gegen Schwangerschaftsabbruch, Verhütungsmittel und Homo-Ehen streitet. Zugleich fordert der Jurist ein hartes außenpolitisches Auftreten der Vereinigten Staaten und will - sollte er ins Weiße Haus einziehen - schnell gegen den Iran zu Felde ziehen. Insgesamt Positionen, mit denen Santorum landesweit wohl keine Mehrheiten erringen dürfte, aber dennoch die Republikaner kräftig durcheinanderwirbelt.

Eigentlich sollte der gestrige Tag eine Vorentscheidung in der Kandidatenfrage bringen. Doch wie soll sich die GOP verhalten, wenn die Ergebnisse so unerwartet knapp bleiben? 

Es ist ein überaus zäher Wahlkampf, auch wenn Romney mittlerweile 14 Vorwahlen für sich entscheiden konnte. Er gilt - auch angesichts seiner prall gefüllten Wahlkampfkonten - als der eigentliche Favorit. Dass der Multimillionär aber ausgerechnet beim "Super Tuesday" nicht so recht überzeugt, dürfte seiner Kampagne einen Dämpfer versetzen. Er schafft es einfach nicht, seine Partei auf breiter Front für sich zu begeistern. Der 64-Jährige gibt sich dennoch kämpferisch: "Obama hat keine Ideen mehr, er hat keine Entschuldigungen mehr - und jetzt kriegen wir ihn auch noch aus dem Weißen Haus." Doch als früherem Hedgefondsmanager und bekennendem Mormonen schlägt ihm viel Skepsis entgegen. In landesweiten Umfragen gilt er zwar gemeinhin als der aussichtsreichste Herausforderer von Obama. Aber vielen Republikanern ist er zu liberal und zu wendig in seinen persönlichen Einstellungen. Eben ein "Flip-Flopper", der sein Mäntelchen nach dem Wind hängt.

Die Parteiführung betrachtet das anhaltende Gemetzel unter ihren Kandidaten ohnehin mit Sorge. Jack Lindley, Chef der GOP im Neuenglandstaat Vermont, bringt die kritische Lage auf den Punkt: "Die Kandidatensuche geht weiter. Staat für Staat, Tropfen für Tropfen. Es ist wie eine Wasserfolter." Andere einflussreiche Politiker fordern bereits einen Neustart, bevor der eigentliche Wahlkampf gegen den Amtsinhaber überhaupt begonnen hat: "Unsere Leute haben sich so stark verprügelt, dass es gut wäre, wenn wir jetzt ein neues Gesicht hätten", sagte Paul LePage, Gouverneur von Maine, dem renommierten Online-Magazin "Politico". Das monatelange Gerangel würde die eigenen Bewerber völlig demontieren und den Demokraten viel Munition liefern. Immer häufiger wird nun im Kreis führender Republikaner darüber spekuliert, ob vielleicht doch noch Jeb Bush, der frühere Gouverneur in Florida und Bruder des Obama-Vorgängers George W. Bush, in das Rennen einsteigen könnte.

Auch Sarah Palin, frühere Gouverneurin von Alaska, bringt sich wieder als mögliche Präsidentschaftskandidatin ins Gespräch. "Alles ist möglich, ich schlage keine Türen zu, die vielleicht da draußen offen sind", sagte sie bei CNN. Sollte sich keiner der bisherigen Bewerber die Basis überzeugen, könnte sie sich eine Kandidatur beim Nominierungsparteitag im August vorstellen.

Tatsächlich wirken sich in diesem Wahljahr einige Verfahrensänderungen besonders drastisch aus. Da sind vor allem die privaten Wahlvereine, die erstmals im großen Stil zum Einsatz kommen. Diese "Super-PACs" können in unbegrenzter Höhe Spenden von Unternehmen sammeln und sich mit Werbespots massiv in den Wahlkampf einschalten. Auch sie tragen erheblich dazu bei, dass selbst aussichtslose Kandidaten wie Newt Gingrich und Ron Paul weiterhin im Rennen bleiben und die endgültige Entscheidung verzögern.

Doch all das Klagen über die neuen Regeln hilft den Republikanern nicht weiter. Schon in drei Tagen setzen sich die Vorwahlen fort - dann in Kansas.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Mehr zum Thema

Auftakt zum „Super Tuesday“ in den USA: Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner hat der bislang wichtigste Wahltag begonnen. Am Dienstag wird in insgesamt zehn Bundesstaaten über einen Gegenkandidaten von US-Präsident Barack Obama abgestimmt.

07.03.2012

Doppelschlag genau zur richtigen Zeit? US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney hat eine Woche vor dem „Super Tuesday“ bewiesen, wichtige Wahlen gewinnen zu können. Doch das Rennen ist längst nicht gelaufen.

29.02.2012

Mitt Romney gilt weiter als Favorit - aber ist er ein „echter“ Konservativer? Im Vorwahlkampf der Republikaner in den USA tobt auch ein ideologischer Streit um die „wahren Werte“ der Partei.

12.02.2012