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Burgdorf Dauerbürgermeister Alfred Baxmann tritt ab
Umland Burgdorf

Burgdorf: Dauerbürgermeister Alfred Baxmann tritt ab

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15:23 25.10.2019
Alfred Baxmann spricht bei der Kundgebung „Burgdorf steht auf“. Quelle: Clemens Heidrich (Archiv)
Burgdorf

„Ich bin ja mit ihm aufgewachsen. Ich habe nie einen anderen gekannt. Wer vorher Bürgermeister war? Keine Ahnung!“ – Das sagt eine 21-jährige Studentin aus Burgdorf, befragt zum 70 Jahre alten Sozialdemokraten Alfred Baxmann. Der hat 23 Jahre lang das Bürgermeisteramt bekleidet. Davon 15 Jahre lang als hauptamtlicher Bürgermeister, als der er auch die Stadtverwaltung leitete. Nun geht Baxmann in den Ruhestand. Stadt und Rat wollen ihn am Freitag, 25. Oktober, im StadtHaus verabschieden.

„Ich kann auch Gegenwind aushalten“

Baxmann, Jahrgang 1949, ist ein Junge vom Dorf, wo es rustikaler zugeht als im kleinstädtischen Umfeld. Das Raufen gehört dort zum Großwerden dazu. So wundert es nicht, dass Baxmann, der aus Dachtmissen stammt und heute mit seiner Frau Elke in der Südstadt lebt, ein streitbarer Kommunalpolitiker war, auch in seinem Amtsverständnis als Stadtoberhaupt. „Ich gestalte gerne und habe Spaß am Gelingen. Dabei kann ich auch Gegenwind aushalten“, bekannte der gelernte Gymnasiallehrer Baxmann 2004 vor seiner ersten Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister.

Alfred Baxmann tritt im Jahr 2004 sein Amt als erster hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Burgdorf an. Quelle: HAZ-Archiv

Dauerfehde mit Stadtdirektor Leo Reinke

Baxmann begnügte sich nicht damit, Gegenwind auszuhalten. Er ging keiner Auseinandersetzung aus dem Weg und zeigte sich um harte Bandagen selten verlegen: Von Beginn an seiner mit einer Unterbrechung 37 Jahre währenden Ratstätigkeit zeigte er dem politischen Gegner, meist mit der CDU, was eine Harke ist. Mit Stadtdirektor Leo Reinke focht er viele Sträuße aus. Mehr noch: Mit diesem lieferte er sich eine Dauerfehde, die als „Burgdorfer Verhältnisse“ in die Geschichte der Stadt einging. Wer den ersten Stein warf, vermag heute niemand mehr zu sagen. Nur so viel ist gewiss: Baxmann, damals gerade ehrenamtlicher Bürgermeister geworden, reklamierte bereits 1997 den Posten als Rathauschef für sich – acht Jahre bevor er Reinke 2004 bei der Bürgermeisterwahl klar besiegte.

Alfred Baxmann wird 1996 ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Burgdorf. Quelle: HAZ-Archiv

Bisweilen bekamen auch Bürger und Öffentlichkeit Baxmanns Streitbarkeit zu spüren: Etwa als der Bürgermeister eine von vielen gewünschte Fußgängerzone auf Probe rigoros abbügelte. Oder als er Begehren nach Verkehrssicherheit schaffenden Fußgängerampeln in Sorgensen und Hülptingsen zurückwies. Auch als beim Familienzentrumsprojekt in der Südstadt nicht alles rund lief und fragwürdige Interessenskonflikte zutage traten, räumte der Bürgermeister nicht etwa Fehler ein, sondern holte vielmehr zum Gegenangriff auf seine Kritiker aus.

Die Quittung für den wachsenden Frust vieler Bürger kassierte Pastor und Ratsherr Matthias Paul, den die SPD als Baxmanns Wunschnachfolger auf den Bürgermeisterkandidatenschild hob. Paul musste sich im Rennen um die Macht im Rathaus dem Christdemokraten Armin Pollehn geschlagen geben, der nun am 1. November ins Rathaus einzieht.

Kritiker nennen Baxmann „König von Burgdorf

Baxmann verstand Burgdorf als „meine Stadt“, wie er einmal bekannte – „im Verständnis eines Zuhauses, nicht im Sinne eines Besitzanspruchs“. Wer das kommunalpolitische Geschehen allerdings auch nur oberflächlich verfolgte, konnte zusehends feststellen, dass ihm diese trennscharfe Unterscheidung zuletzt immer seltener gelingen wollte. Im Zuge der Auseinandersetzung um die Fußgängerzone und des Baus der ungeliebten Auetreppe verpassten Bürger Baxmann den Beinamen „König von Burgdorf“. Vielleicht war es ein Missverständnis: Der so Gescholtene verstand sich selbst wohl eher als als eine Art Patriarch, als der er die Verantwortung für „seine“ Stadt sehr ernst nahm.

Obgleich sie sich wie ein roter Faden durch sein politisches Wirken zieht, greift es zu kurz, den bienenfleißigen Baxmann auf dessen Streitbarkeit zu reduzieren. Dieser Versuchung erlagen lange die Christdemokraten, die am Dauerbürgermeister alles festmachten, was ihnen in der Stadt gegen den Strich ging – statt eigene politische Lösungen anzubieten. Das stärkte Baxmann erst recht, zumal er in viele Vereine und Organisationen hinein gut vernetzt war. Im Stadtmarketingverein mischte er an vorderster Front ebenso mit wie im Verkehrs- und Verschönerungs-Verein. Stadtwerke und Stadtsparkasse nutzte er, um Wohltaten verteilen zu lassen, für die die Stadt kein Geld hat.

Bürgermeister Alfred Baxmann verteidigt den Stadtmarketingverein gegen Anwürfe eines Exvorstandsmitglieds. Quelle: HAZ-Archiv

Zur den Stärken Baxmanns, der zweifellos ein begabter Strippenzieher hinter den Kulissen ist, zählen dessen rhetorische Fähigkeiten. Geschliffene Reden, bei Bedarf aus dem Stand gehalten, sind sein Markenzeichen. Das hielt weniger ausgefeilt formulierende Mitbewerber aus dem gegnerischen Lager in ihrer Wirkkraft gebührend auf Abstand. So entfaltete Baxmanns Redekunst häufig die Überzeugungskraft, die dieser sich wünschte.

Menschlicher Umgang mit Flüchtlingen

Als 2015 so viele Flüchtlinge nach Deutschland und in der Folge auch nach Burgdorf strömten, dass fälschlich von einer nicht beherrschbaren Krise die Rede war, war es Baxmann, der sich in Einwohnerversammlungen hinstellte und für einen menschlichen Umgang mit den gebeutelten Menschen aus der Fremde warb. Es war Baxmann, der den Rat überzeugte, Geld für Unterkünfte und Sozialarbeiter bereitzustellen. Und das, obwohl fremdenfeindliche Kräfte gehörig Stimmung gegen die Aufnahme Zufluchtsuchender machten. Es gehört zu Baxmanns großen Verdiensten, dass er die Stadtgesellschaft in dieser heiklen Situation zusammenhielt und der Mehrheit das Gefühl vermittelte, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.

Alfred Baxmann spricht bei er Kundgebung „Burgdorf steht auf“. Quelle: Foto: Heidrich

Baxmanns Verhandlungsgeschick ist es geschuldet, dass der Knoten platzte beim kommunalpolitischen Dauerbrenner-Thema Umgehungsstraße. Ganz Burgdorf profitiert davon, dass Baxmann einst in Geheimverhandlungen und gegen den erklärten Willen des damaligen Stadtdirektors Reinke Einigkeit erzielte mit einem Sorgenser Landwirt über einen Grundstücksdeal. Nur deshalb konnte das Land vor mehr als zehn Jahren die Bundesstraße 188 aus der Innenstadt herausnehmen und den Verkehr im Norden um Burgdorf herum leiten.

Bürgerbegehren gegen Klärschlammlager

„So viel wie möglich gemeinsam mit Bürgern gestalten und nur das Notwendige administrieren“, beschrieb Baxmann einst sein Amtsverständnis, dem er zuletzt immer seltener gerecht wurde. So muss sich nun sein Nachfolger Pollehn herumschlagen mit einem Bürgerbegehren gegen den noch von Baxmann auf den Weg gebrachten Bau eines Klärschlammlagers und das vom Rathaus gewünschte Festhalten an der Entsorgung der giftigen Schlämme auf den Feldern.

Nach Baxmann müssen sich die politischen Kräfte in der Stadt neu (er)finden. Die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen, WGS und Freien Burgdorfern muss lernen, ohne ihren Frontmann Politik zu gestalten, zumal es nicht mehr genügt, verlängerter Arm des Bürgermeisters zu sein. Und wer weiß schon, welche Mehrheiten die Kommunalwahl 2021 bringt? Der neue Rathauschef wird sich das Vertrauen der Bürger, die ihn nicht gewählt haben, erst erarbeiten müssen. Seine größte Herausforderung ist es, die Stadtverwaltung von einer Behörde alten Schlages zum modernen Dienstleister umzubauen.

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