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Barsinghausen Widerstand gegen Pläne für Wasserwerk wächst
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Barsinghausen: Streit um Wasserwerk geht in die nächste Runde

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17:51 06.09.2019
Protestaktion: Die SPD-Mitglieder Horst Künnemann (von links), Reinhard Dobelmann, Henrik von Meyenn, Maximilian Schneider und Laura Härdrich schlagen auf dem Neubaugelände in Eckerde einen symbolischen Pflock für das neue Wasserwerk ein. Quelle: Andreas Kannegießer
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Eckerde

Der Streit um wesentliche Aspekte für den Neubau des Grundwasserwerks Eckerde geht in die nächste Runde. Die Barsinghäuser SPD hat am Donnerstagabend am Grundwasserwerk Eckerde mit einer symbolischen Aktion auf die Dringlichkeit der bevorstehenden Ratsentscheidung hingewiesen. „Hier könnte Ihr Wasserwerk stehen“, ist auf zwei Schildern zu lesen, die Parteimitglieder auf dem für das neue Werk vorgesehenen Baugrundstück gegenüber dem alten Gebäude aufgestellt haben. Bürgermeister Marc Lahmann hat unterdessen die Kritik an seinem Kurs zurückgewiesen und der SPD vorgeworfen, wichtige Argumente in der öffentlichen Diskussion unter den Tisch fallen zu lassen.

Viel Zuspruch für Petition

In dem Disput geht es vor allem um zwei Fragen: Welches technische Verfahren soll im geplanten neuen Wasserwerk für die Aufbereitung des Grundwassers eingesetzt werden? Beim zweiten Streitpunkt geht es um die künftige Fördermenge und einen möglichen Verkauf von Wasser, das in Barsinghausen nicht selbst benötigt wird. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hat sich mit großer Mehrheit für das sogenannte Carix-Verfahren entschieden, das auch von einem Gutachter empfohlen worden ist. Lahmann will stattdessen die schon im alten Werk genutzte Schnellentkarbonisierung einsetzen.

Die meisten Politiker im Rat sind eindeutig gegen einen Verkauf von Barsinghäuser Grundwasser an Nachbarversorger wie etwa das von Lahmann ins Spiel gebrachte Unternehmen Purena. Auch eine von zwei Barsinghäuserinnen gestartete Onlinepetition fordert, die jeweiligen Höchstfördermengen nicht auszureizen. Bis Freitagnachmittag hatten knapp 500 Unterstützer die Petition im Internet unterzeichnet.

Carix-Verfahren teurer

Die SPD unterstützt die Petition ausdrücklich und legt an Informationsständen, die die Partei in dieser und der nächsten Woche auf dem Wochenmarkt aufbaut, ebenfalls Listen zur Unterschrift aus. „Wir wollen, dass es endlich vorangeht“, sagte SPD-Ortsvereinsvorsitzender Reinhard Dobelmann bei der Aktion auf dem künftigen Baugrundstück. Auf dem Wochenmarkt habe die SPD viel positive Resonanz und Unterstützung von Bürgern erfahren, ergänzte Ratsherr Maximilian Schneider. Die Idee, ein Geschäft mit dem Grundwasser machen zu wollen, komme bei den Barsinghäusern gar nicht gut an, betonten Dobelmann und Schneider.

Bürgermeister Marc Lahmann fordert derweil für die Diskussion „mehr Sachlichkeit“ ein. Er verweist darauf, dass das Gutachten ergeben habe, dass ein Neubau mit dem Verfahren der Schnellentkarbonisierung bis zu 1,5 Millionen Euro günstiger sein würde als ein Werk, das mit dem Carix-Verfahren arbeitet. Zudem hätten die Experten Mehrkosten von rund 16 Cent beziehungsweise 17 Prozent pro Kubikmeter Trinkwasser mit dem Carix-Verfahren errechnet, die die Verbraucher dauerhaft entrichten müssten. „Dies ist nicht sozial“, betont Lahmann.

Lahmann wirbt für Kooperation

Er wirft der SPD zudem vor zu verschweigen, dass die Wahl des Aufbereitungsverfahrens erhebliche Auswirkungen auf den Fertigstellungstermin des neuen Wasserwerks haben könnte. Die Entscheidung für das Carix-Verfahren könne zu einer Verzögerung von mehr als einem halben Jahr führen. Lahmann betont zudem, dass die Verwaltung keineswegs – so wie von der SPD gemutmaßt – eine weitere Verzögerung der Entscheidung anstrebe. „Hier vergiftet die SPD mit unwahren Behauptungen das politische Klima.“

Das Stadtoberhaupt wirbt weiter für eine Kooperation mit dem Nachbarversorger Purena. Die Ergiebigkeit des Grundwasserleiters sei auf jeden Fall groß genug, um den eigenen Bedarf zu decken und in Zeiten ergiebiger Quellschüttungen im Deister teilweise auch die Nachbarkommune Gehrden zu beliefern. Genug Rohwasser sei vorhanden, Ursache der bisherigen Probleme in Barsinghausen seien nur die fehlenden Aufbereitungs- und Speichermöglichkeiten gewesen, betont der Bürgermeister. „Ich empfinde es zudem als Kirchturmdenken, wenn wir den Menschen in unserer direkten Nachbarschaft den Zugang zu benötigten Ressourcen verwehren.“ Nach Lahmanns Worten könnten bei einem „gleichmäßigen und damit wirtschaftlichen Betrieb“ des neuen Wasserwerks die Wasserkosten nochmals um 15 Cent pro Kubikmeter sinken. Dies solle „zum Vorteil unserer Bürgerinnen und Bürger“ genutzt werden, betont der Bürgermeister.

Sulfatbelastung als Problem

Der Geschäftsführer der Stadtwerke, Jochen Möller, hat unterdessen nochmals darauf hingewiesen, dass die vom Bürgermeister gewünschte Schnellentkarbonisierung nicht in der Lage sei, Sulfat und Nitrat aus dem Grundwasser zu entfernen. „Das ist aber sehr wichtig“, betont Möller. In mehreren der Eckerder Tiefbrunnen liege die Sulfatbelastung des Wassers schon jetzt nah an den gültigen Grenzwerten. „Eine später notwendige Nachrüstung der Technik wäre extrem teuer“, sagt der Geschäftsführer.

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Von Andreas Kannegießer

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