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Barsinghausen Acht Einsätze in vier Tagen: Zahlreiche Betrunkene halten Polizei auf Trab
Umland Barsinghausen

Barsinghausen: Zahlreiche Betrunkene halten Polizei auf Trab

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16:03 23.09.2021
Personen mit über drei Promille Alkohol im Blut - in den vergangenen Tagen keine Seltenheit in Barsinghausen.
Personen mit über drei Promille Alkohol im Blut - in den vergangenen Tagen keine Seltenheit in Barsinghausen. Quelle: dpa
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Barsinghausen

Verletzungen, lautstarke Auseinandersetzungen und mehrere Krankenhauseinlieferungen: Zahlreiche betrunkene Personen mit bemerkenswert hohen Promillewerten haben in den vergangenen Tagen die Polizei in Barsinghausen in Atem gehalten. Zufall oder Trend? Bisher sind die Beamten im Kommissariat noch ratlos.

Acht Einsätze in vier Tagen

Die Serie der Vorfälle begann am vergangenen Donnerstag. Um etwa 17.30 Uhr stürzte auf der Osterstraße ein stark alkoholisierter Mann. Er verletzte sich im Gesicht und musste mit drei Promille Alkohol im Blut, wie ein ebenfalls stark alkoholisierter 23-Jähriger, der Donnerstagnacht die Beamten im Barsinghäuser Kommissariat aufgrund seines Zustands um Hilfe bat und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren werden musste.

In derselben Nacht mussten die Beamten zu einer Wohnung ausrücken und einen lautstarken Beziehungsstreit eines erheblich alkoholisierten Pärchens schlichten. Am Freitagmittag holten die Beamten nach einem Hinweis eine volltrunkene 43-jährige Frau aus ihrer Wohnung an der Hans-Böckler-Straße. Auch sie musste ins Krankenhaus gefahren werden.

Am Freitagabend um kurz nach 20 Uhr meldete der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), dass auf der Siegfried-Lehmann-Straße ein stark alkoholisierter Mann gestürzt sei, der sich von den ASB-Mitarbeitern aber nicht behandeln lassen wolle. Die Beamten mussten den Transport des renitenten Mannes im Rettungswagen begleiten.

19-Jähriger sinkt nach S-Bahn-Fahrt zusammen

Am Sonnabendmorgen um 5 Uhr wurde der Polizei eine Person gemeldet, die an der S-Bahnhaltestelle Winninghausen auf der Heerstraße liege. Die Beamten konnten ermitteln, dass der 19-jährige Mann die Rückreise von einem Fußballspiel angetreten hatte und nach Verlassen der S-Bahn auf der Straße zusammengesunken war.

Am folgenden Vormittag erschien ein Hotelgast bei der Polizei und meldete den Diebstahl seines Mobiltelefons. Da den Beamten ein starker Alkoholgeruch entgegenschlug, baten sie den Mann um einen Atemalkoholtest. Ergebnis: über drei Promille – aber keine Ausfallerscheinungen. Das Telefon fand sich übrigens wieder – im Zimmer eines anderen Hotelgasts.

Atemalkoholtest nicht mehr möglich

Am Sonntagnachmittag, um 15 Uhr, halfen die Beamten einer Frau, die mit ihrem Fahrrad auf einem Weg zwischen Spielplatz Klein Basche und dem Asylbewerberheim an der Hannoverschen Straße in einen Graben gefallen war. Die Frau war laut Polizei derart betrunken, dass die Beamten keinen Atemalkoholtest durchführen konnten.

„Was in den vergangenen Tagen in diese Richtung passiert ist, war schon immens“, sagte Polizeihauptkommissar Falk Hecht, der am vergangenen Wochenende im Dienst war. „Diese hohen Promillewerte – und das in der geballten Form – kenne ich aus der Vergangenheit so nicht.“

Suchtverhalten durch die Pandemie?

Wo liegen die Ursachen für diese hohe Zahl der Vorfälle innerhalb weniger Tage? Vor kurzem berichtete Julia Schachteli, Leiterin der örtlichen Suchtberatungsstelle, von den Auswirkungen der Pandemie auf das Suchtverhalten. Zukunftsängste, finanzielle Probleme aufgrund von Kurzarbeit und Arbeitsplatzverlust, die gestiegene Belastung durch den Job, Kinderbetreuung und Homeschooling, aber auch Einsamkeit hätten dazu geführt, dass sich mehr Menschen als zuvor ein Suchtverhalten aneigneten.

Christian Ebeling, Polizeihauptkommissar und Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Barsinghausen, sagt, falls es eine solche Entwicklung gebe, sei diese vonseiten der Polizei in Barsinghausen derzeit noch nicht festzustellen. „Gerade im Bereich der häuslichen Gewalt, die zumeist im engen Zusammenhang mit Alkoholkonsum steht, hatten wir angesichts von Corona eigentlich mit einem Anwachsen der Fallzahlen gerechnet“, sagt Ebeling. Bei Beziehungsstreitigkeiten seien es weiterhin „meistens die gleichen Pärchen“, zu denen die Beamten gerufen würden.

Außergewöhnliche Steigerung

Die Häufung der Fälle in den vergangenen Tagen sei durchaus eine außergewöhnliche Steigerung, sagt Ebeling. Allgemein sei auffällig, dass seit etwa August die Zahl der alkoholbedingten Verkehrsunfälle mit Pkw und insbesondere Fahrrad, bei denen Personen sich verletzten, gestiegen sei. „Da kommen wir auf eine Handvoll Unfälle, und das ist für Barsinghausen viel“, betont der Hauptkommissar. Womöglich gingen diejenigen, die während der Lockdowns zuhause geblieben waren, jetzt zum Trinken wieder in die Kneipe, spekuliert Ebeling. Da Barsinghausen aber weiterhin keine Trinkerszene habe, und es auch keine „typische Trinkerkneipe“ in der Stadt gebe, sei dies nur eine von mehreren Möglichkeiten. „Oder hatten wir in den vergangenen Tagen Vollmond“, bringt Ebeling scherzhaft den vermeintlichen Einfluss des Mondes auf das menschliche Sozialverhalten ins Spiel.

Ob die Häufung der alkoholbedingten Vorfälle der Beginn eines Trends sei, kann Ebeling also nicht sagen. In einigen Fällen könne der Aufwand für die Polizeibeamten allerdings immens werden. „Immer dann, wenn wir stark alkoholisierte Personen, die zudem aggressiv sind, ins Krankenhaus oder ins Polizeigewahrsam nach Hannover begleiten müssen, ist das für uns hier vor Ort nicht gut“, sagt Ebeling. Dann sind unsere Kollegen und das Fahrzeug für wenigstens eineinhalb Stunden gebunden und stehen in Barsinghausen nicht zur Verfügung.“

Von Mirko Haendel