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Burgdorf Bratschistin und ihr Pianist ernten im Schlosskonzert Kusshände
Umland Burgdorf

Burgdorf: Bratschistin und ihr Pianist ernten im Schlosskonzert Kusshände

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18:01 21.10.2019
Die Bratschistin Tatjana Masurenko liefert im Schlosskonzert eine Leistung der Extraklasse ab. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Romantischen Schmelz, Klänge abgrundtiefer Melancholie, schwebend leicht dahingeworfene Capricen und zur Krönung ein Parforceritt durch die russische Folklore – alles das bot das restlos ausverkaufte 238. Schlosskonzert am Sonntagabend konzertgeschulten Ohren. Das Publikum ließ sich von der Bratschistin Tatjana Masurenko und dem sie begleitenden Pianisten Boris Kusnezow mitreißen. Nach mehr als zwei Stunden intensivem Kammermusikgenuss erhoben sich die Zuhörer für den lang anhaltenden Schlussapplaus von ihren Sitzen.

Werke von Schumann, Brahms und Glinka standen auf dem von der Romantik durchtränkten Programm. Das zog. „Wir sind mehr als ausverkauft“, konstatierte der für den Kartenverkauf verantwortliche Stefan Conradt vom Kulturverein Scena. Scena-Helfer schleppten bis kurz vor Konzertbeginn Stühle heran, um alle Zuhörer im eng besetzten Saal unterzubringen.

Seelenverwandtschaft

Masurenko brauchte einen langen Moment der inneren Sammlung, bevor sie den Bogen auf die Saiten ihres sonor klingenden Instruments hievte und mit großem Vibrato zum Adagio von op. 70 in As-Dur ansetzte. Süßlich-sinnlicher hätte dieser Konzertauftakt nicht ausfallen können. Eine erste Hörerwartung war wohl erfüllt, bevor der feurige Allegrosatz des gleichen Werks auf dem Fuße folgte. Spätestens jetzt schien der regnerische Oktobertag abgeschüttelt.

Drei für diese Besetzung umgearbeitete Lieder Schumanns – die Bratsche ist nicht eben häufig als Soloinstrument zu erleben – boten großes Gefühlskino für die Ohren. Dabei zeigte die Bratschistin nicht nur in „Stille Tränen“, das mit abgrundtiefer Traurigkeit aufwartete, ihre außergewöhnliche technische Meisterschaft. Überhaupt demonstrierten Masurenko und Kusznezow, deren Spiel sich ineinander zu verweben schien, eine Art musikalische Seelenverwandtschaft – sie als I-Tüpfelchen, er als Ausrufezeichen. Wobei der Begleiter an den Tasten die Solistin gänzlich uneigennützig unterstützte und zugleich eigene Akzente zu setzen verstand, wo es die Werke erforderten.

Pianist widmet seiner Mutter die Oglinski-Polonaise

Hätten die beiden Künstler doch nur auf die an diesem Abend eher wie ein Fremdkörper anmutenden „Lieder ohne Worte“ von Masurenkos Komponistenfreund Dimitri Terzakis verzichtet. Immerhin erlebte das hoch konzentrierte Publikum so die Bordun-Spielweise, bei der die Bratschistin in einem Bogenstrich einen Grundton spielt und gleichzeitig eine Melodie darüber legt. Das klingt, als spielte sie zwei Instrumente zur gleichen Zeit.

Brahms’ Sonate in f-Moll trugen Masurenko und Kusznezow mit so großer Gefühlsstärke vor, dass es prompt Bravo-Rufe setzte. Der Abend mündete in einem Ausflug in die musikalische Heimat der beiden Künstler: nach Russland. Den Variationen über das Volkslied „Nachtigall“ ließen sie noch drei vehement erklatschte Zugaben folgen, darunter die hitverdächtige Oglinski-Polonaise, die der Pianist seiner im Saal sitzenden Mutter zu deren Geburtstag widmete. Die so Beschenkte danke mit Kusshänden, die sie ihrem Sohn und der Solistin zuwarf. Das Publikum zeigte sich tief bewegt.

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Von Joachim Dege

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