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Burgdorf Die Bäuerinnenbackstube in Burgdorf schließt für immer
Umland Burgdorf

Burgdorf: Bäuerinnenbackstube schließt für immer

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18:11 18.11.2019
Die Café-Macherinnen: Christa Wolni (links), Petra Bohrer (kariertes Hemd) und Thea Lüders (Zweite von rechts) führen die Geschäfte. 22 weitere Frauen backen Torten, verkaufen diese, arbeiten im Service und sorgen so für Gastlichkeit. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Die Bäuerinnenbackstube macht am Abend des 15. Dezember für immer zu. Die Macherinnen – 25 Frauen an der Zahl – haben nach eigenen Angaben keine Nachfolgerinnen gefunden, die das Kaffeehaus am Wächterstieg in Burgdorf weiter betreiben wollen und können. Gesucht und gehofft hatten die Betreiberinnen bis zuletzt.

Gemütliche Gastlichkeit gibt es frei Haus

Alte Kaffeekannen krönen die Anrichte in der Ecke, Herbstblumen in den Vasen schmücken die mit handgestickten weißen Deckchen belegten Tische, Gemälde von Künstlern aus der Region zieren die Wände. Wer die Bäuerinnenbackstube betritt und es schafft, einen freien Platz zu ergattern, bekommt frei Haus eine extra große Portion Gastlichkeit. Erst dann darf er Kaffee und Kuchen bestellen.

Die von freundlicher Gastlichkeit geprägte Caféhauskultur am Wächterstieg 7 ist Kult.

Dafür sorgen seit 19 Jahren 25 Frauen, die sich in einer Art Kollektiv um ihr Baby Bäuerinnenbackstube kümmern. Dahinter steht eine GmbH, in der Christa Wolni, Petra Bohrer und Thea Lüders als Geschäftsführerinnen bestellt sind und das Café nach außen vertreten, allerdings ohne intern die Chefinnen heraushängen zu lassen. Wie auch? 15 der mitwirkenden Frauen sind selbst Gesellschafterinnen und bringen sich entsprechend ein. Auch die übrigen Frauen reden mit, wenn es um den Tortennachschub, die Preisgestaltung und die Einteilung der Wochenenddienste geht. „Wir haben hier 25 Hüte“, beschreibt Wolni das gemeinschaftliche Wirtschaften. Alle vier Wochen gebe es ein Treffen, bei dem alles Wichtige besprochen werde, sagt Lüders.

Bis Ende des Jahres muss das ganze Inventar raus

Das ist nun bald vorbei. An den Tischen im Café gibt es kein wichtigeres Thema. Viele können es nicht recht fassen, dass das erste Kaffeehaus am Platze in Kürze nicht mehr sein soll. Gäste sprächen die Verkäuferinnen hinterm Tortentresen und die Servicekräfte während des Bedienens ungläubig an. Viele seien traurig, hat Petra Bohrer beobachtet. „Wir gehen davon aus, dass wir am 15. Dezember noch mal ein volles Haus haben“, sagt Bohrer. „Wenn etwas übrig bleibt, essen wir den Kuchen mal selbst.“ Danach kommt das gesamte Inventar raus. Bis zum 31. Dezember müssen die Frauen die Räume besenrein an den Vermieter übergeben haben.

Voll ist das Café fast jeden Tag: Die ersten Gäste kommen vormittags zum Frühstücken. Auch der Mittagstisch erfreut sich großer Beliebtheit. Dann gibt es kleine, frische Gerichte wie die hausgemachte Hochzeitssuppe mit Eierstich und selbst gemachten Klößchen oder das Sauerfleisch mit Bratkartoffeln. „Wir haben immer auf Qualität geachtet, nichts Abgepacktes eingekauft, nur Topware. Damit sind wir nicht reich geworden“, sagt Wolni. Auch die Kaffeesorte sei über 19 Jahre lang immer die gleiche geblieben. Das hätten die Gäste geschätzt.

Etliche Stammtische treffen sich im Café

Kaffeekränzchen (von links): Die ehemaligen Arbeitskolleginnen Ingrid Meyer, Gisela Kaletta, Helgard Schulze, Erika Schmidt-Gellert und Anna Kobas treffen sich seit 14 Jahren regelmäßig in der Bäuerinnenbackstube. Quelle: Joachim Dege

So wie Ingrid Meyer, Gisela Kaletta, Helgard Schulze, Erika Schmidt-Gellert und Anna Kobas. Die fünf Frauen waren früher Arbeitskolleginnen. Seit 14 Jahren treffen sie sich nun regelmäßig an der großen Kaffeetafel in der Bäuerinnenbackstube zum Kaffeekränzchen. Stammtische wie den ihren gibt es mehrere.

100 Torten gehen pro Woche über den Tresen

Die Gastlichkeit ist das eine. Der Tortenreichtum ist ein weiterer Grund für den Erfolg der Hüftgoldmine, die jeden Diabetologen schauern lässt. Jeden Tag kommen aus den beiden Betriebsküchen bei Ingrid Gehrke in Ehlershausen und bei Ingrid Müller in Obershagen zehn frisch gebackene Torten in der Bäuerinnenbackstube an. Am Wochenendtagen sind es leicht einmal 20, sodass bis zu 100 Torten in der Woche über den Tresen gehen. Dabei schöpfen die Betreiberinnen aus einem Fundus von 108 Rezepten. Frankfurter Kranz und Schwarzwälderkirschtorte stehen bei Leckermäulern besonders hoch im Kurs.

Die Torten gehen nicht nur im Café weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Auch der Außerhausverkauf läuft wie geschmiert. Quelle: Joachim Dege

Außer ihren Rezepten hatten die Frauen, die alle von landwirtschaftlichen Betrieben in Burgdorf und im Umland stammen, anfangs nichts. Bei einer Fortbildung waren sie sich einst näher und schließlich auf die Idee gekommen, gemeinsam ein Café zu betreiben. „Bis dahin waren wir mitarbeitende Familienangehörige. Hier haben wir uns verwirklicht“, sagt Lüders. Inzwischen seien alle älter geworden, die Krankheiten mehrten sich, es sei alles beschwerlicher geworden. So sei der Entschluss gereift, Schluss zu machen.

Im Laufe der Jahre seien Freundschaften entstanden, berichtet Andrea Könecke: „Die Gemeinschaft ist das Wichtigste.“ Die geht so weit, dass die Frauen jeden Sommer miteinander verreisen. Eine solche Reise solle es auch im nächsten Jahr noch einmal geben, sagt Gehrke, die die Ausflüge noch stets organisiert. Das Ziel ist noch unbekannt.

Von Joachim Dege

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