Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Barsinghausen Soll Grundwasser aus Eckerde bald die Stadt Gehrden versorgen?
Umland Barsinghausen

Barsinghausen: Grundwasser aus Eckerde auch für die Stadt Gehrden?

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
15:24 28.08.2019
Frisches Trinkwasser fließt aus dem Hahn. In Barsinghausen ringen Politik und Verwaltung weiterhin um viele Details beim Bau eines neuen Grundwasserwerks. Quelle: dpa
Anzeige
Barsinghausen

Beim Disput über den Neubau des Grundwasserwerks Eckerde konzentriert sich die Diskussion auf zwei strittige Punkte: Sollen die Barsinghäuser Stadtwerke künftig die jeweils höchstzulässige Wassermenge aus ihren Tiefbrunnen fördern, um die nicht selbst benötigte Menge dann zu verkaufen? Die zweite offene Frage ist die des Wasseraufbereitungsverfahrens im geplanten Werk.

Rund zwei Stunden lang hat der städtische Finanzausschuss am Dienstagabend mit Experten, Bürgern und Vertretern der Stadtwerke intensiv diskutiert. Eine Abstimmung gab es am Ende nicht. Bis zur entscheidenden Ratssitzung am 19. September wollen die Fraktionen die umfangreichen Gutachten und Beschlussvorlagen zum Thema beraten und erst dann die Entscheidung treffen. Festgelegt haben sich bereits die SPD und die Grünen: Beide Fraktionen lehnen es strikt ab, dass in Barsinghausen auf Dauer mehr Grundwasser gefördert wird, als die Stadtwerke selbst benötigen. Beide Fraktionen präferieren zudem das sogenannte Carix-Verfahren zur Wasserenthärtung – so, wie es auch der Aufsichtsrat der Stadtwerke auf der Grundlage eines Gutachtens des Ingenieurbüros H2U empfohlen hatte.

Anzeige

Verwaltung befürchtet höheren Wasserpreis

Bürgermeister Marc Lahmann machte in der Sitzung deutlich, dass er wirtschaftliche Aspekte stärker bei den anstehenden Entscheidungen berücksichtigt sehen möchte. Er kritisierte die Ergebnisse der von H2U vorgelegten Nutzwertanalyse zu den unterschiedlichen Verfahren als „nicht nachvollziehbar“. Das Carix-Verfahren sei teurer und werde im späteren Betrieb zu einer Erhöhung des Trinkwasserpreises um voraussichtlich 16 Cent pro Kubikmeter führen. „Das ist den Bürgern nicht zumutbar“, sagte er.

Ebenfalls unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten hält es der Bürgermeister für sinnvoll, im Grundwasserwerk die jeweils von der Aufsichtsbehörde genehmigte Höchstfördermenge von derzeit 2,2 Millionen Kubikmeter pro Jahr zu nutzen. Das Werk müsse dann nicht ständig hoch- und wieder heruntergefahren werden, argumentierte er. Die Grundkosten pro Kubikmeter seien niedriger.

Lahmann erntet Widerspruch

An einer Kooperation mit den Barsinghäuser Stadtwerken ist der Nachbarversorger Purena interessiert. In den Gesprächen mit Stadtverwaltung und Stadtwerken hat Purena offenbar bereits konkrete Pläne vorgelegt, wohin das nicht in Barsinghausen benötigte Eckerder Wasser geliefert werden könnte. Eine Idee sei, mit dem überschüssigen Wasser die Stadt Gehrden zu versorgen, berichtete Lahmann. „Das würde wiederum die Talsperren im Harz schonen“, sagte er. Dieser Vorschlag sei zu überlegen.

Lahmann erntete mit seinen Argumenten in der Diskussion allerdings breiten Widerspruch. Der Barsinghäuser Hydrogeologe Ralf Ronschke warf der Stadtverwaltung vor, eines seiner Gutachten falsch interpretiert zu haben. Er verwies darauf, dass der Grundwasserleiter unter dem Deistervorland auch von anderen Versorgungsunternehmen angezapft werde. Ronschke warnte insbesondere davor, eine noch höhere als die jetzt erlaubte Fördermenge bei der Verlängerung der Genehmigung anzustreben. „Es wäre äußerst kritisch, mehr zu bewilligen als bisher“, sagte der Hydrogeologe.

Der Eckerder Landwirt Eberhard von Ilten-Ausmeyer berichtete, dass Oberflächenwasser fehle und etwa der Kirchdorfer Mühlbach zuletzt über Monate hinweg komplett trockengefallen sei. „Wir müssen unser Wasserrecht nachdrücklich verfolgen“, sagte er. Vor diesem Hintergrund sei es „nicht sinnvoll, Wasser als Wirtschaftsgut zu betrachten“. Ähnlich äußerte sich auch der technische Leiter der Stadtwerke, Torsten Holzhausen: „Wir sollten vernünftig und ökologisch nachhaltig mit dem Grundwasser umgehen“, sagte er. Auch in einem Gespräch mit der Region Hannover habe jüngst Einigkeit bestanden: „Wasser ist keine Handelsware.“

Gutachten mit vielen Details

H2U-Gutachter Frank Urban verteidigte die Ergebnisse seiner Studie. Entsprechend der Forderungen der Auftraggeber habe sein Unternehmen bei der Abwägung „mit sehr hoher Detailtiefe“ gearbeitet, was für Gutachten dieser Art ungewöhnlich sei. Auch nach einer von der Verwaltung geforderten Nachbesserung und Neugewichtung wirtschaftlicher Parameter seien „die Ergebnisse gleich geblieben“, betonte er.

Gutachter Frank Urban von der Firma H2U erläutert den Besuchern der Ausschusssitzung, warum in der Expertise das Carix-Verfahren zur Wasseraufbereitung empfohlen wird. Quelle: Andreas Kannegießer

Der Ausschussvorsitzende Reinhard Dobelmann (SPD) kritisierte, dass auf Betreiben der Stadtverwaltung die vorliegenden Gutachten nicht öffentlich einzusehen sind. Lahmann begründete das damit, dass darin auch konkrete Schätzkosten für den Bau des neuen Wasserwerks genannt seien. Bei der Ausschreibung der Arbeiten sei es nicht sinnvoll, wenn den Firmen diese Zahlen bekannt seien, argumentierte der Verwaltungschef.

CDU: Müssten schon weiter sein

Maximilian Schneider (SPD) mahnte an, dass nun eine schnelle Festlegung auf ein Aufbereitungsverfahren notwendig sei, um hohe parallele Planungskosten zu vermeiden. Die SPD plädiere für das Carix-Verfahren – auch wegen der technischen Möglichkeiten: „Wir wollen auch Sulfat und Nitrat perspektivisch entfernen können.“

Thomas Lux (Grüne) schloss sich diesen Argumenten an: „Das Carix-Verfahren bietet die wirtschaftlich nachhaltigere Lösung.“ Eine Diskussion unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei „bei der Daseinsvorsorge nicht angebracht“.

Roland Zieseniß (CDU) ließ Kritik an den Stadtwerken und deren Aufsichtsrat durchklingen, weil etwa Gespräche mit der Region erst jetzt und nicht schon vor zwei Jahren geführt worden seien. „Wir hätten weiter sein müssen“, sagte er. CDU-Fraktionssprecher Gerald Schroth bedauerte, dass bisher „kein besserer Dialog mit den Ratsmitgliedern gelungen ist“. Er verwies darauf, dass „in der Summe“ das Schnellentkarbonisierungsverfahren günstiger sei als das Carix-Verfahren.

Von Andreas Kannegießer

Elf Schüler des Hannah-Arendt-Gymnasiums Barsinghausen haben sogenannte DELF-Französisch-Zertifikate erworben. In einer kleinen Zeremonie durften die jetzigen Zehntklässler die begehrten Urkunden in Empfang nehmen.

28.08.2019

Der Kunstverein Barsinghausen feiert Premiere mit der ersten Ausstellung in der Kulturfabrik Krawatte: Helmut Müller aus Emden zeigt vom 30. August bis zum 29. September eine Auswahl seiner Werke unter dem Titel „Zwischen Abstraktion und informell – Das Informelle kehrt zurück“.

28.08.2019

Ein Förderverein wird künftig die Arbeit des Brigittenstiftes in Barsinghausen unterstützen. Er will sich um Spenden bemühen, um vor allem die Freizeitangebote für die Bewohner verbessern zu können.

27.08.2019