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Burgdorf Autofahrer bedroht Motorradfahrer mit Waffe
Umland Burgdorf Autofahrer bedroht Motorradfahrer mit Waffe
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12:32 29.11.2018
Wegen Nötigung und Bedrohung verhandelt das Amtsgericht gegen einen Autofahrer aus Lehrte.
Wegen Nötigung und Bedrohung verhandelt das Amtsgericht gegen einen Autofahrer aus Lehrte. Quelle: Dege (Archiv)
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Burgdorf

Bedrohung und Nötigung – hinter diesen Vorwürfen verbirgt sich eine Autofahrt in Wildwestmanier, für die sich ein 39 Jahre alter Familienvater aus Lehrte in diesen tagen vor dem Amtsgericht Burgdorf verantworten muss. Der Mann ist angeklagt, zwei junge Motorradfahrer im Mai mit vorgehaltener Waffe bedroht zu haben. Am Montag, 3. Dezember, um 8.30 Uhr fällt Strafrichterin Stephanie Rohe ihr Urteil.

An jenem Maitag war der Lehrter mit seiner 14-jährigen Tochter im Familienauto, einem Opel Omega, auf der Bundesstraße 443 aus Lehrte nach Burgdorf unterwegs. Dabei seien ihm zwei Motorräder und ein BMW aufgefallen, die in einem Zickzack-Kurs erst die anderen Fahrzeuge und schließlich ihn überholt hätten, sagte der Kfz-Technikmeister in der Auftaktverhandlung. An der Kreuzung zur Hochbrücke hätten die Motorräder vor ihm gestoppt – und er habe die Männer ob ihres Fahrstils gefragt, ob sie lebensmüde seien.

Einer habe den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt, dann seien beide rasant über die Kreuzung gefahren, um später gefühlt in Schrittgeschwindigkeit die Schillerslager Straße zu passieren. Deshalb habe er das Duo überholt und dann langsam abgebremst, um beide zum Anhalten zu zwingen. Dieser Version widersprach einer der Motorradfahrer. Der 20-jährige Kfz-Mechatronik-Azubi sagte aus: „Er hat uns regelrecht ausgebremst und in Gefahr gebracht.“ Fotos von Bremsspuren, die eine Polizeibeamtin in der Verhandlung vorlegte, stützten diese Aussage. Wegen des Bremsmanövers habe er sein Motorrad zur Fahrerseite gerollt, sagte der Azubi: „Ich wollte ihn zur Rede stellen.“

Dann aber habe er sehen müssen, wie der Autofahrer ins Handschuhfach griff und ihn mit der Pistole bedrohte. „Er hatte die Waffe direkt auf mich gerichtet“, sagte er. Die 14-jährige Tochter habe auf dem Beifahrersitz gesessen, während er in die Mündung der Pistole habe blicken müssen. Erst als die Polizei die Waffe beschlagnahmt hatte, erfuhren die jungen Männer, dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelte.

Sichtlich mitgenommen schilderte sein Begleiter, ein 19-jähriger Koch, das Geschehen. „Als ich zu dem Wagen kam, habe ich die Waffe gleich gesehen und die Hände hoch genommen“, gab er zu Protokoll. Er habe noch gesagt, alle sollten mal locker bleiben. „Dann bin ich langsam zum Motorrad gegangen und losgefahren“, berichtete er. Sein Freund sei ihm gefolgt, sie hätten einige Meter zurückgelegt, dann ihre Maschinen gewendet und geschaut, wohin der 39-Jährige fuhr.

Der setzte nach eigenen Angaben seinen ursprünglichen Plan fort und fuhr mit seiner Tochter zu Burger King zum Abendessen. Unterdessen alarmierten die Motorradfahrer die Polizei, die beide auf dem Parkplatz des Baumarktes vernahmen. Dann verständigten die Beamten Kollegen aus Lehrte, die den Opel auf der Rückfahrt kurz vor Lehrte stoppen konnten. Im Handschuhfach fanden sie die Schreckschusspistole und ein Magazin mit Munition, wie ein Beamter sagte. Seinen Angaben zufolge räumte der Angeklagte bei der Kontrolle ein, dass er einen Fehler gemacht hatte.

„Weshalb befand sich die Waffe überhaupt in Ihrem Wagen?“, stellte die Richterin die Frage, die auch die beiden Motorradfahrer beantwortet haben wollten. „Ich besitze die schon lange und wollte sie zum Abschießen von Feuerwerk nutzen“, sagte der 39-Jährige. Das Auto sei in der Familie mit vier Kindern der aus seiner Sicht sicherste Ort. Er behauptete immer wieder, dass er die jungen Männer nicht bedroht, sondern ihnen vielmehr nur die Pistole gezeigt habe – mit dem Lauf in der Hand. Gegen diese Aussage sprach nach Angaben der Polizistin, dass beide Zeugen von einem silbernen Ring in der Mündung berichtet hatten. „Den sieht man nur, wenn man in die Mündung schaut“, sagte sie.

Dieser eklatante Widerspruch ließ sich am ersten Verhandlungstag nicht aufklären: Die Waffe befindet sich in der Asservatenkammer, Fotos zeigten den Zustand der Pistole nur unzureichend. Deshalb vertagte die Richterin den Prozess – zum Abschluss der Beweisaufnahme und zur Urteilsverkündung.

Von Antje Bismark