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Barsinghausen Radfahrer beklagen schlechte Bedingungen im Stadtgebiet
Umland Barsinghausen Radfahrer beklagen schlechte Bedingungen im Stadtgebiet
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18:07 17.04.2019
Der Radweg entlang der Stoppstraße in Egestorf ist bereits seit Jahren in katastrophalem Zustand. Geändert sich hat trotz wiederholter Kritik bisher nichts. Quelle: Andreas Kannegießer
Barsinghausen

Die Stadt Barsinghausen ist offenbar kein gutes Pflaster für passionierte Fahrradfahrer: Im neuesten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hat die Deisterstadt katastrophal abgeschnitten. Mit einer Gesamtbewertung von 4,3 (nach Schulnoten) belegt Barsinghausen in der Rangliste von 37 niedersächsischen Städten vergleichbarer Größe den letzten Platz. Bundesweit reicht die Note gerade für Platz 275 unter 311 bewerteten Städten. Besonders auffällig ist, dass sich das Urteil über das Barsinghäuser Fahrradklima in den vergangenen Jahren rapide verschlechtert hat. Im Jahr 2014 hatte Barsinghausen im Test des ADFC noch eine Gesamtnote von 3,7 erreicht.

Viele holprige Radwege

Als besondere Schwächen der Fahrradstadt Barsinghausen stellt der Fahrradklima-Test die „holprigen und unebenen Radwege“ und das „unsichere Radfahren auf Radwegen und Radfahrstreifen“ heraus. Zudem gebe es in jüngster Zeit kaum Fahrradförderung, bemängeln die ADFC-Experten. Einige positive Aspekte im Vergleich zu anderen Städten und Regionen gibt es immerhin auch: So verweist der Fahrradklima-Test auf „komfortable und sichere Abstellmöglichkeiten“ in Barsinghausen, auf die Möglichkeit der Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln und die vergleichsweise geringe Zahl von Fahrraddiebstählen.

Heidrun Bartz und Ralf Preller vom ADFC beklagen verwirrende und teilweise widersprüchliche Beschilderungen des Radweges nahe des Kirchdorfer S-Bahn-Haltepunktes. Quelle: Andreas Kannegießer

Heidrun Bartz, Ortsgruppensprecherin des ADFC für Barsinghausen, wundert sich nicht über das schlechte Abschneiden der Deisterstadt im Test. „In Barsinghausen hat sich in den vergangenen Jahren für Fahrradfahrer gar nichts getan“, kritisiert sie. „Da hat sich bei den Betroffenen viel Frust aufgebaut, weil nichts passiert.“ In Wennigsen dagegen habe es im selben Zeitraum etliche Verbesserungen für Radfahrer gegeben.

Sicherheitsabstand zu Autos reicht nicht

Zu den besonderen Problemen gehört aus Sicht von Bartz und ihres Sprecherkollegen Ralf Preller, dass in Barsinghausen viele benutzungspflichtige Radwege viel zu schmal angelegt sind. Manche Radwege, etwa in Groß Munzel und entlang der Stoppstraße, befinden sich seit Jahren in einem katastrophalen Zustand. Der Munzeler Radweg an der Straße Auf dem Damm musste kürzlich sogar voll gesperrt werden, nachdem sich dort ein Fahrradunfall ereignet hatte. Der Fahrradschutzstreifen auf der Fahrbahn der Hannoverschen Straße ist laut Urteil von Bartz und Preller ebenfalls viel zu schmal. „Eigentlich muss ein Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern zwischen Autos und Fahrradfahrern eingehalten werden können“, erläutert Bartz.

Axel Lamprecht (von links), Heidrun Bartz und Ralf Preller vom ADFC zeigen am Schutzstreifen auf der Hannoverschen Straße, wie groß der Mindestabstand ist, den Autofahrer beim Überholen eines Radfahrers einhalten müssen. Quelle: Mirko Haendel (Archiv)

Ein weiteres Problem aus Sicht der Radler besteht an der wohl meistfrequentierten innerörtlichen Verbindung für Radfahrer entlang der Stoppstraße/Egestorfer Straße: Dort war der kombinierte Rad-/Gehweg vor zwei Jahren aus der Benutzungspflicht für Radfahrer herausgenommen worden. Nicht überall entlang der Trasse aber seien die Verkehrsschilder damals tatsächlich ausgetauscht worden, berichtet Bartz. Seitdem herrscht Verwirrung: Radfahrer begegnen der neuen Beschilderung „Gehweg“ mit dem Zusatzschild „Radfahrer frei“, teilweise aber auch noch den alten Schildern „Gemeinsamer Geh-/Radweg“. Wer dort, wie nun erlaubt, die Fahrbahn benutze, werde von den Autofahrern „weggehupt“, berichtet Preller aus eigener Erfahrung.

Ein Problem aus Sicht von Fahrradfahrern ist der auf der Fahrbahn der Hannoverschen Straße urplötzlich endende Fahrradschutzstreifen. Quelle: Andreas Kannegießer

Radverkehrskonzept lässt auf sich warten

Die ADFC-Sprecher kritisieren, dass das von der Stadtverwaltung schon vor Jahren angekündigte Radverkehrskonzept noch immer nicht existiert. „Es soll jetzt erst ausgeschrieben werden“, sagt Bartz. Die ADFC-Ortsgruppe wird zwar von der Stadt einbezogen und um ihr Urteil gebeten, etwa bei der Verkehrswegeschau mit der Straßenverkehrsbehörde zu aktuellen Problemen aus Sicht von Fahrradfahrern. „Was nützt das aber, wenn die Ordnungsbehörde anschließend keine Zeit hat, die Ergebnisse auszuwerten und umzusetzen?“, fragt Heidrun Bartz.

Die Stadtverwaltung erklärt auf Anfrage, dass Probleme rund um den teilweise schlechten Zustand von Radwegen bekannt seien. „Dies hat teilweise mit der Haushaltskonsolidierung und auch dem Personalmangel zur Sanierung von Straßen zu tun“, sagt Stadtsprecher Christian Kneußel. Teilweise seien aber auch andere Behörden für die jeweiligen Fahrradwege zuständig oder diese Zuständigkeit sei nicht eindeutig geregelt.

Stadt will Situation verbessern

Bei aktuellen Straßensanierungen werde nach Möglichkeit der Fahrradverkehr mit eingebunden, sagt Kneußel und nennt als Beispiel die Hauptstraße in Großgoltern. Dort gebe es Gespräche mit der Region Hannover zum Thema Fahrradschutzstreifen und Benutzung des Fußweges. „Aber auch in besonders dringenden Fällen wie zum Beispiel in Groß Munzel versuchen wir innerhalb unserer Möglichkeiten, Lösungen zu finden“, betont Kneußel. Er bestätigt, dass „in nächster Zeit“ von der Verwaltung ein Radverkehrskonzept in Auftrag gegeben werden solle, „um mögliche weitere Problemstellen festzustellen und die Situation für Radfahrer zu verbessern“. Konkrete Maßnahmen könnten erst nach Analyse dieses Konzeptes benannt werden.

154 Radfahrer haben ihr Urteil für den Test abgegeben

Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests des ADFC beruhen auf der Befragung von örtlichen Radfahrern mithilfe eines umfangreichen Fragebogens. In die aktuelle Bewertung für Barsinghausen ist das Urteil von 154 Personen eingeflossen, die sehr häufig mit dem Rad in der Deisterstadt unterwegs sind. Natürlich haben viele ADFC-Mitglieder ihr Urteil abgegeben, aber auch Aktive des Kneipp-Vereins hätten sich intensiv beteiligt, sagt ADFC-Sprecherin Heidrun Bartz. Sie mussten zu rund drei Dutzend Einzelfragen rund um Sicherheit und Komfort beim Radfahren in Barsinghausen und zur Infrastruktur Schulnoten vergeben. Die allermeisten Einzelnoten fielen deutlich schlechter aus als im Bundes- und Landesdurchschnitt. Bei den diesmal erstmals erhobenen Daten zur Familienfreundlichkeit des Fahrradverkehrs sieht Barsinghausen ebenfalls schlecht aus. Sicheres Fahren auf Gehwegen für Kinder oder das Befahren von Radwegen mit Kinderanhängern etwa halten nur sehr wenige Testteilnehmer für empfehlenswert und guten Gewissens möglich.

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Von Andreas Kannegießer

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