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Barsinghausen Alte Zeche muss in diesem Jahr eine neue Führung finden – doch die Suche ist kompliziert
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Barsinghausen: Besucherbergwerk Alte Zeche muss 2020 eine neue Führung suchen - kommt nun ein hauptamtlicher Geschäftsführer?

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16:50 10.02.2020
Alte-Zeche-Geschäftsführer Thomas Schmidt hat in den vergangenen Jahren viele Ideen umgesetzt, um das Barsinghäuser Besucherbergwerk attraktiver zu machen. Quelle: Andreas Kannegießer
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Barsinghausen

Im Barsinghäuser Besucherbergwerk steht in diesem Jahr ein Führungswechsel bevor. Thomas Schmidt, ehrenamtlicher Geschäftsführer der gemeinnützigen Alten Zeche GmbH, feiert in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag und will künftig kürzertreten. „Das ist schon eine Schallgrenze“, sagt Schmidt, der sich für die Zukunft ein wenig mehr Freizeit wünscht. In den vergangenen Jahren dagegen war die Entwicklung gegensätzlich verlaufen: Mit den zusätzlichen Aufgaben für die Alte Zeche – etwa im Bereich des Tourismus – hatte auch Schmidt mehr und mehr Arbeit übernommen.

Alles hatte begonnen, als Thomas Schmidt im Februar 2014 als Leiter des Barsinghäuser Polizeikommissariats in den Ruhestand verabschiedet wurde. Damals sei er gefragt worden, ob er Lust habe, im Kreis der ehrenamtlichen Grubenführer mitzumachen, erinnert sich der pensionierte Erste Kriminalhauptkommissar. Schmidt hatte Lust. „Und daraus ist das Ganze erwachsen“, sagt er.

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Aufgaben wurden immer mehr

Eigentlich hatte er bei seinem Ausscheiden als Polizeichef genaue Vorstellungen, wie der Ruhestand ausgefüllt werden sollte, berichtet Schmidt, der sehr gerne fotografiert und Videofilme dreht. Doch statt seinen großen Fundus an Filmmaterial zu schneiden, kniete er sich bald mit ganzer Kraft in die neue ehrenamtliche Aufgabe im Besucherbergwerk.

Nach dem Start als Grubenführer übernahm Schmidt bald auch Verantwortung für den Bereich Vermietung und Verpachtung der Räume im Zechengebäude. „Und Stück für Stück wurde es mehr“, erinnert er sich. Schmidt stieg in die Büroarbeit ein, baute die Technik bei Veranstaltungen auf – und setzte zunehmend Ideen um, die die Alte Zeche voranbrachten. 2016 starb der damalige kaufmännische Geschäftsführer Günter Friehe, und Schmidt wurde zu dessen Nachfolger an der Seite von Besucherbergwerks-Initiator Dieter Lohmann berufen.

„Das ist ein Fulltime-Job“: Thomas Schmidt ist derzeit ehrenamtlicher Geschäftsführer. Die Aufgaben seien inzwischen so vielfältig, dass er ein Einstellung eines Profis befürwortet. Quelle: Andreas Kannegießer

„Ohne Dieter Lohmann gäbe es das Ganze hier gar nicht“, betont Schmidt. Lohmann ist aus Altersgründen Ende 2018 in den Aufsichtsrat der Alten Zeche gewechselt. Gleichzeitig übernahm die Alte Zeche zusätzlich die Aufgabe als Anlauf- und Informationsstelle für Touristen und Besucher der Deisterstadt – und Schmidt kniete sich auch in dieses neue Thema mit viel Energie hinein. Die Folge: Das Aufgabenspektrum des ehrenamtlichen Alte Zeche-Geschäftsführers ist immer größer geworden. Stück für Stück sei es mehr geworden, „und plötzlich hatte ich fast alles“, berichtet der ehrenamtliche Geschäftsführer. „Aber das meiste habe ich mir ja schließlich selbst an Land gezogen.“

Freude über Anerkennung

Manchmal zieht Schmidt Vergleiche mit seinem früheren Beruf. „Bei der Polizei habe ich nicht so viel gearbeitet“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Da konnte man nach anstrengenden Phasen auch mal freimachen. Das geht jetzt nicht.“ Er habe aber zum Glück eine sehr tolerante Lebensgefährtin, die ihm im Ehrenamt freie Hand lasse, sagt er.

Der Geschäftsführer freut sich darüber, dass seine Arbeit anerkannt wird. Vor wenigen Tagen ist er auf Vorschlag der Barsinghäuser Stadtverwaltung von der Region Hannover für sein ehrenamtliches Engagement geehrt worden. Auf diese Weise werde Wertschätzung deutlich. „Das Lob tut gut“, sagt Schmidt.

Kein Nachfolger in Sicht

Wie es in der Führung der Alten Zeche weitergeht, ist noch unklar. Einige potenzielle Nachfolgekandidaten seien bereits angesprochen worden, berichtet Schmidt – allerdings bisher ohne Erfolg. „Die Komplexität der Aufgabe schreckt wohl ab“, sagt er. Der ehrenamtliche Geschäftsführer will nicht sofort nach seinem runden Geburtstag abtreten. „Aber ich würde das Ganze schon gerne in diesem Jahr zu Ende bringen.“ Im März steht eine Gesellschafterversammlung der Alten Zeche an. „Da muss diskutiert werden.“

Geschäftsführung künftig im Hauptamt?

Schmidt hat Zweifel, ob es angesichts der Aufgabenfülle künftig noch möglich sein wird, die Alte Zeche im Ehrenamt, also quasi nebenbei, zu führen. „Das ist ein Fulltime-Job“, betont er – und hält deshalb die Einstellung eines hauptamtlichen Geschäftsführers oder einer Geschäftsführerin für sinnvoll. „Vielleicht könnte ein studierter Berufsanfänger dafür gewonnen werden“, sagt Schmidt.

Er sieht viele Chancen für die künftige Führung, sich zu entfalten und gleichzeitig die Einnahmen der Alten Zeche zu steigern. „Wir können noch mehr eigene Veranstaltungen auf dem Zechengelände entwickeln als bisher“, sagt der Noch-Geschäftsführer. Auch im Bereich Tourismus und Vermarktung der Deisterstadt gebe es viele Möglichkeiten.

Schmidt will Grubenführer bleiben

Nach dem Rückzug von der Geschäftsführung werde er „nicht veröden und vereinsamen“, da ist sich Schmidt sicher. Er hat vor, der Alten Zeche als Grubenführer erhalten zu bleiben. Auch im Veranstaltungsbereich könne er sich eine weitere Mitwirkung vorstellen, sagt er. „Aber der Druck und Zwang ist dann weg.“ Schmidt will sich künftig viel mehr als bisher Haus und Garten und seinen anderen Hobbys widmen. Er malt sich in Gedanken schon aus, wie es demnächst sein könnte: „Ich stehe morgens auf und sage zu mir: Heute mache ich einfach mal zehn Meter Hecke.“

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Von Andreas Kannegießer