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Umland Barsinghausen Nachrichten Lisa-Tetzner-Schule wird zur Oberschule
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20:51 04.12.2013
Lisa-Tetzner-Schulleiterin Waltraut Korbjun und ihr Stellvertreter Friedhelm Farin haben ihr Ziel erreicht: Die Umwandlung in eine Oberschule ermöglicht ein anderes pädagogisches Konzept.
Lisa-Tetzner-Schulleiterin Waltraut Korbjun und ihr Stellvertreter Friedhelm Farin haben ihr Ziel erreicht: Die Umwandlung in eine Oberschule ermöglicht ein anderes pädagogisches Konzept. Quelle: Andreas Kannegießer
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Barsinghausen

Lisa-Tetzner-Schulleiterin Waltraut Korbjun ist hocherfreut über die Nachricht: „Es war eine lange, schwierige Zeit des Wartens. Jetzt freuen wir uns sehr“, sagte sie am Mittwoch in einer Stellungnahme. „Nun wissen Schüler und Eltern endlich, wie die Schullandschaft in Barsinghausen künftig aussieht.“ Das Konzept der vor drei Jahren in Niedersachsen eingeführten Oberschule sieht vor, dass Haupt- und Realschüler soweit möglich gemeinsam unterrichtet werden. Die formale Trennung in Real- und Hauptschulangebot wird aufgehoben.

Von den 470 Jungen und Mädchen an der Lisa-Tetzner-Schule besuchen nach Korbjuns Worten 405 den Realschulzweig, die anderen 65 den Hauptschulzweig. Die Umwandlung in eine Oberschule ist in Barsinghausen nicht unumstritten. Die Ratsgremien hatten im Februar mit sehr knapper Mehrheit und einem ungewöhnlichen Schulterschluss von CDU, UWG und Grünen für die Oberschule votiert. SPD und FDP sind gegen diese Schulform in Barsinghausen. Auch die anderen weiterführenden Schulen – die Goetheschule (KGS) und das Hannah-Arendt-Gymnasium – beurteilen die Entscheidung der Landesschulbehörde kritisch. Nach Auffassung von KGS-Direktor René Ehrhardt hat „Barsinghausens Schullandschaft durch die Oberschule nicht an Vielfalt dazugewonnen“.

Das Gegenteil sei der Fall. Aus einer Haupt- und Realschule mit Alleinstellungsmerkmal werde nun eine Oberschule, die dem kooperativen Gesamtschulsystem der Goetheschule im Haupt- und Realschulbereich ähnlich sei. Zustimmung gab es gestern vom CDU-Landtagsabgeordneten Max Matthiesen: „In der Oberschule ergeben sich mehr Gestaltungsmöglichkeiten für die Eltern und Schüler“, sagte Matthiesen.

Schüler haben lange gemeinsam Unterricht

Für die Lisa-Tetzner-Schule bricht mit der Umwandlung in eine Oberschule nicht nur pädagogisch, sondern auch organisatorisch eine neue Ära an. Schulleiterin Waltraut Korbjun und ihr Stellvertreter Friedhelm Farin erhalten künftig Verstärkung im Schulleitungsteam, weil zusätzlich die Stelle eines didaktischen Schulleiters zu besetzen ist. „Die didaktische Schulleitung wird auch als Bindeglied zu den Fachkonferenzen wirken“, sagt Korbjun. „Von dieser zusätzlichen Funktionsstelle können wir alle an der Lisa-Tetzner-Schule profitieren.“

Korbjun und Farin haben bereits genaue Vorstellungen über den künftigen Schulbetrieb. „Wir wollen die Schüler so lange wie möglich in allen Fächern gemeinsam unterrichten“, sagt Korbjun. In der Klassenstufe sechs solle es erste Wahlmöglichkeiten geben, etwa im Fach Französisch. Für die Klassenstufen sieben und acht plant die künftige Oberschule verstärkte Kursangebote. Erst in den beiden Stufen neun und zehn wird der schulzweigspezifische Unterricht überwiegen. „Dort gibt es Profilunterricht einerseits und stärker berufsorientierten Unterricht andererseits“, sagt Korbjun.

Der Schulelternrat der Lisa-Tetzner-Schule hat euphorisch auf die Nachricht von der Zustimmung zur Oberschule reagiert. Die stellvertretende Schulelternratsvorsitzende Jennifer Gäfke spricht von einem „richtigen Weihnachtsgeschenk für die Schule“. Der Kampf habe sich gelohnt. Immerhin habe es Unterschriftensammlungen und sogar eine kleine Demonstration während einer Schulausschuss- und einer Ratssitzung gegeben.

Aus Sicht von Niels Schaefer, Schulleiter des ebenfalls im Schulzentrum Am Spalterhals ansässigen Hannah-Arendt-Gymnasiums, ist wichtig, dass es an der künftigen Oberschule kein gymnasiales Angebot geben wird. Das hatten Schulleitung und Elternvertretung der Lisa-Tetzner-Schule ursprünglich beantragt. Auswirkungen auf seine Schule erwartet Schaefer jetzt aber nicht mehr. Nur die Raumprobleme im Schulzentrum könnten sich möglicherweise verschärfen, sagt er. „Ein Problem wird die Oberschule aber für die Goetheschule sein“, glaubt Schaefer. „Hier werden zwei Schulsysteme in der Stadt installiert, die fast gleich sind.“

René Ehrhardt, Leiter der Goetheschule, erwartet angesichts der allgemein sinkenden Schülerzahlen konkrete Auswirkungen, wenn die Oberschule eingeführt wird: Im Prozess Schule gestalten werde es weniger Spielraum geben, sagt er. „Geringere Schülerzahlen bedeuten geringere Mittel, und dies hat geringere Angebote zur Folge.“

Stadt erwartet durchgängige Zweizügigkeit

Axel Heyerhorst, Leiter des Fachdienstes Schule, Sport und Kultur, hat mit der Entscheidung der Landesschulbehörde zugunsten der Oberschule gerechnet. „Das war zu erwarten, weil alle Kriterien nach dem Schulgesetz erfüllt sind“, sagt er. Nach der Prognose der Schülerzahlen für die nächsten Jahre sei durchgängig mit einer Zweizügigkeit an der Lisa-Tetzner-Schule zu rechnen. Zudem habe eine Elternbefragung das Interesse an der Oberschule bestätigt. Für die Stadt als Schulträger führt die Umwandlung in eine Oberschule nach Einschätzung von Heyerhorst nicht zu Mehrkosten. „Wir müssen lediglich einen zusätzlichen Büroraum für die didaktische Leitung schaffen“, sagt er.

Andreas Kannegießer