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Barsinghausen Die Dorfgeschichte lebt an der Gutsmauer auf
Umland Barsinghausen

Groß Munzel: Die Dorfgeschichte lebt an der Gutsmauer auf

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12:47 23.07.2019
Gutsbesitzer Berthold von Hugo zeigt auf der neuen Informationstafel die Bild- und Textbeiträge über das Rittergut Groß Munzel. Quelle: Frank Hermann
Groß Munzel

An der Gutsmauer im alten Munzeler Ortskern lebt die mehr als 1050-jährige Dorfgeschichte mithilfe informativer Hinweistafeln wieder auf: Mittlerweile stellen vier solcher aufwendig produzierten Tafeln verschiedene historische Aspekte in Texten und Fotos vor. Dazu gehören bislang die Ortsgeschichte aus der Zeit von 965 bis 1830, die beiden Kirchen St. Michaelis und St. Matthias sowie auf zwei neuen Tafeln die ehemalige Zuckerfabrik Munzel-Holtensen sowie das Rittergut der Familie von Hugo.

Mitglieder der Munzeler Arbeitsgemeinschaft örtlicher Vereine stellen die neue Informationstafel über die ehemalige Zuckerfabrik vor. Quelle: Frank Hermann

Dieser historische Streifzug geht auf eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft (AG) Munzeler Vereine zurück. Im Anschluss an die große 1050-Jahr-Feier im Sommer 2015 entstand bei den Vereinsvertretern die Idee, eine kleine Freiluftausstellung mit Einblicken in die Geschichte der Ortschaft Groß Munzel auf den Weg zu bringen. Als Standort für die kleine Tafelgalerie dient eine Scheunenmauer am Eingangsbereich des Gutshofs, in direkter Nachbarschaft zur evangelischen St. Michaeliskirche.

Erste Tafel hängt seit 2017

Den Anfang machte im Frühjahr 2017 die erste Infotafel mit einem Abriss von der ersten schriftlichen Erwähnung des Guts Munuslo in einer Schenkungsurkunde des Klosters Corvey aus dem Jahr 965 bis zur Zeit um 1830. Dazu nutzte die AG große Teile einer Ausstellung von Heimatforscher Cord Nacke, die bei der 1050-Jahr-Feier zu sehen war.

Dieses Luftbild zeigt die ehemalige Zuckerfabrik Munzel-Holtensen im Jahr 1984. Quelle: privat

Auf einer zweiten Tafel, die seit Oktober 2018 an der Gutsmauer hängt, stehen die St. Michaeliskirche und die katholische St. Matthiaskirche im Mittelpunkt. AG-Leiter Helmut Sievers stellte das Text- und Bildmaterial über beide Kirchen in enger Kooperation mit Dorothea Machate-Kannapke und Pastor Elmar Orths zusammen.

Den Ort entscheidend geprägt

Seit wenigen Tagen komplettieren zwei weitere Infotafeln den historischen Überblick – mit Erläuterungen zur ehemaligen Zuckerfabrik Munzel-Holtensen sowie zum Rittergut der Familie von Hugo. „Zwei wichtige Themen, die unseren Ort entscheidend geprägt haben und immer noch prägen“, erläutert Helmut Sievers, der zusammen mit Berthold von Hugo die beiden neuen Tafeln mit historischem Material bestückt hat. Als Lektor beteiligte sich Pastor Orths.

Ein historisches Foto von der ehemaligen Zuckerfabrik aus dem Jahr 1934. Quelle: privat

Seit Oktober 2018 sichtete und sammelte Berthold von Hugo im Familienarchiv die wichtigsten Dokumente für die Rittergut-Tafel. „Das kostet zwar viel Zeit und Mühe. Aber es ist auch faszinierend, in die Geschichte einzutauchen. Dann fällt es manchmal schwer, für eine übersichtliche Präsentation auch auf Dinge zu verzichten“, berichtete der Munzeler, dessen Familie seit 306 Jahren das Rittergut besitzt und dessen Sohn Arnd von Hugo das Gut in der achten Generation bewirtschaftet.

87 Bauern gründeten die Fabrik

Die ehemalige Zuckerfabrik Munzel-Holtensen wurde am 23. September 1883 von 87 Bauern als Aktiengesellschaft gegründet – mit einem Grundkapital von 1000 Aktien zum Wert von je 300 Mark. Pro Aktie sollten damals 60 Doppelzentner Zuckerrüben an die Fabrik geliefert werden. Zuletzt gehörte die Fabrik zur Nordzucker AG und wurde nach der letzten Rübenkampagne im Jahr 2006 stillgelegt. Die Zuckerrüben aus den Anbauflächen des Calenberger Landes werden seitdem in die Nordzuckerfabrik nach Nordstemmen geliefert.

Auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft örtlicher Vereine hängen mittlerweile vier Informationstafeln über historische Aspekte der Ortschaft Groß Munzel am Eingangsbereich zum Rittergut. Quelle: Frank Hermann

Zur Finanzierung der jeweils rund 800 Euro teuren und von Michael Heinemann gefertigten Informationstafeln greift die AG auf die Einnahmen gemeinsamer Veranstaltungen im Ort zurück – zum Beispiel Weihnachtsbasar, Osterfeuer und Maibaumfest. Derzeit arbeitet die AG an einer eigenen Vereinssatzung, um künftig als „Verein der Vereine Munzel“ eine rechtlich sichere Grundlage zu erhalten.

Ob die örtlichen Vereine weitere Tafeln zur Dorfgeschichte erstellen wollen, steht noch nicht endgültig fest. „Ideen gibt es schon, aber wir warten erstmal ab“, sagt Helmut Sievers. Auf jeden Fall stoße die Galerie an der Gutsmauer auf großes Interesse: Immer wieder legten Passanten und Radfahrer einen Halt ein, um sich die Tafeln genau anzuschauen.

Von Frank Hermann

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