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Barsinghausen Ehrenamtliche helfen Zuwanderern bei Übersetzungen
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Barsinghausen: Ehrenamtliche helfen Zuwanderern bei Übersetzungen

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18:10 28.02.2020
Die Koordinatoren Claus Bischoff (rechts) und Sabine Freitag (von links) hoffen mit den Helferinnen Nada Chaaban und Emel Demir auf eine Fortsetzung des Übersetzungsangebotes über das Jahr 2020 hinaus. Quelle: Frank Hermann
Barsinghausen

Für viele Zuwanderer und Flüchtlinge in Barsinghausen reichen die ersten Deutschkenntnisse nicht aus, um offizielle Schriftstücke von Behörden, Firmen, Ärzten oder sozialen Einrichtungen in allen Einzelheiten zu verstehen. Bei solchen Alltagsproblemen bietet der Übersetzungsservice im Freiwilligen-Zentrum Barsinghausen (FZB) eine wichtige Unterstützung: Ehrenamtliche Helferinnen übersetzen die deutschen Texte aus Briefen und Formularen in die jeweilige Muttersprache der Neu-Barsinghäuser – zumeist ins Arabische, Kurdische oder Persische.

Menschen sind verunsichert

Nada Chaaban gehört bereits seit Beginn dieses Projekts im Herbst 2016 zu den Übersetzungshelferinnen. „Ich weiß, wie verunsichert die Menschen sich fühlen, wenn sie mit der komplizierten deutschen Sprache in einem Behörden- oder Verwaltungsbrief nicht klarkommen. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen. Wenn wir ihnen in unserer Sprechstunde geholfen haben, dann gehen die Leute mit einem Lächeln im Gesicht wieder nach Hause“, erläutert Chaaban, deren Familie vor mehr als 30 Jahren aus dem Libanon nach Deutschland geflüchtet war.

Ähnliche Erfahrungen macht die Helferin Emel Demir bei den Übersetzungssprechstunden im Freiwilligen-Zentrum. „Oft sind die Schriftstücke in einem Bürokratendeutsch formuliert, das selbst für gebürtige Deutsche nur schwer verständlich ist“, sagt Demir, die außer Deutsch auch Arabisch, Kurdisch und Türkisch spricht.

Übersetzer sind eine große Hilfe

Alle zwei bis drei Wochen kommt Hussein Sheikh Messo in das FZB-Büro, um sich Hilfe bei der Übersetzung ins Arabische zu holen. Seit fünf Jahren lebt der Syrer in Deutschland und kann sich im Alltag gut auf Deutsch unterhalten. Aber bei vielen Behördenbriefen reichen die Kenntnisse nicht aus. „Da sind die Übersetzer hier eine große Hilfe, und ich weiß, wie ich auf die Briefe reagieren muss“, sagt Messo, der sich vor wenigen Wochen mit einer Döneria in der Innenstadt selbstständig gemacht hat. Darum habe er derzeit besonders viel Schriftverkehr zu bewältigen – zum Beispiel mit Sozial- und Krankenversicherungen, Finanzamt und Steuerberater.

Nada Chaaban (links) hilft Hussein Sheikh Messo bei der Übersetzung eines Behördenschreibens. Quelle: Frank Hermann

Zwischen zehn und 20 Hilfesuchende kommen jeweils zu den Übersetzungssprechstunden dienstags und mittwochs von 10 bis 12 Uhr ins FZB an der Marktstraße 33. Manche Kunden suchten nach Angaben der beiden Projektkoordinatoren Sabine Freitag vom Kirchenkreis Ronnenberg und Claus Bischoff vom FZB lediglich eine kurze Übersetzungshilfe, während in anderen Fällen ein großer Zeitaufwand erforderlich sei. „Dann haben die Leute gleich mehrere Briefe und Formulare dabei. Außerdem lassen sich nicht alle inhaltlichen Fragen sofort klären“, erläutert Freitag.

Begleitung zu Behörden

In solch komplizierten Fällen vermitteln die Helfer ihre Kunden zu weiteren Beratungsangeboten und sozialen Diensten. Außerdem kommen die Übersetzungshelfer bei Bedarf mit zu Behörden, Ärzten, Wohnungsvermietern, in Schulen oder Kindergärten – „überall dort, wo eine Übersetzung erforderlich ist, um die Fragen oder Probleme zu klären“, sagt Bischoff. Für diese Begleitungen stehen fünf ehrenamtliche Helfer bereit. Hinzu kommen drei Ehrenamtliche für die festen Sprechzeiten: Chaaban, Demir und Nada Hussein.

Derzeit finanziert der Kirchenkreis Ronnenberg zu großen Teilen die Sachkosten und Aufwandsentschädigungen für diesen Übersetzungsservice. Hinzu kommen Zuschüsse der Stadt Barsinghausen und der Sparkassenstiftung. „Das Projekt ist bis Ende 2020 gesichert. Wir alle hoffen, dass es auch darüber hinaus noch eine Übersetzungshilfe geben wird“, betont Bischoff. Dazu sei das Projekt auf Sponsoren angewiesen.

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Von Frank Hermann

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