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Nachrichten S-Bahn mit 180 Fahrgästen evakuiert
Umland Barsinghausen Nachrichten S-Bahn mit 180 Fahrgästen evakuiert
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13:51 18.12.2016
Quelle: Rainer Dröse (Symbolbild)
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Hannover

Für die Feuerwehren aus Egestorf, Kirchdorf, Langreder und Barsinghausen entwickelte sich das Geschehen zu einem Großeinsatz, wie es ihn in dieser Form nach den Worten von Egestorfs Ortsbrandmeister Sven Sörenhagen im Stadtgebiet wohl noch nicht gegeben hat. „Es war unsere allererste Zugevakuierung“, sagte er. Alles hatte gegen 18.15 Uhr begonnen, als der Zugführer der aus Hannover kommenden S-Bahn in der Dunkelheit einen Schlag von einem Zusammenprall bemerkte. Der Zug wurde dabei so unglücklich getroffen, dass die S-Bahn nur noch ausrollen, die Fahrt aber nicht mehr aus eigener Kraft fortsetzen konnte. Rund 400 Meter vor dem Egestorfer Bahnhof blieb der Zug in einem Waldstück nördlich der Wennigser Mark stehen. Der Zugführer verständigte die Regionsleitstelle, die wiederum mehrere Feuerwehren aus dem Barsinghäuser Stadtgebiet in Marsch setzte. Erster Verdacht: Die S-Bahn könnte mit einem Menschen zusammengestoßen sein.

An der Einsatzstelle übernahm Sörenhagen gemeinsam mit einer Rettungswagenbesatzung des Arbeiter-Samariter-Bundes die Erkundung der Gleise hinter dem Zug. Dabei hatte der erfahrene Feuerwehrmann kein gutes Gefühl. „Man rechnet mit dem Schlimmsten“, berichtete er. Die Erleichterung bei dem Erkundungstrupp war groß, als das Trio rund 600 Meter hinter dem Zug die Überreste eines Rehs auf den Gleisen entdeckte. Rund 30 Minuten nach der Alarmierung traf auch der Notfallmanager der Deutschen Bahn an dem liegengebliebenen Zug ein. Der Notfallmanager, die Bundespolizei und die Feuerwehrführung entschieden laut Sörenhagen gemeinsam, dass es aus Sicherheitsgründen keine Option sei, die rund 180 Zugfahrgäste auf freier Strecke aus der S-Bahn steigen zu lassen und dann zu Fuß zum Bahnhof Egestorf zu begleiten. „Die Unfallgefahr wäre zu groß gewesen.“ Statt dessen wurde ein Ersatzzug angefordert, in den die Fahrgäste umsteigen sollten. Bis dieser zweite Zug eintraf, vergingen mehr als zwei Stunden. Um die Fahrgäste in dieser Zeit zu betreuen und über das Vorgehen der Einsatzkräfte detailliert zu informieren, seien jeweils vier Feuerwehrleute in die beiden Zugteile zugestiegen, berichtet Sörenhagen. „Es gab auch Unmut im Zug.“

Derweil leuchteten die Feuerwehrleute draußen die Einsatzstelle mit Lichtmasten aus und bereiteten die Evakuierung vor. Als der angeforderte Zug dann eingetroffen war, habe das weitere Vorgehen „wie aus dem Lehrbuch geklappt“, sagt Sörenhagen. Die Feuerwehrleute bauten mit Hilfe von Leitern und Bohlen feste Übergänge zwischen den beiden Zügen auf und sicherten anschließend die 180 Fahrgäste beim Umsteigen. Später brachte der Ersatzzug die Fahrgäste zum Bahnhof Wennigsen.

Für die Feuerwehrleute war der Einsatz gegen 21 Uhr beendet. Mit von der Partie waren rund 50 Einsatzkräfte mit zwölf Fahrzeugen. Die Überreste des Rehs wurden von dem Jagdpächter beseitigt.

Andreas Kannegießer