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Barsinghausen KiTa Wirbelwind: Trägerverein droht Schließung an
Umland Barsinghausen KiTa Wirbelwind: Trägerverein droht Schließung an
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11:14 23.12.2018
Rebecca Mählert spielt in der neuen Wirbelwind-Kindergartengruppe mit Tim (von links), Guiseppe, Emma und Samuel. Quelle: Archiv (Hermann)
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Barsinghausen

 Die private Kindertagesstätte Wirbelwind im Gemeindehaus der freikirchlichen Hoffnungsgemeinde befindet sich in existentiellen Nöten – und schuld daran ist aus Sicht des Trägervereins die Barsinghäuser Stadtverwaltung. Die Vereinsverantwortlichen beklagen, dass es auch vier Monate nach dem Betriebsstart nach der Erweiterung der Einrichtung keinen Betreibervertrag mit der Stadt gebe. Die Folge: Die Einrichtung erhält derzeit weniger Geld, als sie zur Deckung ihrer Kosten benötigt. „Wir haben mittlerweile ein Defizit von 18.000 Euro angehäuft“, sagt Ralf Hagendorff, der sich im Vorstand des Trägervereins KiTa Hoffnungsgemeinde e.V. um die Kassenführung kümmert. „Wir müssten den Betrieb einstellen, wenn nicht unser Vermieter die Miete stunden würde.“

Die Kindertagesstätte Wirbelwind bot ursprünglich 18 Betreuungsplätze für Kinder im Krippen- und Kindergartenalter und ist in diesem Sommer nach dem Umbau einer angrenzenden Wohnung um zehn Plätze vergrößert worden. Schon bei dem Erweiterungsprojekt, das von der Stadt mit 95.000 Euro mitfinanziert worden ist, hat der Trägerverein laut Hagendorff schlechte Erfahrungen mit der Kommunalverwaltung gemacht. Um die Umbauarbeiten bis zum Start des neuen Kindergartenjahres im August abschließen zu können, habe der Trägerverein im Vorgriff auf die Investitionszusage mit der Umsetzung begonnen, berichtet der Kassenverwalter. „Aber die Stadt kam ständig mit neuen Bedingungen und Auflagen, sodass wir im Juni die Umbauarbeiten stoppen mussten.“ Die Baustelle habe brach gelegen, weil der Verein nicht ohne verbindliche Zusage weiter in Vorleistung habe treten können. Bis dahin seien bereits 25.000 Euro investiert worden. Erst im Juli sei dann der Zuwendungsbescheid der Stadt gekommen, im August sei das Geld ausgezahlt worden. Die Folge: Die erweiterte Kindertagesstätte konnte erst im September öffnen, einen Monat später als geplant.

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Seitdem hofft der Trägerverein auf den Abschluss eines an die neuen Daten angepassten Betreibervertrages – bisher vergeblich. „Die Stadt versucht mit allen Mitteln, die Bedingungen zu ihren Gunsten zu ändern und eigene Lasten auf uns private Betreiber umzulegen“, kritisiert Hagendorff. Die Betreiberkalkulation, die von den Gremien der Stadt genehmigt worden sei, lasse aber keine Spielräume zu. „Wir verfolgen keine Gewinnerzielungsabsicht, die Vereinsmitglieder sind ehrenamtlich tätig“, sagt Hagendorff. Die Stadtverwaltung, so der Vorwurf der Vereinsführung, sitze die Angelegenheit aus. „Wenn diese nicht kurzfristig reagiert, werden wir schließen müssen“, betont Hagendorff.

Die Kritik des Trägervereins sei „nur zum Teil gerechtfertigt“, sagt der Erste Stadtrat Thomas Wolf zu den Vorwürfen des Vorstandes. Richtig sei, dass die Stadt noch keinen neuen Betriebsführungsvertrag mit der Hoffnungsgemeinde abgeschlossen habe. „Grund dafür sind unsere Überlegungen, die Förderung von dritten Kindertagesstättenträgern grundsätzlich umzustellen“, sagt Wolf. Ziel sei es, die zumeist individuell ausgehandelten Defizitabdeckungsverträge zugunsten einer einheitlichen Zuschussrichtlinie umzustellen – „um alle Träger gleich zu behandeln“. Der erste Entwurf der Richtlinie sei den Trägern zur frühzeitigen Information vorgestellt worden. Die Verwaltung habe dazu – auch von der Hoffnungsgemeinde – eine ganze Reihe von Kritikpunkten und Hinweisen erhalten, die es nun aufzuarbeiten gelte. Dann werde es einen Vorschlag für die politischen Gremien geben.

Damit die Wartezeit der Hoffnungsgemeinde nicht zum Nachteil gereiche, habe die Stadtverwaltung Abschläge ausgezahlt, betont Wolf. Einen solchen Abschlag habe die Hoffnungsgemeinde mittlerweile auch hinsichtlich des Defizits in Höhe von 18.000 Euro erhalten. Offensichtlich habe sich die Kritik des Trägervereins mit der Abschlagszahlung „zeitlich überschnitten“, sagt der Erste Stadtrat.

Von Andreas Kannegießer