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Nachrichten Tarifvertrag gefordert: Obi-Mitarbeiter streiken
Umland Barsinghausen Nachrichten Tarifvertrag gefordert: Obi-Mitarbeiter streiken
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00:16 06.08.2017
Zahlreiche Obi-Mitarbeiter haben ihre Arbeit niedergelegt und vor der Filiale in Barsinghausen auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Quelle: Malecha
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Barsinghausen

"Als alleinerziehende Mutter muss ich mir trotz Job Unterstützung vom Jobcenter holen", schildert Sandra Schmidt ihre Lage. Seit mehr als 20 Jahren ist sie im Einzelhandel tätigt - doch mit dem, was Obi ihr zahle, komme sie einfach nicht über die Runden. Mit rund 40 weiteren Mitarbeiter aus Barsinghausen, Laatzen, Hannover-Linden, Garbsen, und Neustadt hat die Betriebsrätin bei Obi in Barsinghausen am Donnerstag ihre Arbeit niedergelegt, um sich so für einen Einzelhandelstarifvertrag stark zu machen.

"Teilweise werden die Mitarbeiter 200 bis 500 Euro unter Tarif bezahlt", sagt Schmidt. Seinen Lebensunterhalt könne man so nur schwer bestreiten. "Wir werden verheizt", sagt ein anderer Mitarbeiter. Die Arbeit würde immer mehr, die Kollegen und das Geld immer weniger. Die körperliche aber auch die psychische Belastung wachse unter den Mitarbeitern. "Wir wollen für unsere Kunden da sein, aber unter diesen Bedingungen ist das kaum möglich", betont Schmidt. Dem Streik haben sich zahlreiche der 21 Mitarbeiter der Barsinghäuser Filiale angeschlossen. Neben den leitenden Angestellten seien lediglich drei Kollegen zur Arbeit erschienen. "Zum Teil auch nur, weil sie Angst um ihren Job haben", sagt ein Mitarbeiter. 

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Bereits in den vergangenen Monaten hatten die Angestellten zahlreiche Filialen des Baumarkts bestreikt. Dabei sei es laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zum Teil zu erhebliche Beeinträchtigungen im betrieblichen Ablauf gekommen. Obi überspanne den Bogen, betont Katja Hill, Verdi-Fachsekretärin im Handel. "Die hohen Erwartungen an Einsatzbereitschaft und Flexibilität des Unternehmens an die Mitarbeiter stehen nicht im Verhältnis zur Vergütungsstruktur, von nicht gewährten Zuschlägen für Mehr- und Spätarbeit ganz zu schweigen."

Die Mitarbeiter sorgen sich vor allem um ihre Rente. "Ich will später keine Flaschen sammeln müssen, um zu überleben", sagt Nina Seemüller. Auch Kollegin Karsta Manke denkt jetzt schon darüber nach, ob sie ihren Lebensstil halten kann. "Muss ich mich zusätzlich absichern? Einen Nebenjob suchen? Diese Fragen stellt man sich zwangsläufig", sagt sie. "Die Auswirkungen bei der späteren Rente sind katastrophal, Altersarmut vorprogrammiert. Obi macht als Marktführer so Gewinne auf dem Rücken seiner Beschäftigten und zu Lasten der Allgemeinheit“, stimmt Schmidt ihren Kolleginnen zu. Obi äußerte sich bislang nicht zu dem Thema. 

Von Lisa Malecha

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