Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Barsinghausen Neues Wasserwerk: Politik und Verwaltung streiten über das Aufbereitungsverfahren
Umland Barsinghausen

Barsinghausen: Neues Wasserwerk: Heftiger Streit um das Aufbereitungsverfahren

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
17:36 26.08.2019
Die Technik des Grundwasserwerks Eckerde ist marode und dringend erneuerungsbedürftig. Über den Neubau des Werks gibt es allerdings erhebliche Differenzen. Quelle: Andreas Kannegießer
Anzeige
Barsinghausen

Der Streit zwischen der Verwaltungsspitze und Teilen des Rates über den geplanten Neubau des Grundwasserwerks Eckerde droht zu eskalieren. Die Stadtverwaltung schlägt vor, beim Neubau auf ein anderes Wasseraufbereitungsverfahren zu setzen als vom Aufsichtsrat der Stadtwerke vorgeschlagen. SPD und UWG-Fraktion lehnen dies strikt ab. Tiefgreifende Differenzen gibt es auch über die Menge des in Eckerde zu fördernden Grundwassers und beim Umfang der möglichen Kooperation mit benachbarten Versorgern. Die Stadtverwaltung plädiert dafür, mehr zu fördern als selbst benötigt und überschüssiges Wasser zu verkaufen. Das will insbesondere die SPD-Fraktion nicht.

Nach dem Votum des Stadtwerke-Aufsichtsrates im Juli für einen Neubau des maroden Grundwasserwerks beschäftigt das Thema nun auch die Ratsgremien. Formal muss der Rat der Stadt demnächst eine Weisung an die städtischen Vertreter in der Gesellschafterversammlung des Versorgungsunternehmens zu den Neubauplänen beschließen. Als erstes Fachgremium berät der städtische Finanzausschuss in seiner öffentlichen Sitzung am Dienstag, 27. August, über den Inhalt dieser Weisung. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Schulzentrum Am Spalterhals.

Verwaltung kritisiert Stadtwerke

Eine von dem Fachunternehmen H2U gelieferte Machbarkeitsstudie für das Grundwasserwerk hat mehrere Aufbereitungsverfahren für das harte Eckerder Grundwasser miteinander verglichen – so etwa die bisher genutzte Schnellentcarbonisierung, die Umkehrosmose und das sogenannte Carix-Verfahren. Der Aufsichtsrat hat sich in seiner Abwägung für das Carix-Verfahren entschieden, weil damit nicht nur Kalk, sondern auch Sulfat und Nitrat aus dem Wasser entfernt werden können. Die Schnellentcarbonisierung stuften die Aufsichtsratsmitglieder mehrheitlich als „nicht zukunftsweisend“ ein.

Die Stadtverwaltung dagegen will auch in Zukunft auf dieses altbekannte Verfahren setzen. Das Argument der Verwaltung: Beim Carix-Verfahren falle salzhaltiges Restwasser an. Ob dieses überhaupt in die Südaue als Vorfluter eingeleitet werden dürfe, werde sich frühestens 2020 entscheiden. Die Verwaltung argumentiert, dass dieser Zeitverzug nicht akzeptabel sei. Werde weiterhin eine Anlage nach dem Carix-Verfahren geplant, die dann nicht genehmigungsfähig sei, drohe ein Schaden von Hunderttausenden von Euro, meint die Stadtverwaltung und spricht von einem „Ausschlusskriterium“. Zugleich übt die Verwaltung in der Beschlussvorlage deutliche Kritik an den Verantwortlichen der Stadtwerke. „Diese Frage hätte längst durch die Stadtwerke geklärt werden müssen“, heißt es darin.

Aus Sicht der Verwaltung ist es sinnvoll, dass Wassermengen, die in Eckerde und im Deister gefördert, aber nicht vollständig selbst benötigt werden, auf dem Markt verkauft werden. Der Erlös könne zu einer Senkung des Wasserpreises für örtliche Verbraucher beitragen oder aber zur Abdeckung der Verluste des Deisterbades eingesetzt werden, heißt es in der Vorlage. Die Wasserkunden könnten so um mindestens 100.000 Euro jährlich entlastet werden, rechnet die Stadtverwaltung vor.

Leitungsverbund als Ziel

Die Verwaltung beklagt außerdem, dass das Barsinghäuser Wasserleitungsnetz weitgehend isoliert ist von dem Netz der Nachbarversorger. Lediglich zehn Prozent der Barsinghäuser Bevölkerung könnten in einem Störfall über die vorhandenen, wenig leistungsfähigen Übergabepunkte zu Nachbarnetzen versorgt werden. Das sei keinesfalls zeitgemäß. Die Verantwortlichen der Stadt plädieren deshalb für die Schaffung eines Leitungsverbundsystems. Die Firma Purena etwa hat nach Angaben der Verwaltung Interesse am Kauf von Barsinghäuser Wasser signalisiert und ist demnach auch bereit, eine Verbindungsleitung zum eigenen Netz zu bauen, über die der gesamte Wasserbedarf der Stadt Barsinghausen gedeckt werden könnte.

Die Stadtverwaltung betont aber auch, dass „die Selbstständigkeit der Stadtwerke Barsinghausen unberührt bleiben“ und auch das Wasserrecht zur Förderung unbedingt bei den Stadtwerken verbleiben müsse.

Die SPD-Ratsfraktion hat dagegen am Montag einen umfangreichen Änderungsantrag für die Beratungen in den Ratsgremien angekündigt. Die SPD will auf jeden Fall an dem vom Aufsichtsrat favorisierten Carix-Aufbereitungsverfahren festhalten. Ein Verkauf von Trinkwasser außerhalb des eigenen Versorgungsgebiets soll nach dem Willen der Sozialdemokraten höchstens „zur kurzfristigen Überbrückung in temporären Engpässen in angrenzende Versorgungsgebiete“ zulässig sein.

SPD: Neue Technik ist notwendig

Nach Mitteilung der SPD hat „der Beschlussvorschlag des Bürgermeisters“ großes Erstaunen in ihrer Ratsfraktion hervorgerufen. „Wie ausgewiesene Fachleute und die Mitglieder des Aufsichtsrates durch die Vorlage des Bürgermeisters abqualifiziert werden, ist anmaßend und unkollegial“, lässt sich SPD-Ortsvereinsvorsitzender Reinhard Dobelmann in der Mitteilung der Fraktion zitieren. „Um für die Unwägbarkeiten der nächsten Jahrzehnte gerüstet zu sein, brauchen wir eine andere Aufbereitungstechnik“, sagt Maximilian Schneider, Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke, und verweist auf mögliche Probleme mit der Sulfat- und Nitrat-Konzentration im Wasser. Der Vorschlag des Bürgermeisters sei deshalb „untragbar“.

Nach Dobelmanns Worten lehnt die SPD überdies „eine maximale Ausbeutung unseres Grundwasservorkommens aus bloßem Profitinteresse“ eindeutig ab. „Mit der Ressource Wasser ist schonungsvoll und nachhaltig umzugehen.“ Auch andere Wasserversorgungsunternehmen nutzten denselben Grundwasserleiter wie die Stadtwerke Barsinghausen. Die exklusive Erhöhung der Förderrechte für Barsinghausen sei auch deshalb „als höchst fraglich einzustufen“.

UWG: Lahmann hat eigene Interessen

Noch schärfere Töne wählt die UWG-Ratsfraktion. Bürgermeister Marc Lahmann habe sich gegen jede Vernunft „wieder einmal eine Vorlage zusammengebastelt, die zum Ziel hat, eine eigene Interessenlage durchzusetzen“, schreibt UWG-Fraktionsvorsitzender Markus Neugebauer. Es sei „schlimm“, dass der Bürgermeister durch die neue Vorlage den erfahrenen Gutachtern, die das Carix-Verfahren empfohlen hätten, ihre berufliche Qualifikation abspreche. Neugebauer geht den Verwaltungschef auch ganz persönlich an: „Ich würde gerne erfahren, wer dem Bürgermeister diese Vorlagen diktiert hat“, schreibt Neugebauer. Die Missachtung des Aufsichtsrates sei erschreckend, weil dessen Votum für Lahmann gar keine Rolle spiele. „Wer so mit wichtigen Gremien umgeht, sollte sich fragen, ob er wirklich als Bürgermeister geeignet ist“, findet der UWG-Sprecher. Die prognostizierte Einsparung um einige Cent pro Kubikmeter sei eine trügerische Wahrheit und diene lediglich dazu, die Bürger zu locken und öffentlichen Druck zu erzeugen. „Im Fazit stellt sich die Frage, werden hier möglicherweise Interessen Dritter verfolgt, um unser Wasserwerk in Eckerde irgendwie zu privatisieren?“

Von Andreas Kannegießer

In einer lockeren Gesprächsrunde haben zwei frühere und der derzeitige Bürgermeister über allerlei Begebenheiten aus der Geschichte der Stadt Barsinghausen geplaudert. Anlass für das Treffen war das Jubiläum zur Verleihung der Stadtrechte vor 50 Jahren.

26.08.2019

Die Zahl der Gewalttaten und Aggressionsdelikte beim 48. Barsinghäuser Stadtfest lag deutlich höher als in den Vorjahren. Die Polizei spricht von einer „aggressiven Grundstimmung“ gegenüber den Einsatzkräften. Nach Einschätzung von Kommissariatsleiter Ludger Westermann hat sich das Einsatzkonzept der offenen Präsenz aber bewährt.

26.08.2019

Das Ensemble Grammophon & Schellack gibt am Sonnabend, 14. September, ein Konzert im Café im Schafstall in Bantorf. Im Repertoire hat das Quartett viele Klassiker wie den „Kleinen grünen Kaktus“.

26.08.2019