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Barsinghausen Notfallplan für Kinderbetreuung: Stadt will 100 neue Kita-Plätze schaffen
Umland Barsinghausen

Notfallplan für Kinderbetreuung: Stadt Barsinghausen will 100 neue Kita-Plätze schaffen

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17:50 31.05.2019
Eltern haben mit ihren Kindern auf dem Spielplatz Klein Basche mit einem Banner auf die fehlenden Kita-Plätze aufmerksam gemacht. Quelle: Florian Petrow
Barsinghausen

Die Verzweiflung der Eltern ist groß: In Barsinghausen fehlen rund 100 Kita-Plätze für dieses Jahr, viele Elternteile wissen nicht, wie sie Beruf und Kinderbetreuung vereinbaren sollen. Nun soll ein Kita-Notfallplan helfen. „Wir versuchen, das Unmögliche möglich zu machen“, versichert der erste Stadtrat Thomas Wolf.

„Ich wende mich aus großer Verzweiflung an Sie“, sagt eine Mutter. „Wir sind eine von vielen Familien die für dieses Jahr keinen Kindergartenplatz bekommen haben, das heißt: In etwa 12 Wochen stehen wir auf der Straße und wissen nicht, wohin mit unserer Tochter.“

Thomas Wolf (links) und Claudius Reich stellen einen Notfallplan auf, um schnellstmöglich neue Kitaplätze zu schaffen. Quelle: Lisa Malecha

Eltern fühlen sich im Stich gelassen

Sie ist nur eine von vielen Elternteilen, die sich Sorgen um die Betreuung ihres Kindes machen. „Ich habe eine fast dreijährige Tochter die eigentlich ab August in den Kindergarten soll. Aber irgendwie läuft es in dieser Stadt mehr als schief, was die Vergabe der Plätze angeht“, schreibt ein Vater. Er und seine Frau seien beide berufstätig, hätten sich rechtzeitig bei der Stadt angemeldet. „Trotzdem fühlen wir uns regelrecht im Stich gelassen.“ Er und seine Frau würden von der Stadt nur vertröstet. „Wenn ich nun wüsste, dass mein Kind keinen Platz bekommt, könnte ich wenigstens mit meinem Arbeitgeber eine Arbeitszeitverkürzung aushandeln und die Stadt auf den Verdienstausfall verklagen“, sagt er. „Wenn ich das zwei Wochen vorher mache, weil ich erst dann den Bescheid der Stadt bekommen habe, zeigt mir mein Arbeitgeber den sprichwörtlichen Vogel. Und meine Tochter hat davon auch keine altersgerechte Betreuung in punkto Sozialverhalten mit Gleichaltrigen.“ Zudem kritisiert er, dass das Vergabeverfahren nicht ideal sei. „Wenn mir die Stadt jetzt mitteilt, dass sie keine Plätze mehr haben, brauche ich mich bei den Privaten auch nicht mehr bewerben, die sind alle voll.“

Wie konnte es dazu kommen?

„Wie konnte sich die Stadt so verschätzen“, fragt ein Vater aus Wichtringhausen, der einen Ganztagesplatz erst nach dem Einschalten eines Anwalts bekommen habe – obwohl er nun wieder Vollzeit arbeiten möchte, und auch seine Frau wieder zur Arbeit gehen muss. Dafür, dass in diesem Jahr so viele Plätze fehlen, gibt es laut Thomas Wolf eine Vielzahl von Gründen.

Bisher habe man immer anhand der Anzahl von Kindern in einem gewissen Alter den Bedarf errechnet. Rund 65 Prozent der Kinder waren in den vergangenen Jahren von ihren Eltern in die Krippe geschickt worden, bei den Kita-Kindern waren es 95 Prozent. „Jetzt haben 100 Prozent der Eltern ihre Kinder für den Kindergarten angemeldet“,sagt Fachdienstleiter Claudius Reich. Das sind 50 Plätze mehr, die benötigt werden. Als einen der Gründe dafür nennen er und Wolf die Beitragsfreiheit. „Was kostenlos ist, nimmt man erstmal mit“, sagt Wolf. Familien, die sich sonst mit einem Vormittagsplatz begnügt hätten, wollten nun einen Ganztagesplatz.

Vier Mal so viele Flexi-Kinder angemeldet

Zudem kämen aufgrund der neuen Regelung für „Flexi-Kinder“ – also Kinder, die entweder zur Schule oder noch ein Jahr zur Kita gehen können – zusätzliche Anmeldungen dazu. Auch hier seien 40 statt, wie in den vergangenen Jahren, zehn Kinder angemeldet worden. Doch die Eltern der Flexi-Kinder konnten sich noch bis zum 1. Mai entscheiden, wo ihr Kind im Sommer hingeht. „Bis dahin wussten wir nicht, wie viele Plätze wir für diese Kinder bereithalten müssen“, sagt Wolf.

Stadt fühlt sich von Land im Stich gelassen

„Die eigentlich Kita-Planung stimmt nicht mehr, das ist eine Herausforderung, die wir so nicht absehen konnten“, sagt Wolf. Zudem seien die Auflagen für den Bau von Kitas verschärft worden. „Wir fühlen uns vom Land alleine gelassen“, sagt Wolf und kritisiert: „Man kann nicht einfach die Gesätze ändern und sich keine Gedanken darüber machen, wie die Kommunen das auffangen sollen.“ Er wünscht sich vom Land auch, dass sich endlich bei der Erzieherausbildung etwas ändert.

Umfrageergebnisse stimmen nicht

Zudem habe man im Frühjahr eine Umfrage unter Eltern durchgeführt, auf deren Grundlage der Bedarf kalkuliert wurde – doch diese Ergebnisse stimmen, wohl auch auf Grund der zahlreichen Änderungen im Gesetz, nicht mehr mit der Realität überein. Er wolle nun alle Eltern, die auf der Warteliste stehen, über die aktuelle Situation informieren und zudem besser darüber aufklären, wie die Kitaplatz-Vergabe in Barsinghausen abläuft.

Stadt will 100 Plätze bis Jahresende schaffen

„Wir sind uns der Dramatik der Situation sehr bewusst“, sagt Erster Stadtrat Thomas Wolf und betont, dass die Verwaltung intensiv an einer Lösung arbeite. Man wisse, dass Existenzen bedroht, Jobs gefährdet sind. Daher erstelle er gemeinsam mit Fachdienstleiter Claudius Reich und seinem Team einen Notfallplan. „Wir versuchen, das Unmöglich möglich zu machen und im Laufe des Jahres 100 neue Betreuungsplätze zu schaffen“, sagt Wolf. Zurzeit wünschen sich 160 Familien einen Betreuungsplatz oder aber einen anderen Betreuungsplatz, als der, der bisher für sie vorgesehen ist.

So funktioniert die Kitaplatz-Vergabe

Einige Eltern haben kritisiert, dass die Kriterien für die Kitaplatz-Vergabe unklar sind. Wer auf der Liste ganz oben steht, dafür gibt es in Barsinghausen klare Regeln. Aufgenommen werden vorrangig Kinder, die ihren Hauptwohnsitz im Gemeindegebiet der Stadt Barsinghausen haben. Ausnahmen sind nur zulässig, sofern der Aufnahmeantrag hinreichend begründet ist und ausreichend freie Plätze vorhanden sind.

Wer einen Platz für sein Kind braucht, der sollte seinen Antrag für das nächste Kindergartenjahr schriftlich oder per E-Mail über das Elternportal bis zum 15. Januar abschicken. Es besteht kein Anspruch auf Aufnahme in eine bestimmte Einrichtung. „Selbstverständlich sind alle an der Platzvergabe beteiligten Personen bemüht, die Elternwünsche bestmöglich zu berücksichtigen“, heißt es in dem Ratsbeschluss.

Grundsätzlich werden in Krippen nur Kinder mit Vollendung des sechsten Lebensmonats bis zur Aufnahme in einen Kindergarten aufgenommen, in altersübergreifende Gruppen werden Kinder ab Vollendung des zweiten Lebensjahres aufgenommen und in Kindergärten nur Kinder mit Vollendung des dritten Lebensjahres bis zum Schuleintritt. Kinder im letzten Kindergartenjahr werden bei der Belegung der Plätze, zur Vorbereitung auf den Schulbesuch, vorrangig berücksichtigt.

Das ist die Reihenfolge bei der Platzvergabe

Anschließend werden alle weiteren Plätze in der Reihenfolge folgender Kriterien vergeben: An erster Stelle haben die Kinder von Alleinerziehenden ein Anrecht auf einen Kitaplatz. Danach sind zusammen lebende Eltern dran, die beide erwerbstätig oder in Ausbildung sind. Dann folgen arbeitssuchende Alleinerziehende. Ihnen folgen zusammen lebende Elternteile, bei denen ein Elternteil erwerbstätig und ein Elternteil arbeitssuchend ist. Erst danach werden Familien berücksichtigt, in denen beide Teile Arbeit suchen. Wer alleinerziehend ist und weder arbeitet noch Arbeit sucht, ist danach an der Reihe. Zusammen lebende Elternteile, bei denen ein Elternteil zu Hause ist und nicht erwerbstätig oder arbeitssuchend ist, sind danach dran, gefolgt von Eltern, die beide zu Hause sind. Im Einzelfall sollen Kinder bevorzugt werden, deren Wohl ohne diese Leistung gefährdet wäre. Dass dies im Einzelfall ungerecht sein mag, sei ihnen bewusst, sagt Wolf, dennoch müsste sich die Verwaltung an diese Vorgaben halten.

So sollen Plätze geschaffen werden

Dank eines Notfallplans, der derzeit erarbeitet wird, sollen bis zum Jahresende 100 neue Plätze geschaffen werden. Doch es gibt eine schlechte Nachricht für die wartenden Eltern: „Bis zum 1. August werden wir das wohl nicht hinbekommen“, sagt Wolf. Dieser Notfallplan müsse allerdings noch von der Politik beschlossen werden.

Er baue auf drei Säulen auf, sagt Wolf. Die erste nennt er „Stärke stärken“. So soll die gut ausgebaute Tagespflege noch weiter gestärkt werden – in dem die Förderung weiter verbessert wird. Zwei Tagespflegepersonen könnten laut Reich bis zu acht Kinder betreuen. „Ist einer von ihnen Erzieher, dürfen sie zehn Kinder betreuen.“ Zudem sollen in diesen neuen Großtagespflegen wegen der Notsituation auch Kindergartenkinder und nicht nur Krippenkinder betreut werden dürfen.

Die Stadt Barsinghausen will Tagesmütter noch mehr fördern. Quelle: dpa (Symbolbild)

Weiterhin will die Stadt Kitas in städtischen Gebäuden „schnell aus dem Boden stampfen“, sagt Wolf. So sollen schnell eingruppige Einrichtungen entstehen. Diese könnten auch weiter bestehen, sollte der Bedarf nicht abnehmen. Welche Immobilien dafür vorgesehen sind, sei noch nicht ganz klar, derzeit liefen noch abschließende Gespräche.

Kinderspielkreis als Alternative

Auch Kinderspielkreise als Ersatz für Kitas sollen entstehen. „Mit qualifiziertem Personal“, sagt Reich. Dort könnten je Spielkreis rund 20 Kinder untergebracht werden. Doch hier gibt es noch Unklarheiten: „Wir haben keine Beschränkung im Gesetz gefunden, was die Betreuungszeiten angeht, aber das Kultusministerium hat nun gesagt, dass dort Ganztags nicht geht“; sagt Wolf und ergänzt: „Wir sind aber bereit dort eine ganztägige Betreuung anzubieten, solange und das Ministerium keine Alternative bietet.“ Zudem will die Stadt auch die private Notbetreuung unterstützen. Denn er wolle sich nicht länger vom Gesetzgeber vorführen lassen, ohne dass dieser auch eine Lösung anbietet.

Zudem werden die Maßnahmen aus dem Projekt INKIB (Initiative für mehr Kinderbetreuung in Barsinghausen) weiterhin so schnell wie möglich umgesetzt. Demnach sollen zahlreiche weitere Einrichtungen zur Kinderbetreuung geschaffen werden.

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Von Lisa Malecha

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