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Barsinghausen Verein für Gemeindediakonie will Hospiz nun selbst schaffen
Umland Barsinghausen Verein für Gemeindediakonie will Hospiz nun selbst schaffen
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00:19 17.01.2019
Das Gebäude des Anna-Forcke-Stifts ist derzeit nur notdürftig gegen weiteren Verfall gesichert. Das Dach allerdings ist nach den Worten von Eigentümer Ernst Wildhagen dicht. Quelle: Andreas Kannegießer
Barsinghausen

Die Pläne zum Umbau des leer stehenden Anna-Forcke-Stifts am Deisterrand in ein stationäres Hospiz bleiben aktuell. Allerdings wird das Projekt nun unter neuer Regie vorangetrieben: Die bisherigen Gebäudeeigentümer Ernst und Andrea Wildhagen wollen das historische Gebäude an den Verein für Gemeindediakonie verkaufen, der bisher schon als potenzieller Betreiber für das Hospiz eng in alle Planungen eingebunden war.

Hintergrund des anstehenden Eigentumsübergangs sind die Probleme der Wildhagens mit dem Finanzierungsplan für die rund 3,7 Millionen Euro teure Grundsanierung des maroden Baudenkmals. Ein zentraler Finanzierungsbaustein sollten Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) werden. Die Hausbank der Eigentümer mochte die geforderte Bürgschaft für die KfW-Darlehen allerdings nicht übernehmen, sodass sich die Wildhagens bereits im Herbst 2017 schweren Herzens dazu entschlossen hatten, das Umbauvorhaben auf Eis zu legen. Hinter den Kulissen hatten die Eigentümer und der Verein für Gemeindediakonie allerdings weiter nach Möglichkeiten gesucht, das Hospizprojekt doch noch zu verwirklichen.

Die Grundsatzentscheidung für den Eigentumsübergang ist bereits getroffen, wie sowohl Ernst Wildhagen wie auch Joachim Richter als Vorstand des Vereins für Gemeindediakonie bestätigen. Der endgültige Kaufvertrag ist laut Richter und Wildhagen zwar noch nicht unterzeichnet. „Es gibt aber eine unterschriebene Absichtserklärung“, berichtet Wildhagen.

Nach den Worten von Richter, der auch Leiter des Ronnenberger Kirchenkreisamtes ist, bemüht sich derzeit auch der Verein für Gemeindediakonie darum, die Finanzierung des Umbaus zu bewältigen. Das Ganze sei durchaus mit Problemen behaftet, sagt Richter. Ein zentraler Punkt sei es, den Eigenkapitalanteil bei der Finanzierung sicherzustellen. „Das Ganze bleibt ein ambitioniertes Projekt“, betont der Vereinsvorstand.

Für rund 3,7 Millionen Euro soll aus dem maroden Anna-Forcke-Stift ein stationäres Hospiz für sterbenskranke Menschen werden. Quelle: Andreas Kannegießer (Archiv)

Im Anna-Forcke-Stift sollen mit dem Umbau zunächst zehn stationäre Plätze für sterbenskranke Menschen geschaffen werden. Später könnte diese Zahl durch die Einbeziehung einer Erweiterungsfläche sogar noch steigen, wie Richter erläutert. „Die zehn Plätze in der ersten Ausbaustufe sind aber kostendeckend.“ Der Verein für Gemeindediakonie will den Umbau des Gebäudes auf der Basis der Pläne des Ehepaars Wildhagen verwirklichen. „An diesen Planungen waren wir eng beteiligt, sie bleiben Grundlage unserer Bemühungen“, sagt Richter.

Der 120 Jahre alte Verein für Gemeindediakonie betreibt in Barsinghausen das Alten- und Pflegeheim Marienstift, eine Tagespflege und ist an weiteren Einrichtungen wie der Diakonie-Sozialstation Barsinghausen-Ronnenberg und dem Petrushof beteiligt. Nach den Worten von Vereinsvorstand Richter sind verschiedene organisatorische Fragen rund um den Erwerb und Betrieb des Anna-Forcke-Stifts noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist demnach, dass eine noch zu gründende Gesellschaft das Hospiz betreiben soll. Noch nicht entschieden sei aber, ob der Verein oder die Gesellschaft künftige Eigentümer des Anna-Forcke-Stifts werden sollen. „Wir suchen außerdem weitere Gesellschafter für die Betreibergesellschaft“, erläutert Richter. „Der Verein für Gemeindediakonie ist als Gesellschafter aber gesetzt.“

Das Anna-Forcke-Stift ist eines der eindrucksvollsten Baudenkmäler im Barsinghäuser Stadtgebiet. Das großzügige Haus oberhalb der Bergstraße mit seiner Nutzfläche von rund 1500 Quadratmeter war im Jahr 1908 als Wohn- und Erholungsheim für alte und kranke Schwestern des Henriettenstifts Hannover errichtet worden. Seit 1998 hatte das Gebäude leer gestanden und war zusehends verfallen. Im Jahr 2016 hatte das Ehepaar Wildhagen die Immobilie erworben und das Gebäude seither auch immer wieder für Besichtigungen geöffnet, die bei den Barsinghäusern auf großes Interesse stießen. Nach den Worten von Ernst Wildhagen bleibt es – unabhängig von dem geplanten Eigentümerwechsel – bei den Plänen des Bantorfer Architekten Dirk Nolte, im ehemaligen unteren Grundstücksteil direkt an der Bergstraße Einfamilienhäuser zu errichten.

Stiftung Denkmalschutz fördert die Fenstersanierung

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) fördert die Restaurierung aller Fensterelemente im Gebäude des denkmalgeschützten Anna-Forcke-Stifts in diesem Jahr mit 75.000 Euro. Den Fördervertrag wird die Stiftung bereits mit den künftigen Eigentümern der Immobilie, dem Verein für Gemeindediakonie Barsinghausen, abschließen. Nach Mitteilung der DSD wird der Zuschuss für die Sanierungskosten der Fenster dank der Zuwendungen der Lotterie Glücksspirale ermöglicht. Das Anna-Forcke-Stift gehört demnach zu den rund 390 Projekten allein in Niedersachsen, die die private Denkmalstiftung mit Spenden der Glücksspirale bisher fördern konnte.

Die Stiftung Denkmalschutz verweist auf die architektonische Bedeutung des Anna-Forcke-Stifts. Die Dachlandschaft des Walmdachbaus werde von Gauben „und einem zentralen Zwerchhaus in der Achse des Haupteingangs“ belebt, heißt es in einer DSD-Mitteilung. Die Loggia im Erd- und der Balkon im Obergeschoss seien zwischen seitliche Pavillons eingespannt. „Die Putz- und Ziegelflächen sowie die fachwerkartigen Ziegelbänderungen verweisen auf den Stil der englischen Arts- & Craft-Architektur“, heißt es im Urteil der DSD-Experten. Der Zuschuss der Stiftung sei „ein gutes Mosaiksteinchen, um das ganze Vorhaben bald zum Erfolg zu bringen“, sagt Joachim Richter vom Verein für Gemeindediakonie.

Diese historische Postkarte zeigt das Anna-Forcke-Stift in den Jahren nach der Eröffnung im Jahr 1908. Quelle: Stadtarchiv

Von Andreas Kannegießer

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