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Umland Barsinghausen Nachrichten Größte Indoor-Hanfplantage der Region Hannover entdeckt
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20:59 08.03.2011
In Barsinghausen ist die bisher größte Indoor-Hanfplantage der Region Hannover entdeckt worden. Quelle: Polizei Hannover
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Von außen wirkt das frei stehende Einfamilienhaus auf dem alten Fabrikgelände in der Egestorfer Straße in Barsinghausen unscheinbar. Doch was sich bis Dienstag hinter den etwas heruntergekommenen Türen und Fenstern verbarg, versetzte selbst altgediente Drogenfahnder in Erstaunen. Auf einer Fläche von 30 Quadratmetern hatte der 48-jährige Hausbewohner gemeinsam mit zwei Komplizen aus Holland rund 900 Cannabispflanzen gezüchtet. Sie waren in der Zwischenzeit auf eine Höhe von 50 bis 60 Zentimeter angewachsen und standen kurz vor der Blüte. Bei dem Barsinghäuser Fund handelt es sich um die größte bekannte Hanfplantage, die bislang im Raum Hannover entdeckt worden ist.

Dabei kam der Zufall den Ermittlern zu Hilfe. Denn am Montagabend sollten in der Egesdorfer Straße, in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses, lediglich stichprobenartig einige Fahrzeuge und deren Insassen überprüft werden. Doch als die Besatzung gegen 23.10 Uhr aus ihrem Streifenwagen ausstiegen, um das erste Fahrzeug zu kontrollieren, schlug ihnen ein süßlicher, sehr verdächtiger Geruch entgegen. Zunächst dachten die Polizisten, sie hätten gleich bei dem ersten Fahrzeug, das sie aus dem Verkehr gezogen hatten, einen Volltreffer gelandet. Doch die Insassen bestritten, jemals mit Drogen in Berührung gekommen zu sein. Die Kontrolle förderte auch nichts Auffälliges zutage.

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Als der markante Geruch anhielt, auch nachdem der Wagen seine Fahrt fortgesetzt hatte, wurden die Beamten misstrauisch. Schnell kamen sie darauf, dass der Cannabisduft aus dem Wohnhaus zu ihnen drang. Außerdem bemerkten sie, dass in dem Gebäude eine Lüftungsanlage lief. „Die Täter hatten richtig Pech: Erst findet vor ihrem abgelegenen Haus eine Verkehrskontrolle statt, und dann steht auch noch der Wind so ungünstig“, sagte ein Ermittler. Die Polizisten besorgten sich einen Durchsuchungsbeschluss und klingelten gegen 1.15 Uhr an der Tür des verdächtigen Hauses. Als diese geöffnet wurde, verstärkte sich der Cannabisgeruch extrem. Neben den 900 Pflanzen stießen die Fahnder im Nebenzimmer auf zwei handelsübliche Mülltonnen, die fast bis zum Rand mit abgeschnittenen Cannabis-Blättern gefüllt waren. Ein weiteres Zimmer wurde von den Tätern offenbar als Trockenraum genutzt. In Regalen lagerten zahllose abgeerntete Blüten der Pflanzen, die zur Herstellung von Marihuana verwendet werden.

Nach Einschätzungen der Drogenfahnder war die Anlage schon seit längerer Zeit in Betrieb. Für welchen Markt die Betäubungsmittel bestimmt waren, ist noch unklar. Ebenso können die Ermittler den Straßenverkaufswert der sichergestellten Pflanzen noch nicht beziffern. Experten schätzen, dass sich aus einer Pflanze rund 40 Gramm Rauschgift gewinnen lassen. Ein Gramm Marihuana kostet derzeit, abhängig vom THC-Gehalt, auf der Straße rund acht Euro. In diesem Zusammenhang weist die Polizei noch einmal ausdrücklich auf die gefährliche Wirkung von Cannabisprodukten hin. Wegen der immer häufigeren Züchtung der Pflanzen in sogenannten Indoor-Plantagen liegt der THC-Gehalt der Produkte nicht mehr wie früher bei fünf bis sieben, sondern zwischen 15 und 25 Prozent. Wegen dieses hohen THC-Gehalts stelle der Begriff „weiche Droge“ eine gefährliche Verharmlosung dar. Der 48-jährige Haupttäter und seine beiden niederländischen Komplizen sollen heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Alle drei lassen sich durch Anwälte vertreten.

Tobias Morchner

Dieser Artikel wurde aktualisiert.