Barsinghausen: Abgebrannte Ökostation in Großgoltern: Besitzer steht vor Trümmern seines Lebenswerkes
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Barsinghausen Abgebrannte Ökostation in Großgoltern: Besitzer steht vor Trümmern seines Lebenswerkes
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Barsinghausen: Abgebrannte Ökostation in Großgoltern: Besitzer steht vor Trümmern seines Lebenswerkes

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18:42 31.12.2019
Die Ruine ist nach dem Feuer und dem Abschluss der Löscharbeiten einsturzgefährdet.
Die Ruine ist nach dem Feuer und dem Abschluss der Löscharbeiten einsturzgefährdet. Quelle: Ingo Rodriguez
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Großgoltern

Fassungslos beobachtet der pensionierte Lehrer Frank Roth von einem benachbarten Feld aus den Abschluss der Löscharbeiten. Dass bei dem verheerenden Brand am frühen Montagmorgen ein Großteil seiner Ökostation Deister-Vorland völlig zerstört wurde, ist schnell klar, als die dichtesten Rauchschwaden über der Brandruine langsam abziehen. Dass Einsatzkräfte einige Stunden später in einem zerstörten Gebäudeteil unter verkohltem Schutt ein Todesopfer finden werden, konnte aber zu diesem Zeitpunkt noch niemand wissen.

Roth ist bei dem Feuer unverletzt geblieben, ebenso wie 51 Gäste aus dem Seminarhaus der niedergebrannten Ökostation. Doch nun steht Roth trotzdem direkt vor den Trümmern seines Lebenswerkes. „1983 habe ich das Gebäude als Resthof gekauft und seitdem auch saniert und umgebaut. Seit etwa einem Jahr erst wird jeder Quadratmeter auch genutzt“, sagt er leise.

Nach dem verheerenden Brand mit einem Todesopfer in Großgoltern ist die Ökostation Deister-Vorland völlig zerstört. Die Ruine ist nach dem Abschluss der Löscharbeiten einsturzgefährdet.

Die Ökostation Deister-Vorland mit einem Seminarhaus, Werkstätten, Büro und einer Apfelmosterei ist in jahrzehntelanger Arbeit von dem früheren IGS-Lehrer aufgebaut worden. „Erst gab es eine Projektgruppe, dann haben wir 1985 den Verein gegründet“, erzählt der 74-jährige Grünen-Ratsherr Roth. Denn: Ökostation Deister-Vorland ist nicht nur der Name für das nun niedergebrannte Gebäude, sondern auch ein gemeinnütziger Verein. Seit 34 Jahren widmet sich dieser Verein Natur-, Umwelt- und Klimaschutzthemen. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Schlaf- und Aufenthaltsräume des Seminarhauses wurden bislang an verschiedene Gruppen für Veranstaltungen vermietet. „Unser ursprüngliches Ziel war es, ökologische Erkenntnisse lokal umzusetzen“, sagt Roth.

Etwa dreieinhalb Jahre vor dem Großbrand: Frank Roth stellt im Seminarhaus der Ökostation Stühle für eine Veranstaltung auf. Quelle: Archiv

Er verweist auch auf den Verein Horizonte, der seit 2013 ebenfalls seinen Sitz in dem umgebauten Bauernhof hat. Dieser Verein engagiert sich für Menschenrechte und Flüchtlingsprojekte, kämpft gegen Gewalt, Drogen und Extremismus. Roth ist dort ebenso Vorsitzender wie im Verein Ökostation. Gerade war er nach eigenen Angaben dabei, an einer Nachfolgeregelung zu arbeiten. Das sei nun wohl hinfällig. „Das ist jetzt schon ein Einschnitt“, sagt Roth beim Blick auf die Ruine des Seminarhauses.

Roth sorgt sich um andere Betroffene

Zwar ist die Immobilie gegen den Brandschaden nach Angaben des Eigentümers versichert. Es passt aber zu ihm, dass er sich ausgerechnet in dieser Situation um andere Betroffene des Unglücks sorgt, etwa um vier Mitarbeiter, die beim Verein Ökostation beschäftigt sind. „Insgesamt sind es eineinhalb Stellen, ein Minijobber und eine Stelle für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Was passiert jetzt mit den Arbeitsplätzen der Mitarbeiter?“, fragt Roth. Immerhin seien diese Stellen abhängig vom Erhalt der Ökostation.

Der 74-Jährige denkt auch an die Theater-, Musik- und anderen Gruppen, die sein Seminarhaus für bevorstehende Veranstaltungen gebucht haben. „Ich muss die Leute informieren, damit sie woanders unterkommen können“, sagt Roth. Nur müsse er sehen, wie er diese Gruppen zeitig erreichen könne. „Die Computer und die Buchungsunterlagen sind ja alle zerstört“, sagt er. Auch Roths Wohnhaus am Rand des nahezu zerstörten Gebäudeensembles ist wegen erheblicher Löschwasserschäden vorerst unbewohnbar. „Meine Frau hat aber in Barsinghausen ein Haus. Dort kann ich unterkommen“, sagt Roth.

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Von Ingo Rodriguez