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Burgdorf Auf der Titanic gab es Burgdorfer Spargel
Umland Burgdorf Auf der Titanic gab es Burgdorfer Spargel
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14:14 22.08.2018
Diese Abbildung zeigt, wie die Burgdorfer Konservenfabrik 1912 ausgesehen hat. Quelle: Privat
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Burgdorf

An diesem wichtigen Kapitel der hiesigen Wirtschaftsgeschichte kommt die Ausstellung „Burgdorf in Schwarz-Weiß“ im Stadtmuseum nicht vorbei: an der Burgdorfer Konservenfabrik. Sie war zeitweise das größte Werk ihrer Art in Deutschland. Ihre Erzeugnisse, insbesondere der Burgdorfer Spargel, standen im Ruf, Spitzenprodukte zu sein.

Das Unternehmen habe Konservendosen mit Spargel und anderem Gemüse europaweit exportiert, sagt der frühere Stadtführer Erich Rode. „Auch auf der Titanic wurde Burgdorfer Spargel gegessen“, weiß der 83-Jährige zu erzählen. Nach dem Untergang des damals größten Passagierschiffes der Welt am 14. April 1912 seien an der Unglücksstelle etwa einen Meter unter der Meeresoberfläche Konservendosen aus Burgdorf im Wasser des Nordatlantiks geschwommen.

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Ein gewisser Emil Niethe hatte die Fabrik 1891 gegründet. Er verarbeitete zunächst Erbsen, Bohnen, Karotten und Pilze. Weil Niethe nur über wenig Eigenkapital verfügte, ging sein Unternehmen schon im folgenden Jahr in Konkurs. Der Kaufmann Ludwig Warnecke erwarb Ende 1892 das Grundstück mit der Fabrik vom Konkursverwalter. Sein wirtschaftlicher Erfolg ermöglichte ihm, schon nach kurzer Zeit das Fabrikgebäude zu vergrößern und die ersten Maschinen anzuschaffen. Auf seinem Grundstück, das sich von der Garten- bis zur Heinrichstraße erstreckte, kamen 1901, 1904, 1908 und 1910 weitere Fabrikgebäude hinzu.

Von 1900 an hat die Burgdorfer Konservenfabrik auf eigenen Feldern Spargel angebaut. Quelle: Privat

Während des Ersten Weltkriegs produzierte die Burgdorfer Konservenfabrik überwiegend für das Heer. Die Produktpalette wurde damals um Fleischkonserven erweitert. Um die Wasser- und Energieversorgung zu verbessern, wurden 1921 ein Wasserturm und ein neues Kesselhaus gebaut. In den Zwanzigerjahren wuchs das Burgdorfer Unternehmen zur größten Konservenfabrik Deutschlands. Von den 100 Millionen Kilogramm Konserven, die die deutsche Konzervensindustrie 1929 produzierte, kamen fünf Millionen Kilogramm aus der Burgdorfer Konservenfabrik. Die Weltwirtschaftskrise, die vom New Yorker Börsencrasch im Oktober 1929 ausgelöst wurde, brachte auch das Burgdorfer Unternehmen vorübergehend in Schwierigkeiten.

Langnese-Iglo-Konzern übernimmt 1970 das Werk

Nachdem gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Amerikaner am 11. April 1945 in Burgdorf einmarschiert waren, plünderten Zwangsarbeiter die Konservenfabrik. Sie nahm kurzer Zeit, nachdem die bei der Plünderung verursachten Schäden beseitigt waren, wieder die Produktion auf. 1950 geriet die deutsche Konservenindustrie in eine Krise. Das Burgdorfer Werk erholte sich davon schnell. Auf dessen Gelände entstanden in den Folgejahren neue Gebäude. Das größte Bauprojekt waren die Hallen an der verlängerten Schulstraße.

Als Folge der Europapolitik geriet die deutsche Konservenindustrie in in den Sechzigerjahren immer mehr unter ausländischen – besonders französischen – Konkurrenzdruck. Am 1. Januar 1970 übernahm der weltweit agierende Langnese-Iglo-Konzern die Burgdorfer Konservenfabrik L. Warnecke. Er versprach sogar, die Belegschaft von 350 auf 500 Beschäftigte aufzustocken. Aber die Umstellung auf Tiefkühlkost konnte das Werk nicht retten. Am Jahresende 1971 stellte es die Produktion ein.

Führung am letzten Ausstellungstag

Die Ausstellung „Burgdorf in „Schwarz-Weiß“ wird bis Sonntag, 26. August, im Stadtmuseum, Schmiedestraße 6, gezeigt. Das Museum ist sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Am letzten Ausstellungstag, also am 26. August, ist noch einmal eine Führung geplant. Ab 14.30 Uhr wird Stadtführer Christoph Adolph die Exponate erläutern. fs

Von Friedrich-Wilhelm Schiller