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Barsinghausen Großbrand in der Ökostation fordert ein Todesopfer – Einwohner sind entsetzt
Umland Barsinghausen

Großgoltern: Viel Mitgefühl nach Großbrand mit tödlichem Ausgang in der Ökostation

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07:02 31.12.2019
Die Feuerwehrkräfte haben zwei Drehleitern aus Barsinghausen und Wennigsen vor dem brennenden Seminarhaus in Stellung gebracht. Quelle: Andreas Kannegießer
Großgoltern

Mit Entsetzen und großer Anteilnahme haben die Einwohner von Groß- und Nordgoltern, aber auch aus der näheren und weiteren Umgebung am Montag auf die Nachricht von dem verheerenden Brand im Seminarhaus der Ökostation Deister-Vorland reagiert. Bei dem Feuer in dem Gebäudekomplex am Müllerweg kam am Montagmorgen ein Mensch ums Leben. Aus noch ungeklärten Gründen war das Feuer am frühen Morgen gegen 6.30 Uhr im Dachgeschoss des umgebauten Resthofes ausgebrochen und hatte sich rasend schnell ausgebreitet. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle und konnte das Übergreifen der Flammen vom Seminartrakt auf das angrenzende Wohnhaus der Ökostation verhindern. Der frühere Stall und die ehemalige Scheune, in denen der Unterkunftsbereich der Seminareinrichtung untergebracht war, wurde von den Flammen dagegen nahezu vollständig zerstört.

Seminarhaus war voll belegt

Das Seminarhaus war zum Zeitpunkt des Brandausbruchs voll belegt: Zu Gast war eine mehr als 50-köpfige Gruppe der Jugendorganisation Die Falken aus Braunschweig, die in Großgoltern bereits seit mehreren Jahren den Jahreswechsel verleben. Nach Ausbruch des Feuers hatte offenbar eine Brandmeldeanlage die schlafenden Gäste geweckt. Fast allen Mitgliedern der Gruppe gelang es, das brennende Gebäude rechtzeitig zu verlassen. Bereits am Morgen wurde allerdings einer der Gäste aus dem Kreis der Gruppe als vermisst gemeldet. Erst am Mittag bestätigten sich dann die schlimmen Befürchtungen: Nach Abschluss der Löscharbeiten wurde eine fast bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche in der einsturzgefährdeten Gebäuderuine gefunden. Laut Polizei ist die Identität des Brandopfers deshalb noch unklar und wird wohl erst nach einer Obduktion zu klären sein.

Immer wieder züngeln neue Flammen im Inneren des Gebäudes empor. Quelle: Andreas Kannegießer

Bei den Feuerwehrkräften war die Hoffnung, dass alle Menschen das Feuer überlebt haben könnten, bereits früh am Tag geschwunden, wie Einsatzleiter Sascha Krause berichtete. Der Vermisste sei gegen 4 Uhr morgens von anderen Gästen beim Zubettgehen beobachtet worden. Die Wahrscheinlichkeit, dass er das Haus möglicherweise vor dem Brandausbruch verlassen haben könnte, sei also sehr gering gewesen.

Die Nachricht von dem Großfeuer mit tödlichem Ausgang verbreitete sich am Montag in Groß- und Nordgoltern rasend schnell: Viele Ortsbewohner waren gleich am frühen Morgen von den Feuerwehrsirenen auf den Brand aufmerksam geworden. „Der Horizont war vom Feuerschein hell erleuchtet, das Krachen und Knistern des brennenden Gebälks war im ganzen Dorf zu hören“, berichtet der Vorsitzende des TSV Goltern, Christoph Sauer, der mit seiner Familie rund einen Kilometer vom Brandort entfernt wohnt. Später dann sprach es sich schnell herum, dass ein Mensch bei dem Brand sein Leben verloren hatte. Sie habe beim Einkaufen am frühen Nachmittag davon erfahren, berichtete Gerheide Knüttel, die die Facebook-Präsenz der beiden Golterner Nachbardörfer betreut. „Das ist ganz furchtbar und hat mich sehr geschockt“, sagte Knüttel. Auch Sauer sprach von einem „tragischen Geschehen“. Es sei unglaublich, wie schnell sich ein Feuer ausbreiten könne und Opfern dann keine Chance lasse.

Erinnerungen an Brandkatastrophe von 2015 werden wach

Auch in den sozialen Netzwerken verbreitete sich die schreckliche Nachricht rasant. Es gab viele mitfühlende Reaktionen und Anteilnahme für die Betroffenen des Großfeuers. Viele drückten aber auch ihr schlichtes Entsetzen aus. „Mir fehlen die Worte“, schreibt eine Nutzerin auf der Golterner Facebook-Seite.

Bei vielen Golternern hat der folgenschwere Brand die Erinnerungen an eine noch verheerendere Brandkatastrophe wieder wach werden lassen, von der die Ortschaft vor fast genau fünf Jahren betroffen war: Am 7. Januar 2015 war ein Fachwerkhaus an der Lohwiese von einem Feuer vollständig zerstört worden. Wachskerzen hatten damals einen Weihnachtsbaum in Brand gesetzt. Das Feuer hatte sich so schnell ausgebreitet, dass zwei Frauen in dem Gebäude verbrannten, eine Seniorin war schwer verletzt worden. „Die Gedanken an diese Katastrophe sind gleich wieder da“, sagte Sauer.

Feuerwehrleute reißen Dachziegel am Giebel der ehemaligen Scheune herunter, um besser an die Brandnester heranzukommen. Quelle: Andreas Kannegießer

Bei den am Montag am Einsatz beteiligten Feuerwehrkräften habe die Erinnerung an den Brand vor fünf Jahren dagegen keine Rolle gespielt, sagte Einsatzleiter Krause. Die Feuerwehrleute seien auf den aktuellen Einsatz fokussiert gewesen. Aus Sicht der Feuerwehr ist der Brandeinsatz am Montag trotz der tragischen Folgen des Feuers erfolgreich verlaufen. Im Einsatz waren 140 Feuerwehrleute aus den Ortsfeuerwehren Groß- und Nordgoltern, Stemmen, Eckerde und Göxe sowie aus Barsinghausen, Groß Munzel, Hohenbostel, Wennigsen und Ronnenberg. Die Einsatzkräfte konnten den Brand lediglich von außen mithilfe mehrerer C-Rohre und von zwei Drehleitern aus bekämpfen, weil das Gebäude der Ökostation vom Einsturz bedroht war. Laut Feuerwehr wurde ein Kollege bei dem Einsatz leicht verletzt, als er vor dem Gebäude von herabstürzenden Trümmerteilen getroffen wurde.

Das Wohnhaus der Ökostation ist vor den Flammen gerettet worden. Quelle: Andreas Kannegießer

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Von Andreas Kannegießer

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