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Burgdorf CDU holt sich den Bürgermeisterposten
Umland Burgdorf

Burgdorf: CDU holt sich den Bürgermeister-Posten

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17:35 17.06.2019
Wahlsieger Armin Pollehn freut sich mit seiner Frau und seiner Tochter im CDU-Parteibüro. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Das Ergebnis der Stichwahl am Sonntag ist eine klare Angelegenheit. Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Armin Pollehn, zugleich Sprecher der CDU/FDP-Ratsgruppe, ließ seinen SPD-Mitbewerber um das Bürgermeisteramt, den Pastor Matthias Paul, um etwas mehr als zehn Prozentpunkte hinter sich. Pollehn fuhr in fast allen Stadtteilen Punktsiege ein.

Wahlverlierer Paul kehrt zurück auf die Kanzel

Zu dem von vielen erwarteten engen Wahlausgang kam es nicht. Pollehn lag am Ende mit 55,1 Prozent der Stimmen unangefochten in Front. 5833 Burgdorfer stimmten für den Christdemokraten. Paul, der nach eigener Ankündigung bereits heute ins Pastorenamt der Paulus-Gemeinde in der Südstadt zurückkehren will, von der er sich für die Dauer des Wahlkampfes hatte beurlauben lassen, kam auf einen Stimmenanteil von 44,9 Prozent. Ihm schenkten 4749 Wahlberechtigte das Vertrauen.

Interview: „Meine Türen stehen offen“

Die CDU hat im Bürgermeister-Wahlkampf den aus ihrer Sicht notwendigen Wechsel an der Verwaltungsspitze, die in den vergangenen 14 Jahren fest in SPD-Hand gewesen ist, propagiert. Nun ist er da: Die Wahlberechtigten wählten am Sonntag den Christdemokraten Armin Pollehn ins Bürgermeisteramt. HAZ-Redakteur Joachim Dege sprach mit dem künftigen Hauptverwaltungsbeamten darüber, wie er die Wahl erlebte und was die Burgdorfer von ihm zu erwarten haben.

Herr Pollehn, sind Sie überrascht, dass Sie einen so klaren Wahlsieg errungen haben?

Ich bin darüber sehr überrascht, wie viele in Burgdorf, die ein knapperes Ergebnis erwartet haben. Keiner wusste so genau, wie es ausgehen würde. Ich selbst hatte allerdings ein gutes Gefühl, dass ich wohl doch vorne liegen würde.

Was war nach Ihrer Auffassung ausschlaggebend für den Wahlsieg?

Es ist noch nicht alles reflektiert. Aber mir wurde gespiegelt, dass ich einen sehr authentischen Wahlkampf geführt habe. Ich bin bei vielen Veranstaltungen mit Bürgern zusammengekommen, war für sie ansprechbar. Mein Wahlkampfteam stand geschlossen hinter allen Aktionen und hat mich ungeheuer unterstützt.

Sie sind selbstständig mit einer Sprachenschule und eine Beratungsfirma. Wie geht es nun beruflich weiter?

Das ist im Detail noch nicht abschließend entschieden. Es gibt zwei Modelle, über die ich nicht öffentlich sprechen möchte. Klar ist, dass ich mich aus meinen Firmen, die weitergeführt werden sollen, zurückziehen und mich voll und ganz meiner Tätigkeit als Bürgermeister widmen werde.

Bis zur Amtsübernahme im November ziehen noch einige Monate ins Land mit einem amtierenden Bürgermeister Alfred Baxmann und einem designierten Bürgermeister Armin Pollehn. Wie wollen Sie in dieser Zeit Ihre Ratsarbeit gestalten?

Zunächst bin ich CDU-Fraktionsvorsitzender und Sprecher der Gruppe CDU/FDP. Diese Rolle werde ich weiter wahrnehmen bis zur Amtsübergabe. Ich werde natürlich ein besonderes Augenmerk darauf legen, welches Gewicht mein Wort bekommt. Ansonsten respektiere ich den jetzigen Bürgermeister. Ich werde nicht versuchen, ihm Konkurrenz zu machen.

Wenn Sie im November Ihr Amt antreten, ...

... dann sprechen wir nochmal ...

...was hat dann für Sie Priorität?

Zunächst will ich die Verwaltung, deren Mitarbeiter und Abläufe kennen lernen. Der Rat und die Mehrheitsverhältnisse dort bleiben ja bestehen.

Gemeint war eigentlich, welches Ihr vorrangiges politisches Projekt ist?

Verbesserungen beim Radwegenetz und beim Innenstadtverkehr auf der Marktstraße. Bei beiden Themen möchte ich die Bürger beteiligen. Dazu werde ich mit der Verwaltung Instrumente entwickeln, wie man mit den Bürgern ins Gespräch kommen kann.

Sie sagen, Sie wollen Bürgermeister aller Burgdorfer sein. Was heißt das konkret?

Ich werde für alle ansprechbar sein: über E-Mail, die sozialen Medien aber auch persönlich. Ich habe bereits im Wahlkampf gesagt, ich brauche keine Sprechstunde. Meine Türen stehen immer offen.

25.034 Burgdorfer waren am Sonntag aufgerufen, darüber abzustimmen, wer als Hauptverwaltungsbeamter fortan die Stadtverwaltung führen und die Stadt repräsentieren soll. Gerade einmal 10.730 Menschen machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von gerade einmal 42,9 Prozent. 148 Stimmen der abgegebenen Stimmen wurden als ungültig gewertet. Beim ersten Wahlgang vor drei Wochen, als zeitgleich das Europaparlament zur Wahl stand, hatte sie noch bei 65,5 Prozent gelegen.

Bei der CDU herrscht Freude, bei der SPD Ernüchterung.

Wahlsieger Pollehn hat fast überall die Nase vorn

Pollehn hat in fast allen Stadtteilen die Nase vorn. Ausnahmen bilden lediglich fünf der sechs Wahlbezirke in der Südstadt, die Paul mehrheitlich für sich gewinnen konnte. Auch in den drei Stadtmitte-Bezirken war für Paul nichts zu holen, nur in einem dieser Bezirke kam es zu einem Stimmenpatt. In allen übrigen Wahlbezirken hatte Pollehn ein Heimspiel, vor allem in den Dörfern. In Hülptingsen, Schillerslage und Heeßel ist Pollehns Vorsprung besonders groß. Dort erreichte er fast die 70-Prozent-Marke. Aber auch die Kernstadt konnte der CDU-Mann in Summe erobern. In der Weststadt, der Nordstadt und in der Oststadt machte Paul keinen Stich.

Armin Pollehn freut sich über den Wahlsieg bei der Bürgermeister-Stichwahl. Quelle: Joachim Dege

Die Reaktionen auf das Ergebnis fielen entsprechen aus. Im und vor dem CDU-Parteibüro an der unteren Marktstraße herrschte Hochstimmung. Pollehns Anhänger skandierten Jubelgesänge: „So sehen Sieger aus.“ Der Wahlsieger selbst zeigte sich sichtlich bewegt und dankte mit Tränen in den Augen zuerst seiner Familie für die Unterstützung, dann gefasster seiner Partei für den geschlossenen und kämpferischen Wahlkampf und schließlich seinen Wählern. „Ich möchte Bürgermeister aller Burgdorfer sein“, sagte Pollehn. Er wolle auf der Basis von Respekt und Anerkennung gemeinsam mit allen Ratsfraktion nach politischen Lösungen suchen, um die Stadt voranzubringen.

Staatsminister Hendrik Hoppentedt (CDU) freut sich mit seinem Parteifreund und Wahlsieger Armin Pollehn. Quelle: Joachim Dege

Sein Parteifreund Hendrik Hoppenstedt, Staatsminister im Bundeskanzleramt, gratulierte Pollehn noch am Abend persönlich. Er freue sich, dass es Pollehn geschafft hat, das Bürgermeisteramt für die CDU zu erobern. Er setze darauf, dass es diesem gelingen werde, die in der Vergangenheit sichtbar gewordenen Konfrontationen im Rat abzuschwächen. Die Ratsfraktion der Grünen, die im Wahlkampf-Endspurt Paul unterstützt hatte, eilte kurz nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses ins CDU-Parteibüro und gratulierte dem Wahlsieger persönlich. Paul selbst gratulierte via Facebook: „Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand in Ihrer Amtsführung. Alles Gute!“

Bei der SPD herrscht Niedergeschlagenheit

Spürbare Niedergeschlagenheit herrschte nach der Wahlniederlage Pauls im SPD-Parteibüro Jürgen-Rodehorst-Haus an der Bahnhofstraße. „Die Frage war, wem es gelingt, mehr Wähler zu mobilisieren“, sagte SPD-Kandidat Matthias Paul. Dies sei der anderen Seite offenbar besser gelungen. Zugleich verwies er auf den Bundestrend mit elf Prozent Zustimmung: „Da nehmen sich 45 Prozent hier gut aus.“ Paul dankte seinem Team, das einen tollen Wahlkampf ermöglicht habe: „Die Unterstützung war enorm und großartig.“

Bürgermeister Alfred Baxmann, der Anfang November altersbedingt aus dem Amt scheidet, zeigte sich geknickt: „Sie können sich vorstellen, dass ich mir ein anderes Wahlergebnis gewünscht hätte", sagte er. Er könne er nicht verstehen, dass so wenige Menschen zur Wahl gingen. „Gerade in einer Kommune, in der die Menschen direkt Einfluss nehmen können, kann ich das nicht nachvollziehen“, sagte Baxmann. „Das ist kein Ausweis für eine funktionierende Demokratie.“ Paul kündigte an, die SPD werde nun genau schauen, welche seiner Wahlversprechen Pollehn umsetzen werde. „Letztlich ändern sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat auch mit einem Bürgermeister Pollehn nicht.“

Sonja Heyna rückt für Pollehn in den Rat nach

Dem Vernehmen nach soll bei den Christdemokraten die Ehlershäuserin Sonja Heyna als Nachrückerin Pollehns Platz in der Ratsfraktion der CDU einnehmen, wenn der CDU-Parteichef auf den Bürgermeister-Posten wechselt.

Der Kommentar: Die wichtigen Aufgaben stehen erst an

Ab dem 1. November agiert Armin Pollehn als Bürgermeister der Stadt – und verglichen mit den anstehenden Aufgaben kann er den zurückliegenden Wahlkampf getrost als Spaziergang verbuchen. Denn der Christdemokrat leitet künftig nicht nur die Verwaltung und repräsentiert die Stadt bei Terminen, er muss auch den Rat für seine politischen Projekte begeistern. Einen Rat, dessen Mehrheit seine CDU nicht angehört und der mitunter in Scheingefechten die Interessen der Burgdorfer aus dem Blick verliert. Dabei gibt es genügend Aufgaben zu lösen: Es fehlen Kita-Plätze und bezahlbare Wohnungen, die Stadt braucht ein Verkehrskonzept zur Entlastung der Innenstadt, Ideen für die Gewerbeentwicklung und sie muss zeigen, wie sie Klimawende gestalten will. Sie muss zudem trotz aller Großprojekte finanziell handlungsfähig bleiben.

Wenn Pollehn seine Aussage vom Wahlabend umsetzen möchte, Bürgermeister aller Burgdorfer sein zu wollen, dann muss er auf die anderen Fraktionen zugehen und Kompromisse suchen – und er darf sich nicht von der CDU treiben lassen, die sich nach dem Ergebnis im Aufwind wähnt. Auch wenn die nächste Kommunalwahl im Herbst 2021 ansteht und damit der nächste Wahlkampf schon in einem Jahr beginnt.

Von Antje Bismark

Von Antje Bismark und Joachim Dege

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