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Burgdorf In Burgdorf fehlen 270 Kita- und Krippenplätze
Umland Burgdorf

Burgdorf: BMGH-Chefin mahnt mehr Investitionen in Kita-Plätze an

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18:30 11.06.2019
lm laufenden Kita-Jahr können Burgdorfs Eltern nicht mehr mit mehr Plätzen rechnen. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Burgdorf

Mit einem großen Minus an Kita- und Krippenplätzen startet die Stadt ins neue Kindergartenjahr, das am 1. August beginnt: Insgesamt fehlt nach Aussage von Stadtsprecher Sebastian Kattler eine adäquate Betreuung für 145 Jungen und Mädchen unter drei Jahren sowie für 125 Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Auf eine Entlastung während des Kita-Jahres können die Eltern seinen Angaben zufolge nicht hoffen: „Eine Aufnahme der Kinder im laufenden Jahr wird nicht möglich sein. Eltern werden über das gesamte Stadtgebiet betrachtet Wartezeiten überbrücken müssen.“ Diese Situation betrifft Familien in allen Teilen der Stadt – und aus allen Schichten, wie Kattler mitteilt.

Erst mit dem folgenden Kita-Jahr rechnet die Verwaltung mit einer Entlastung. Aus Sicht von Ursula Wieker, Leiterin des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses (BMGH), muss die Stadt schon eher eine Lösung finden. Sie kann sich, ebenso wie Rüdiger Nijenhof von den Freien Burgdorfern, eine temporäre Betreuung in Container vorstellen – diesen Vorschlag unterbreiteten sie in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugendhilfe und Familien.

Spielen, während die Mütter lernen: Das zehrt an den Nerven der Kinder und der Frauen gleichermaßen. Quelle: Antje Bismark

Ihren Vorstoß begründet Wieker unter anderem mit Erfahrungen aus der Migrationsarbeit: „Unsere Einrichtung besuchen auch Kinder, die bereits sechs Jahre alt sind, mit ihren Müttern. Wenn sie zur Schule kommen, haben sie deutlich schwierigere Voraussetzungen als die Jungen und Mädchen, die zuvor in einer Kita betreut wurden.“ Die Mütter lernen in dreistündigen Kursen, die bis zu viermal pro Woche stattfinden, die Grundlagen der deutschen Sprache – zum Teil beherrschen sie Wortschatz und Grammatik nach dem Fortgeschrittenenkurs so gut, dass sie auf dem B1-Niveau angekommen sind und sich damit gut verständigen können. Insgesamt 40 Frauen nutzen das Angebot.

Grundschulen müssen Fehlentwicklung ausgleichen

Um ihnen die Teilnahme zu ermöglichen, betreuen zwei Ehrenamtliche während des Unterrichts die Kinder. Allerdings im Unterrichtsraum der Mütter, denn: „Wir sind schlicht keine Kita, wir können die gute Arbeit, die dort geleistet wird, nicht übernehmen.“ Damit verlieren die Jungen und Mädchen, die auch gern in einen Kindergarten gehen würden, nicht nur Lebenszeit beim Lernen, sondern auch den sozialen Anschluss an andere Kinder. Diese Fehlentwicklung müssten wiederum die Lehrer in den Grundschulen ausgleichen, weil die Voraussetzungen der Kinder so unterschiedlich seien.

Svenja Neumann-Fidensoy unterrichtet mehrmals wöchentlich Deutsch für Frauen, während die Kinder im Hintergrund spielen. Quelle: Antje Bismark

Dabei, so betont Wieker, setze sie sich für Kita-Plätze ein, die allen Burgdorfer Jungen und Mädchen zur Verfügung stehen sollen. „Eine fehlende Betreuung macht jeder Familie einen Strich durch die Planung“, weiß sie aus Erfahrung. Zudem gelinge die Integration der Kinder mit Migrationshintergrund eben nur dann, wenn sie nur miteinander spielen und lernen – wie es derzeit im Mehrgenerationenhaus der Alltag ist. „Die Zeche dafür zahlen die Familien und die Grundschulen“, sagt Wieker und rechnet mit bis zu 20 Kindern aus ihrer Einrichtung, die in den nächsten Monaten zwingend in eine Kita wechseln müssten.

„Die Stadt hat viel in den Ausbau investiert, aber es reicht eben nicht“, fasst sie ihr Empfinden zusammen – das sich mit den Erfahrungen anderer deckt. Ob die Stadt kurzfristig die von Nijenhof ins Gespräch gebrachten Container aufstellen und vor allem Personal dafür finden kann, vermag Wieker nicht abzuschätzen, aber: „Wir müssen jetzt reagieren, ganz schnell“, mahnt sie.

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Von Antje Bismark

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