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Nachrichten Feuer in Asylunterkunft gibt Rätsel auf
Umland Barsinghausen Nachrichten Feuer in Asylunterkunft gibt Rätsel auf
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08:21 30.03.2015
Von Jörg Rocktäschel
Die beiden Räume im ersten Stock des Asylbewerberwohnheims, die von Brand betroffen waren, werden gelüftet.
Die beiden Räume im ersten Stock des Asylbewerberwohnheims, die von Brand betroffen waren, werden gelüftet. Quelle: Rocktäschel
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Gegen 12.45 Uhr hatte ein Bewohner im Obergeschoss Rauch bemerkt. Er informierte den Hausmeister. Während dieser die Feuerwehr rief, versuchte laut Polizeimitteilung ein 48-jähriger Bewohner, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen. Die Feuerwehr stellte im rechten Gebäude der Unterkunft einen Schwelbrand in der Wand zu einer Gemeinschaftsküche fest und konnte die Flammen schnell löschen.

Gegen 16 Uhr alarmierte der Hausmeister erneut die Feuerwehr, nachdem er einen brennenden Papierkorb in der ohnehin brandgeschädigten Küche gelöscht hatte. Die Ermittler des Zentralen Kriminaldienstes Hannover werden den Brandort untersuchen. Die Schadenshöhe steht noch nicht fest.

Bürgermeister Marc Lahmann und die beiden Sozialarbeiterinnen der Stadt, die die Asylbewerber betreuen, waren vor Ort. Lahmann verpflichtete nach Absprache mit der Polizei kurzfristig einen Sicherheitsdienst, der das Objekt bewacht. Außerdem fährt die Polizei verstärkt Streife.

Allerdings geht derzeit niemand davon aus, dass der Brand von Außenstehenden absichtlich gelegt worden ist. Von einigen Bewohnern wurde der Verdacht geäußert, dass es Bewohner selbst gewesen sein könnten. Möglich ist aber auch ein technischer Defekt an der Waschmaschine, die dort stand. Weil die Wände aus Holz sind, konnte sich das Feuer in der Küche schnell ausbreiten.

Während der Löscharbeiten, als alle vor den Häusern standen, wurde zudem Unmut über die Unterbringung in den engen, acht Quadratmeter großen Räumen der Häuser geäußert. „Wir wollen da nicht wieder rein“, betonten einige Asylbewerber.

62 Menschen können in dem Heim, das nicht voll belegt ist, untergebracht werden. 35 Menschen sind noch dort. Weil das Stockwerk verqualmt ist, wurden die Bewohner auf andere Zimmer verteilt. Einige kamen in ein Haus in Göxe, das laut Bürgermeister Lahmann ohnehin für die Aufnahme von Asylbewerbern vorbereitet werden soll.

Am Montag wollen Vertreter von Stadt und Polizei besprechen, wie sie weiter vorgehen wollen.

Keine Steigerung von Übergriffen

Derweil teilte Niedersachsens Innenministerium in Hannover auf eine Landtagsanfrage der Grünen mit, die steigenden Flüchtlingszahlen hätten landesweit nicht zu mehr Angriffen auf Unterkünfte geführt – anders als in anderen Teilen Deutschlands. Von Anfang 2003 bis Mitte Oktober 2014 wurden insgesamt zwölf Übergriffe auf Flüchtlingsheime registriert. Protestaktionen im Umfeld der Unterkünfte wurden gar nicht registriert. Allerdings kam es vor einigen Tagen zu rechten Schmierereien an dem künftigen Erstaufnahmelager für Flüchtlinge in Osterode.

Anfang März flog ein Brandsatz gegen eine Unterkunft in Lilienthal bei Bremen, der aber keinen Schaden anrichtete. Bundesweit gab es 2014 insgesamt mehr als 150 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte, dreimal so viele wie im Jahr zuvor. In Niedersachsen wurden bis Mitte Oktober zwei Taten registriert. Am Rohbau der Unterkunft in Bothfeld wurde im August Baumaterial in Brand gesetzt. An einer anderen Unterkunft wurden Wände beschmutzt, dabei wurde auch ein Bewohner am Fuß verletzt. 

Jörg Rocktäschel und Michael Evers

30.03.2015
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