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Burgdorf Brutale Gewalt bei C-Jugend-Spiel: 13-Jähriger schwer verletzt
Umland Burgdorf

Burgdorf: Brutale Gewalt bei C-Jugend-Spiel: 13-Jähriger schwer verletzt

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11:06 23.09.2019
Im Stadion an der Sorgenser Straße sollen 12- bis 14-jährige Spieler der TSV Burgdorf einen 13-jährigen Spieler aus Lehrte mit Tritten und Schlägen verletzt haben. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf/Lehrte

Der Vorsitzende des FC Lehrte spricht von einem Gewaltexzess: Nach Aussage von Marcus Bartscht ist es beim Spiel des C-Jugend-Teams gegen die TSV Burgdorf am Sonnabend zu einer brutalen Schlägerei gekommen. Burgdorfer C-Jugendspieler sollen einen 13-jährigen Lehrter so mit Schlägen und Tritten angegriffen haben, dass er ins Krankenhaus kam und wegen innerer Blutungen stationär behandelt werden musste. Am Sonntag entschied das Sportgericht des Niedersächsischen Fußballverbandes, dass die Burgdorfer C-Jugend bis maximal 21. März 2020 vom Spielbetrieb ausgeschlossen wird.

Die brutalen Szenen haben sich offenbar zum Ende des Spiels ereignet. Ein Burgdorfer Spieler habe absichtlich und bewusst einen 13-jährigen Feldspieler der Lehrter gefoult. „Er sprang auf und schubste den Gegner“, sagt Bartscht und fügt hinzu: „Darauf hatte die Mannschaft offenbar nur gewartet.“

Tritte und Schläge gegen den Kopf – die Polizei ermittelt

Die Burgdorfer hätten sich auf den Jungen gestürzt, ihn mit Tritten und Schlägen gegen den Kopf attackiert – die Mutter des Spielers habe all das vom Spielfeldrand mit ansehen müssen. Sie sei mit anderen Zuschauern auf das Feld gelaufen, um die Lehrter Kinder und Jugendlichen zu schützen. Andere alarmierten die Polizei, die nach Aussage eines Sprechers mehrere Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung gegen Spieler beider Mannschaften einleitete.

Bartscht berichtet am Sonntag, dass das Lehrter Team noch immer betroffen und geschockt sei: „Ein solcher Auswuchs von Gewalt hat mit Sport nichts mehr zu tun.“

Beleidigungen gegen Spieler mit anderer Hautfarbe

Schon vor dem Spiel war es nach Aussage von Bartscht zu hässlichen Szenen gekommen. Auch der junge Torhüter der Lehrter, dessen Familie aus einem afrikanischen Land stammt, wurde demnach angegangen. Er sei rassistisch beleidigt worden. Von Anfang an sei das Spiel am Sonnabend von derartigen Beleidigungen geprägt gewesen, sagt Bartscht. Diese hätten sich vor allem gegen Spieler mit anderer Hautfarbe gerichtet.

Von Anfang hätten die Lehrter das Gefühl gehabt, es gehe nicht um das Spiel, sondern darum, Aggressionen loszuwerden. Deshalb seien die Betreuer auch in der Halbzeitpause zum Burgdorfer Trainer Peter Kehl gegangen, um dort auf mehr Ruhe zu dringen. Es sei aber nichts passiert.

Burgdorf-Trainer: Jugendliche sind benachteiligt und pubertär

Peter Kehl, Trainer der Burgdorfer C-Jugend und Vorsitzender des Gesamtvereins, bestätigt den Übergriff. Er spricht von „konfliktbeladenem Spiel“ seiner Mannschaft. Der Verein wolle jetzt Konsequenzen ziehen: „Wir müssen jetzt den Schnitt machen, alles andere wäre auch nicht kommunizierbar“, sagt Kehl. „Wir werden nun in uns gehen und sehen, wie wir damit umgehen und ob wir die Mannschaft abmelden.“

Das träfe die Jugendlichen der C-Jugend, die er als multikulti beschreibt: „Sie sind ganz heiß aufs Fußballspielen.“ Gleichwohl müssten sie lernen, sich an Regeln zu halten. Er sieht es durchaus als Aufgabe des Vereins an, soziale Probleme im Sport zu lösen. Der TSV habe die C-Jugend auf Wunsch der Jugendlichen gebildet: Sie hatten oft auf dem benachbarten Soccercourt gespielt und sich im Jugendzentrum JohnnyB. aufgehalten. Kehl beschreibt sie als benachteiligt und pubertär.

„Wir brauchen professionelle Hilfe“

Die NFV-Entscheidung liegt Kehl inzwischen vor. Man werde die Sperre akzeptieren, sagte er am Sonntagnachmittag. Dirk Bierkamp, Vorsitzender der TSV-Fußballer, will das Thema bei einer Vorstandssitzung an diesem Montag klären.

„Wir brauchen professionelle Hilfe bei den Jugendlichen, bei denen wir neben dem Sport auch Sozialarbeit leisten“, sagt Kehl. Denkbar sei deshalb neben der Zusammenarbeit mit der Stadtjugendpflege im benachbarten Jugendzentrum auch die Unterstützung durch den Präventions- und Mediationsvereins Die Waage aus Hannover.

Nicht der erste Fall: Burgdorfer attackierten Fuhrberger mit Stollenschuhen

Seine Entscheidung, die TSV-C-Jugend zu sperren, begründet das Sportgericht aber nicht nur mit den Angriffen am Sonnabend. Vielmehr berücksichtigt es in seiner Begründung auch einen Vorfall vom 10. September, bei dem Spieler aus Burgdorf bereits die Mannschaft des SV Fuhrberg verbal und auch körperlich attackiert hatten. In der Verfügung des Verbandes heißt es unter anderem: „Die Mannschaft des SV Fuhrberg musste über den ganzen Spielverlauf Schmähungen über sich ergehen lassen.“ Und weiter: „In der 55. Minute kam es dazu, dass nach einer verbalen Auseinandersetzung ein Fuhrberger Spieler von mehreren Burgdorfer Spielern zu Boden geprügelt und mit Stollenschuhen getreten wurde, auch gegen den Kopf.“

NFV-Sportgericht spricht von Jagdszenen

Auch nach dem Abbruch des Spiels sollen die TSV-Mitglieder die Fuhrberger erneut angegriffen und unter anderem Gegenstände geworfen haben. Nach dem Spiel gegen den FC Lehrte kommt das Sportgericht des Niedersächsischen Fußballverbandes zu der Entscheidung: „Die Mannschaft der TSV Burgdorf ist offenkundig völlig außer Kontrolle und hat erschreckendes und geradewegs kriminelles Gewaltpotenzial.“ Jagdszenen, Tritte gegen am Boden liegende Spieler und Auflauern ganzer Banden auf Parkplätzen seien Umstände, die (nicht nur) im Fußballsport gänzlich inakzeptabel seien. Es könne nicht hingenommen werden, dass Spiele „zur ernstlichen Gesundheitsgefahr“ für andere Beteiligte, vor allem des Gegners, würden.

Das NFV-Sportgericht kommt in der Verfügung zu dem Schluss, dass ein Spielantritt gegen die C-Jugend aus Burgdorf unter den sich zeigenden Umständen niemandem zugemutet werden könne. Sowohl Kehl als auch Bierkamp kündigen an, die Anordnung zu prüfen und danach Stellung zu beziehen.

Für Bartscht und den FC Lehrte indes geht es nach Aussage das Vereinsvorsitzenden nun darum, mit den Spielern und Eltern das Erlebte zu verarbeiten.

Von Antje Bismark

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