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Nachrichten Kleintierhaus wegen Überfüllung geschlossen
Umland Barsinghausen Nachrichten Kleintierhaus wegen Überfüllung geschlossen
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00:15 12.07.2017
Andrea Wildhagen, Leiterin vom Kleintierhaus, sucht eine Bleibe für Kaninchendame Isabella. Quelle: Malecha
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Barsinghausen

Es raschelt in den zu Ställen umgebauten Kleiderschränken, ein kleines schwarz-weiß-geflecktes etwas huscht vom Holzhäuschen zum Futternapf. Es ist eins von neun Meerschweinchen, die derzeit im Tierheim Barsinghausen auf einen neuen Besitzer warten. "Leider haben wir nur Männchen, und die sollten im Idealfall zu einem Weibchen", sagt Andrea Wildhagen, Leiterin des Kleintierhauses. Im Raum nebenan liegen Benito und Belinda nebeneinander. "Die beiden Kaninchen waren eigentlich schon vermittelt - aber Belinda hat sich nicht mit den Tieren der neuen Familie verstanden", sagt sie. Neben dem Pärchen umsorgen sie und die ehrenamtlichen Helfer derzeit noch elf andere Kaninchen. Das Barsinghäuser Tierheim platzt aus allen Nähten: Es können keine Kleintiere mehr angenommen werden.

"Es fehlt einfach der Platz." Das Kleintierhaus ist wegen Überfüllung geschlossen. "Wie 80 Prozent des Jahres über", sagt Wildhagen. Denn nicht nur während der Ferienzeit, das ganze Jahr über würden immer mehr Tiere ausgesetzt. "Vor allem bei den Kleintieren - da vergessen die Menschen schnell, dass klein nicht gleich wenig Aufwand bedeutet", sagt sie. Erst kürzlich habe sie ein Kaninchen und einen Hamster gerettet, die von ihrer Besitzerin misshandelt wurden. "Ein Kaninchen ist leider gestorben", sagt Wildhagen. Bei dem Gedanken an die traurige Geschichte wird sie emotional. "Ganz schlimm ist das. Die Tiere lebten im Schlafzimmer - und die Frau hat sie einfach verhungern lassen." Leider müssten immer wieder Tiere gerettet werden, doch viele würden auch abgegeben - oder aber einfach ausgesetzt. "Das ist für uns besonders schwierig, immerhin wissen wir dann nichts über die Krankheitsgeschichte." 

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Auch im nächsten Haus sieht es nicht viel besser aus: Rund 20 Katzen tapsen aufgeregt durch den Raum, große Kulleraugen schauen aus einem Korb, es wird miaut und auch mal  gefaucht. "Wir haben auch schon sechs Babys, die allerdings erst abgegeben werden, wenn sie 12 bis 14 Wochen alt sind", sagt Wildhagen. Schwieriger sei die Vermittlung allerdings bei den älteren Tieren. "Selbst Einjährige werden oft nicht genommen - man wolle ja kein fertiges Tier, von dem man nicht wisse, was es schon erlebt hat", erläutert Gabriele Fauken, stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins. Unverständlich für sie, immerhin hat jedes Tier ein liebevolles Zuhause verdient. Damit die Tiere es auch gut haben, wird bei der Auswahl genau darauf geachtet, wer eine Katze, ein Meerschweinchen oder aber ab Kaninchen mit nehmen darf." Das stoße oft auf Unverständnis. "Aber wenn wir nicht genau gucken, haben wir die Tiere ein paar Wochen nach Vermittlung wieder hier."

Hoffnung, dass sie schnell ein neues Herrchen findet, macht sich Wildhagen bei Dobermannmischling Jule. "Sie leidet, weil sie hier ist", sagt sie. Denn die anderthalbjährige Hündin sei eine "Kuschelmaus", suche engen Kontakt zu Menschen. Jule ist der einzige Hund im Tierheim. "Wir haben bisher nur zwei Zwinger - wollen aber ein Hundehaus bauen." Dafür fehlt noch das nötige Geld: Rund 100.000 Euro muss der Verein investieren, um zwei zusätzliche Plätze für Hunde zu schaffen.

Informationen zu den Tieren

Wer die Tiere kennenlernen oder etwas spenden möchte, kann das Tierheim jeweils mittwochs, donnerstags und sonnabends von 11 bis 12 Uhr sowie dienstags, freitags und sonntags von 16 bis 17 Uhr besuchen. Informationen gibt es auch unter Telefon 0700 01002216 sowie per E-Mail an info@tierschutzverein-barsinghausen.de

Am Sonnabend, 15. Juli, lädt der Tierschutzverein Barsinghausen zum Tag der offenen Tür ein. Von 11 bis 17 Uhr gibt es auf dem Gelände an der Ludwig-Jahn-Straße 11 informationen zum Tierschutz in Gehrden, Barsinghausen und Wennigsen. Auch die Tiere können besichtigt werden. Besucher erhalten außerdem Tipps rund um die Hundehaltung. Bei einem kleinen Flohmarkt kann Tierbedarf kostengünstig gekauft werden. 

Rund 60 ehrenamtliche Helfer umsorgen derzeit die Tiere im Tierheim. "Außerdem haben wir eine Teilzeitstelle und eine Frau, die uns vom Jobcenter vermittelt wurde", sagt Wildhagen. "Das ist viel zu wenig." Immerhin müssen die Hunde drei Mal am Tag Gassi gehen und auch die Pflege der Kleintiere sei auf 14 Schichten die Woche eingeteilt. "Vor allem vormittags hat kaum wer Zeit", sagt sie. Doch auch dann müssen die Tiere gepflegt und gefüttert und die Käfige gereinigt werden. "Allein das Putzen dauert täglich fünf bis sechs Stunden", sagt Wildhagen. Wer sich engagieren will, kann sich im Tierheim vorstellen. "Interessierte Erwachsene können sich jederzeit melden - am liebsten ist es uns, wenn sie ein wenig Erfahrung in Sachen Tierhaltung haben", sagt Wildhagen. Zwar würden sich auch viele Kinder melden, das sei allerdings schwierig, da diese beaufsichtigt werden müssen.  "Wenn die Eltern mitkommen, geht das natürlich", sagt Wildhagen.

Fotostrecke Barsinghausen: Kleintierhaus wegen Überfüllung geschlossen

Von Lisa Malecha