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US-Präsidentschaftswahl 2012 Romney reist zu den Obama-Skeptikern
Thema Specials US-Präsidentschaftswahl 2012 Romney reist zu den Obama-Skeptikern
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23:24 25.07.2012
Von Stefan Koch
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney reist nach Europa. Quelle: dpa
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Washington

Der US-Wahlkampf greift nach Europa über. Rechtzeitig zur Eröffnung der olympischen Sommerspiele wird Mitt Romney am Freitag in London erwartet, und in den nächsten Tagen reist der republikanische Präsidentschaftskandidat nach Jerusalem und Warschau weiter, um die Wähler in seiner Heimat für sich zu gewinnen. Für den 65-jährigen Herausforderer keine leichte Aufgabe: Zum einen erinnern sich viele Amerikaner noch an Barack Obamas schillernden Auftritt 2008 in Berlin. Zum anderen beschreibt Romney Europa seit Monaten als einen „Kontinent der Leistungsempfänger“.

Romneys Route ist denn auch fein-säuberlich ausgewählt. Es gilt in den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten als Selbstverständlichkeit, zunächst den Briten die Aufwartung zu machen, um die besondere Verbundenheit zu betonen. Als geschickte Anti-Obama-Kampagne lassen sich dagegen die Besuche in Israel und Polen interpretieren: Seit seinem Amtsantritt hatte der US-Präsident keinen vernünftigen Zugang zu der Regierung von Benjamin Netanjahu gefunden. Dagegen kennen sich Romney und Netanjahu seit Studentenzeiten, später waren sie kurzzeitig sogar geschäftlich miteinander verbunden.

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Auf Obama-Skeptiker trifft Romney auch in Polen. Vor allem Friedensnobelpreisträger Lech Walesa machte nie einen Hehl aus seiner Meinung, dass Obamas freundliche Töne gegenüber Moskau „naiv“ seien. Dass der Präsident gleich zu Beginn seiner Amtszeit in den erlauchten Kreis der Friedensnobelpreisträger aufgenommen wurde, sah er ebenfalls kritisch.

Romney legte dagegen am Dienstag abend vor Kriegsveteranen in Reno, Nevada, die Tonlage für seine Europa-Reise fest: „Für die amerikanische Macht schäme ich mich nicht“, sagte er. „Dieses Jahrhundert muss ein amerikanisches Jahrhundert werden.“ Die früheren Soldaten applaudierten ihm lautstark, als er Israel seine Solidarität versicherte und klarstellte, dass er hart gegen das iranische Atomforschungsprogramm vorgehen werde. Allerdings ließ es der Wahlkämpfer offen, wie seine Strategie in dieser schwierigen Frage konkret aussieht. Dafür haben die republikanischen Wahlstrategen sicherlich genau im Blick, dass die ehemaligen Soldaten bei der vergangenen Präsidentschaftswahl mit breiter Mehrheit für seinen Vorgänger John McCain stimmten. Diese Wählerschaft zu mobilisieren, ist ihm daher ein besonderes Anliegen.

Dass Romney nun für eine knappe Woche auf dem alten Kontinent unterwegs ist, registrieren einige Republikaner mit Verwunderung: Da die Außenpolitik in aller Regel nicht als wahlentscheidend gilt, befürchten sie eine gewisse Zeitverschwendung, zumal der Amtsinhaber in diesen Tagen mehrere Wahlkampfveranstaltungen an der Westküste absolviert. Andererseits: Obama genießt gerade auf dem Feld der internationalen Beziehungen einen guten Ruf in Amerika. In Umfragen liegt der „Commander in Chief“ vorn, wenn es um außenpolitische Kompetenzen geht. Diese Schwachstelle in der öffentlichen Wahrnehmung auszugleichen, dürfte daher Romneys erstes Ziel auf seiner Europa-Tour sein.

Bisher machte der Wahlkämpfer in der Außenpolitik eher mit holzschnittartigen Thesen von sich reden: Romney nannte Moskau den „geostrategischen Gegner Nummer eins“ und warf Europa vor, sozialistische Ideen zu verfolgen. Prägend sollte auch seine These werden, „Europa funktioniert nicht, noch nicht einmal in Europa“.

Eigentlich weiß es Romney besser. Als junger Missionar der Mormonenkirche war er zwei Jahre in Frankreich unterwegs – seine guten Französischkenntnisse erinnern bis heute daran. Und als Geschäftsmann pflegte er später wie selbstverständlich enge Kontakte zur europäischen Wirtschaft.  

Doch ein amerikanischer Wahlkampf ist eben nichts für Feingeister. Unter republikanischen Parteistrategen herrscht die feste Überzeugung vor, dass einige Wähler diese Fremdsprachenkenntnisse, speziell französisch, als elitär betrachten könnten. Romney vermied es daher, im Wahlkampf über seine guten Kontakte ins Ausland zu sprechen.