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Barsinghausen Illegale Strecken für Mountainbiker im Deister: Waldbesitzer klagen über massive Probleme
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Barsinghausen: Illegale Trails für Mountainbiker im Deister: Waldbesitzer klagen über massive Probleme

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15:53 16.08.2019
Mountainbiker sind auf einem Trail im Deister unterwegs. Drei offizielle Trails sind genehmigt, für Verdruss sorgt allerdings die steigende Zahl illegaler Strecken abseits der Hauptwege. Quelle: dpa
Barsinghausen

Die Forst- und Naturschutzbehörden sowie die Waldbesitzer im Deister sind nicht gut auf Mountainbiker zu sprechen, die im Deister abseits der Wege auf illegalen Trails unterwegs sind. Die Zahl dieser zumeist selbst angelegten Fahrstrecken steigt offenbar: „Wir schätzen, dass neben den drei genehmigten Trails mehrere Dutzend weitere Strecken unerlaubt für Abfahrten in Gebrauch sind“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Auch der Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Saupark, Christian Boele-Keimer, spricht von einer „steigenden Aktivität bei der Ausgestaltung illegaler Trails“ im Deister. Constantin von Waldthausen, Betriebsleiter der Klosterforsten, berichtet von einer „zunehmenden Beanspruchung des Landschaftsschutzgebiets durch Mountainbiker“. Nach den Worten von Wilhelm Gieseke, Vorsitzender der Forstinteressentenschaft Barsinghausen-Altenhof, gleicht der Kampf gegen immer neue Trails durchs Unterholz der privaten Genossenschaft einem „Katz-und Maus-Spiel“.

Behörden lehnen weitere offizielle Trails ab

Seit knapp fünf Jahren gibt es im Deister die Möglichkeit für Mountainbiker, ihr Hobby auch abseits der Hauptwege auf drei offiziell genehmigten Trails oberhalb von Egestorf und der Wennigser Mark zu betreiben. Die Landesforsten hatten im Herbst 2014 einen entsprechenden Pachtvertrag mit dem Verein Deisterfreun.de unterzeichnet, in dem mittlerweile mehrere Hundert Mountainbiker organisiert sind. Seitdem pflegen und betreuen Vereinsmitglieder die drei Trails mit den Namen „Ladies only“, „Ü-30“ und „BMX“. Der Mountainbikerverein hatte bei seiner Versammlung in diesem Jahr angekündigt, dass er die Zahl seiner Mitglieder deutlich steigern wolle, um zugleich gute Argumente für weitere offiziell genehmigte Trails zu haben.

Angesichts der aktuellen Probleme mit illegalen Strecken durch den Wald erteilen die Behörden und Waldbesitzer diesem Ansinnen aber eine deutliche Absage: „Durch die Zunahme der illegalen Nutzung verringert sich die Akzeptanz für zusätzliche Trails bei allen betroffenen Waldeigentümern zunehmend“, sagt Boele-Keimer. Das gelte auch für das Forstamt Saupark: „Wir können nicht mutwillige Sachbeschädigung und vorsätzliche Verstöße gegen das Wald- und teilweise Naturschutzrecht dadurch honorieren, indem wir zusätzliche Trails anbieten.“ Das wäre aus Sicht des Forstamtsleiters „ein Affront gegenüber allen unseren anderen Waldnutzern, die sich an die Regeln halten und die Natur und das Grundeigentum respektieren“. Die Klosterforstverwaltung ist nach den Worten ihres Betriebsleiters „einer vertraglichen Vereinbarung mit einem zuverlässigen Partner“ grundsätzlich nicht abgeneigt. Allerdings sei die derzeitige Situation „derart unbefriedigend, dass wir uns heute keine Vereinbarung vorstellen können“, sagt von Waldthausen.

Umfangreiche Bautätigkeit abseits der Wege

Auch aus Sicht der Naturschutzbehörde sind weitere offizielle Trails derzeit eher unwahrscheinlich: „Bevor wir darüber sprechen, müssen die alten Probleme gelöst werden“, sagt Regionssprecher Abelmann. „Wir brauchen mehr Respekt für die verschiedenen Interessen aller im Deister Erholungsuchenden.“ Auch Gieseke kann sich aus Sicht der Forstinteressentenschaft zurzeit keine weiteren Zugeständnisse an die Mountainbiker vorstellen: „Unseren Wald zu öffnen, lehnen wir strikt ab.“

Für Ärger im Wald sorgen vor allem jene Mountainbiker, die sich neue Abfahrtsstrecken abseits der Wege teilweise mit viel Aufwand so herrichten, dass der Spaßfaktor beim Befahren gesteigert wird. Boele-Keimer berichtet von „umfangreichen Bautätigkeiten auf den Trails bis zum Absägen von Bäumen und erheblichen Erdbewegungen“. Das erfülle den Tatbestand der Sachbeschädigung. In den Waldgebieten der Klosterforsten haben die Förster laut von Waldthausen sogar schon festgestellt, „dass wilde Streckenführungen und Bauten zum Teil mit Minibaggern errichtet und Bachläufe beeinträchtigt wurden“. Auch Gieseke berichtet von zunehmenden Bautätigkeiten im Privatwald oberhalb der Kernstadt. Mountainbiker auf den illegalen Trails anzusprechen führe zu nichts. „Es gibt kaum Unrechtsbewusstsein.“

Lob für den Verein Deisterfreun.de

Regionssprecher Abelmann weist auf weitere Probleme im Zusammenhang mit der Nutzung illegaler Trails hin. Die schnell fahrenden Mountainbiker stellten auch ein Risiko für Spaziergänger dar, die ohne Hinweisschilder nicht mit plötzlich kreuzenden Mountainbikes rechnen könnten. „Es kommt auch zu massiven Störungen des Rotwilds und anderer Wildarten, wenn Rückzugsbereiche durchquert werden oder Trails nahe an Äsungs- oder Einstandsflächen vorbeiführen“, sagt Abelmann.

Bei aller Kritik äußern sich die Behördenvertreter wohlwollend über den Verein Deisterfreun.de als Interessenvertretung der Mountainbiker. „Die vertragliche Kooperation auf den offiziellen Trails hat sich bewährt“, sagt Boele-Keimer. Abelmann lobt, dass sich die Situation rund um die von dem Verein betreuten Trails verbessert habe. „Dort ist eine Lenkungswirkung zu beobachten“. Auch die Kommunikation mit den organisierten Mountainbikern funktioniere. Allerdings bestünden die Probleme – bezogen auf den gesamten Deister – trotz aller Bemühungen weiter.

Mountainbike-Rennen auf den offiziellen Trails im Deister – so wie hier im Jahr 2018 – ziehen viele Zuschauer an. Quelle: Archiv (Haendel)

Der Verein Deisterfreun.de will sich in Kürze in einer ausführlichen Stellungnahme auf seiner Internetseite äußern. Auf Anfrage verwies Sprecher Alexander Haufe lediglich auf eine seit vielen Jahren bestehende „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit den Landesforsten.

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Von Andreas Kannegießer

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