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Barsinghausen Bredenbecker Waldtag: Sorge um den Wald wächst
Umland Barsinghausen

Wennigsen: Bredenbecker Waldtag: Forderung nach niedersächsischem Klimagipfel.

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19:09 25.08.2019
Zahlreiche Besucher ließen sich zeigen, wie vielseitig der Wald ist, darunter auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Quelle: Patrick Schiller
Bredenbeck

Vielleicht hätte Jair Bolsonaro, Präsident Brasiliens, den Knigge lesen sollen. Das Buch „Über den Umgang mit Menschen“ handelt auch von einem respektvollen gesellschaftlichen Miteinander. Bolsonaro könnte daraus lernen, dass es sich nicht ziemt, dem Rest der Welt die Belüftung abzudrehen und durch giftigen Rauch zu ersetzen.

Der Waldtag auf dem Rittergut Bredenbeck stand am Sonnabend im Zeichen des Klimawandels. Bundes- und Landtagsabgeordnete diskutierten mit Forstexperten über die dramatische Situation der hiesigen Wälder.

Beim Waldtag in Bredenbeck stand das Holz in all seinen Facetten im Vordergrund.

Ein niedersächsischer Klimagipfel?

Moderator Christian Weber fand gleich zu Beginn der Runde den gemeinsamen Nenner der Diskussionsteilnehmer: „Aufgrund des Waldsterbens, der Wasserknappheit und des Befalls durch Borkenkäfer befinden sich die Wälder in einer katastrophalen Situation“, sagte der Leiter der Fürstlichen Hofkammer zu Bückeburg. Dem stimmte Karl Heinz Hausmann, forstpolitischer Sprecher der SPD im niedersächsischen Landtag, zu: „Kommen sie alle in den Harz“, sagte er. Dort sind die Förster fassungslos, wie dramatisch es bereits um die Wälder steht.

Bei der Diskussion vor etwa 200 Zuhörern zeigte sich ein breites Verständnis für die Anliegen der jungen Generation, die zurzeit ihren Unmut auf den Fridays-for-Future-Demonstrationen kundtun. Hausmanns Forderung: einen niedersächsischen Klimagipfel einzurichten. Auf dem sollen Politiker und Experten einen Plan gestalten, um den hiesigen Wald zu retten.

Diskutierten die Bedeutung des Waldes: MdL Miriam Staudte (Grüne), MdB Peter Felser (AfD), Gastgeber Hubertus Freiherr Knigge, MdL Helmut Dammann-Tamke, (Landesjägerschaft/CDU), Christine Karasch (Dezernentin Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover), Norbert Leben (Präsident des Nds. Waldbesitzerverbandes), MdL Stefan Birkner (FDP) und MdL Karl Heinz Hausmann (SPD) Quelle: Patrick Schiller

„Andernfalls droht eine Katastrophe!“

Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Stefan Birkner, sah eine Lösung der klimatischen Probleme eher in einem marktwirtschaftlichen Modell, etwa dem Vertragsnaturschutz. Hausmann pflichtete dem in Teilen bei: „Es geht jetzt nicht darum, eine Steuer einzuführen. Dem Wald ist es egal, wo das Geld herkommt. Wir müssen jetzt handeln.“ Überdies müsse auch die Entfremdung der Stadtbevölkerung von der Natur überwunden werden, sagte Helmut Dammann-Tamke (CDU). Der Präsident der Landesjägerschaft und Landtagsabgeordnete fand, dass jedes Kind im Laufe seines Schullebens einen Baum pflanzen solle: „Als Grundlage für eine umweltbewusste Erziehung.“

Miriam Straudte, forstpolitische Sprecherin der Grünen im niedersächsischen Landtag, sagte, dass für die Wälder generell mehr Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden müsse. Sie schlug ein Freiwilliges Ökologisches Jahr vor. Zudem müssten bei einer möglichen CO2-Steuer Preise entstehen, die auch der ökologischen Wirklichkeit entsprechen. Der Klimawandel könne nicht wegfinanziert, sondern lediglich abgebremst werden. „Andernfalls drohe eine Katastrophe.“, sagte Straudte.

Im Planwagen und dem Trecker ging es durch den Wald. Alternativ konnten sich die Besucher des Bredenbecker Waldtages aber auch auf einer geführten Pilz- und Kräutertour Geheimnisse des Waldes näher bringen lassen. Quelle: Patrick Schiller

„Alte Modelle funktionieren nicht mehr“

Zudem befand Birkner, dass der Naturschutz selbst nur auf Augenhöhe mit den Forstbetreibern funktionieren könne. Doch eben die erreiche man in vielen Fällen nicht, meinte Norbert Leben, der als Präsident des niedersächsischen Waldbauernverbandes diesen vorsteht. Oft werden Waldstücke vererbt und das Eigentum zerstreut: „Jeder Wald muss bewirtschaftet werden, damit er auch gesund bleibt.“ Zudem muss laut Christine Karasch, Umweltdezernentin der Region Hannover, politisch geprüft werden, ob andere Werte, die der Wald liefere, dem Waldbesitzer nicht ebenfalls vergütet werden können. Dazu gehörten beispielsweise Erholung und schulische Aspekte. „Alte Modelle funktionieren nicht mehr“, so die Volljuristin.

Gastgeber Freiherr Hubertus von Knigge: „Meine Familie ist seit 1312 hier. Was wir brauchen, sind Experten, studierte Fachkräfte, die sich mit der Materie auskennen.“ Für einen ersten Schritt sorgte der Besitzer des Waldes, der weit über Wennigsen hinausreicht, selbst: Mit Treckern und Planwagen konnten die Besucher des Waldtages begleitet von Förstern oder einer Waldpädagogin den Forst kennenlernen oder an einer Pilz- und Kräuterwanderung teilnehmen. Auf einem Erlebnispfad konnten die vielseitigen Produkte, die ein Forst neben dem Holz liefert, entdeckt werden. „Der Bezug zum Wald, in all seiner Vielfältigkeit, den gibt es heute gar nicht mehr“, erklärt Knigge-Betriebsleiter Ralf Schickhaus.

Eintrittspreis: Eine Buchecker

Der Bredenbecker Waldtag könnte aber ein erster Schritt gewesen sein, um diese Entwicklung umzukehren. Auf dem Rittergut selbst wurden neben den Produkten des Waldes zahlreiche Verwertungsmöglichkeiten vorgestellt: Aus Holzstämmen wurde ein Häuschen gebaut, daneben

Den Wald entdecken: Leonard Suchy (6) erkundet die Baumkronen. Quelle: Patrick Schiller

entstand ein Storchennest. Kinder konnten Holzhäuser, Figuren und Bretter für ihr Abendbrot hämmern, sägen und kleben. Wem das nicht genug war, der kletterte mithilfe von Baumsteigern in schwindelerregende Höhen. So auch Leonard Suchy (6): „Toll, wie viel es hier zu entdecken gibt.“ Die Aktionen waren für alle Besucher kostenlos. Nur für den Wald musste Eintritt bezahlt werden. Der Preis: eine Buchecker.

Von Patrick Schiller

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