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14:43 09.01.2018
Der Nabu renaturiert die Bullerbachtalwiesen. Bereits jetzt haben sich zahlreiche heimische Pflanzenarten wieder auf dem Areal angesiedelt.
Der Nabu renaturiert die Bullerbachtalwiesen. Bereits jetzt haben sich zahlreiche heimische Pflanzenarten wieder auf dem Areal angesiedelt. Quelle: Malecha
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Barsinghausen

 Während das Hochwasser in einigen Teilen der Region für viel Ärger sorgt, freuen sich die Mitglieder des Nabu Barsinghausen über die Nässe: „Hier hat sich schon ein flacher Teich gebildet“, sagt Nabu-Vorsitzende Elke Steinhoff und zeigt auf eine zehn mal zehn Meter große, mit Wasser bedeckte Fläche. Dann stapft Steinhoff gemeinsam mit Wilhelm Böhm weiter  über die überfluteten Bullerbachwiesen – durch den Matsch, entlang des Bullerbachs bis zum nächsten neuen Teich. Dort zeigt die Vorsitzende dann eine Besonderheit: „Sehen Sie das dort, wo das Wasser hoch sprudelt?“, fragt sie. In der großen Pfütze steigen Luftblasen auf, ein Stück daneben hat sich eine kleine Fontäne gebildet. „Das ist eine artesische Quelle“, erläutert Steinhoff. 

Zahlreiche artesische Quellen sind auf den Wiesen entstanden. Quelle: Malecha

Eine artesische Quelle ist Grundwasser, dass eigenständig an die Oberfläche gelangt. Das passiert dann, wenn sich unterirdisch so viel Wasser zwischen zwei undurchlässigen Schichten einlagert, das sich Druck aufbaut. „Wenn das Wasser dann an eine durchlässige Stelle gelangt, dann sprudelt es hoch“, erläutert Steinhoff.  „Und das haben wir auf dieser Fläche bisher noch nie gesehen“, ergänzt Böhm.

Auf den Bullerbachtalwiesen entstehen Teiche, in denen sich bald Molche, Kröten und Unken ansiedeln sollen. Schon jetzt zeigt die Nabu-Aktion Wirkung: Mehr als 70 Pflanzenarten wachsen auf dem Areal. 

Seit nunmehr zwei Jahren ist der Nabu dabei, die Bullerbachtalwiesen oberhalb des Naturfreundehauses zu renaturieren. Schon bald sollen sich dort Kröten, Molche, Unken, Frösche und Salamander  ansiedeln. Die Bedingungen dafür, dass sich Amphibien auf der Wiese wohlfühlen, sind fast geschaffen. „Sobald das Wetter es zulässt, werden wir die drei kleinen Teiche, die sich hier auf natürliche Art gebildet haben, noch weiter ausheben“, sagt Steinhoff. Bereits jetzt ist die Veränderung auf dem rund 25.000 Quadratmeter großen Areal gut sichtbar. Die hohen Brennnesseln und das Kleblabkraut , die fast die komplette Wiese überwuchert haben, sind verschwunden – haben Platz für weitere heimische Pflanzenarten geschaffen. Drei Mal im Jahr mussten die Flächen, um die sich der Nabu kümmert, dafür gemäht werden. 

72 Pflanzenarten haben sich bereits angesiedelt

„Der Pflanzenbestand ist enorm angewachsen“, sagt Steinhoff. „Mittlerweile haben wird schon 72 verschiedene Arten gezählt.“ Diese reichen vom Gänseblümchen über Minze bis hin zur Mäuseschwanz-Federschwingel. All diese Arten waren vorher von den Brennnesseln verdrängt worden. Und bald sollen es noch mehr Pflanzenarten werden – denn der Nabu-Ortsverein will Waldwiesensamen aussähen. 

Durch die neue Artenvielfalt, so hoffen Steinhoff und Böhm, siedeln sich in den kommenden Jahren auch wieder verschiedene Bodenbrüter – also Vögel, die ihre Nester am Erdboden anlegen – auf den Wiesen an. „Auch für den Eisvogel wären die Bedingungen hier gut“, sagt Steinhoff.  Doch bis die Bedingungen für die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten gescahffen waren, war viel Arbeit nötig: Jährlich verbringen die ehrenamtlichen rund 200 Stunden auf dem Gelände und werden auch weiterhin viel auf den Wiesen zu tun haben. Die Renaturierung ist nur durch die Einwilligung der Grundstücksbesitzer – der vordere Teil am Naturfreundehaus gehört den Stadtwerken, die dahinterliegenden Flächen sind im Besitz von Privatpersonen – möglich.  

„Dafür sind wir wirklich dankbar“, sagt Steinhoff. Denn das Gebiet bietet für zahlreiche Lebewesen und Pflanzenarten eine ideale Heimat. „Das, was wir hier haben, ist eine Rarität“, ergänzt Böhm. „Das Tal, der umliegende Wald mit seinem alten Baumbestand, der Bach – so ein Gebiet in seinen ursprünglichen Zustand zu bringen ist wirklich etwas ganz besonderes“, sagt er. Das sieht auch die Region Hannover so und fördert das Projekt finanziell.   

Von Lisa Malecha