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Barsinghausen So will das Jobcenter Menschen die Angst vor dem Gang ins Amt nehmen
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So will das Jobcenter Menschen in Barsinghausen Gehrden und Wennigsen die Angst vor dem Amt nehmen

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15:00 05.02.2020
„Wir wollen Menschen zeigen, dass es gut ist, zu uns zu kommen“: Jobcenter-Chefin Claudia Dudszus zeigt die Flyer für die zahlreichen Programme, mit denen die Kunden unterstützt werden. Quelle: Sven Warnecke
Barsinghausen/Gehrden/Wennigsen

Die Zahlen lesen sich durchaus gut: Nach Auskunft von Claudia Dudszus, seit gut einem Jahr Chefin des für Barsinghausen, Gehrden und Wennigsen zuständigen Jobcenters, waren in den drei Kommunen weniger Menschen auf Regelleistungen – also auf Hartz 4 – angewiesen, als noch vor ihrem Amtsantritt.

Ihren Angaben zufolge bezogen im September 2019 noch 2474 Menschen in Barsinghausesn Leistungen vom Jobcenter. Die Quote sank um 6,3 Prozentpunkte. In der Deisterstadt erhielten damit 7,2 Prozent der Barsinghäuser Leistungen und damit weniger als im Durchschnitt der gesamten Region Hannover, berichtet sie nun. In Gehrden erhielten 827 Menschen Unterstützung, sieben Prozent weniger als im Jahr 2018. Die Quote lag bei 5,5, Prozent, der Regionsdurchschnitt liegt bei 9,5 Prozent. In Wennigsen bezogen im vergangenen Jahr 719 Menschen Regelleistungen des Jobcenters, 6,5 Prozent weniger als 2018. Die Quote dort bewegte sich zuletzt bei 5,2 Prozent. Doch der Grund dafür sei beileibe nicht ihre persönliche Anwesenheit oder Tätigkeit in Langenhagen, meint sie scherzhaft.

Teilhabe am Arbeitsmarkt ist für Jobcenter tolles Projekt

Vielmehr gebe es aktuell mehrere Programme – etwa das seit Januar 2019 gültige Projekt Teilhabe am Arbeitsmarkt, berichtet Dudszus. Dieses ist allerdings vorerst auf fünf Jahre befristet. Angesichts der bisherigen Erfolge ist sie allerdings zuversichtlich, dass das Bundesprogramm verlängert wird.

Vorerst gelte aber, die Arbeit des Jobcenters noch stärker in die Öffentlichkeit zu bringen – „um den Menschen die Angst vor dem Gang zum Jobcenter zu nehmen“, betont die Behördenleiterin. Man wolle den Kunden vielmehr ein Stück Lebensperspektive zurückbringen, sagt sie weiter. Dies könne etwa mit Leistungen vom Amt geschehen. Denn wer diese zeitweilig – den Passus betont sie – beziehe, brauche sich zunächst auch keine weiteren Sorgen mehr um die eigene Wohnsituation zu machen. Vielmehr könnte sich der Leistungsbezieher in dieser Zeit wesentlich intensiver auf die Suche nach einem Arbeitsplatz begeben, begründet sie das. Und sie würden unterstützt werden.

Menschen sollen eine Chance erhalten

„Wir wollen Menschen zeigen, dass es gut ist, zu uns zu kommen“, betont Dudszus. Dabei spricht sie auch über den Erfolg des Projekts Teilhabe am Arbeitsmarkt. „Das ist total gut“, berichtet sie von eigenen Erfahrungen in ihrem Zuständigkeitsbereich, der sich immerhin über Langenhagen hinaus bis in die Städte Neustadt, Wunstorf, Gehrden und Barsinghausen sowie die Gemeinde Wennigsen erstreckt. In allen Orten sei die Zahl der Leistungsbezieher spürbar innerhalb eines Jahres gesunken. „Wir konnten Menschen eine Chance geben“, beschreibt sie den ihrer Ansicht nach großen Erfolg der diversen Maßnahmen, die sie aber lieber als Hilfestellungen verstanden wissen möchte.

Speziell in größeren Kommunen sei es aber wegen der Anonymität schwieriger, an Menschen heranzukommen, berichtet Dudszus von eigenen Erfahrungen. In Dörfern sei das allein mit Blick auf das soziale Gefüge ein weniger verbreitetes Phänomen oder gar Problem.

Ungeachtet der Größe der jeweiligen Kommune sei aber eines besonders wichtig: die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern. Dudszus will dabei festgestellt wissen, dass es egal sei, ob es sich um einen öffentlichen oder privaten Arbeitgeber – auch Sportvereine gehörten dazu – handele, der einem Langzeitarbeitslosen eine Chance und damit einen Job anbiete. Die Chefs seien „total motiviert“, meint sie. Sie räumt aber durchaus ein, dass nicht nur der Fachkräftemangel die Firmeninhaber beflügelt habe, sondern auch der vom Jobcenter in Aussicht gestellte finanzielle Rahmen.

Jobcenter-Chefin Dudszus: Arbeitgeber bereichern sich nicht

„Doch die Zuarbeit ist schon immens“, sagt Dudszus. Zwar zahle die Behörde in den ersten zwei Jahren den Lohn des einstigen Langzeitarbeitslosen komplett. Danach reduziere sich das jedoch Jahr für Jahr sukzessive. Eines müsse aber klar sein: „Finanziell machen Arbeitgeber kein Schnäppchen“, sagt die Jobcenter-Chefin.

Und es muss für die Leistungsbezieher ebenfalls klar sein, das Hartz 4 „kein Luxus ist“, meint Dudszus. Denn von aktuell 432 Euro für einen alleinstehenden Erwachsenen plus Wohngeld sei ein ausschweifendes Leben kaum möglich. „Hartz 4 ist nichts, was man sich aussucht“. Sie bezeichnet diese Leistung vom Jobcenter eher als ein „wichtiges Instrument zur Überbrückung“ und als „Mittel zum Zweck“.

Gespräche sollen Integration fördern

Dudszus spricht dabei von diversen Programmen des Jobcenters, um Menschen nicht nur finanziell zu helfen, sondern sie vielmehr neu oder erneut in die Arbeitswelt zu integrieren, auch mit einer Weiterbildung. Dazu sollen auch Gespräche dienen, um „Vermittlungshemmnisse“ der Kunden abzubauen. Damit bezeichnet sie etwa eine Schuldenlast oder etwaige Probleme mit Alkohol und Drogen sowie allgemein der Gesundheit.

Das gesamte Beratungspaket soll dazu dienen, den Menschen einen neuen Arbeitsplatz zu vermitteln. Dazu zählt etwa auch das Projekt Aufsuchende Arbeit. Dabei gehen die Mitarbeiter des Jobcenters an Brennpunkte – also zu Menschen nach Hause, „die nicht mehr zu uns kommen“, beschreibt Dudszus. „Diese Institution kann jeder nutzen, wie etwa auch ein Rathaus“, wirbt sie für einen möglichst normalen Gang zum Amt.

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Von Sven Warnecke

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