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Burgdorf 60.000 Tonnen kontaminierter Boden: So läuft die Deponiesanierung am Dudenstädter Weg
Umland Burgdorf

Burgdorf: Deponiesanierung am Dudenstädter Weg: So will die Deutsche Reihenhaus AG Anwohner informieren und schützen

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08:00 14.12.2019
Erst muss die Vegetation auf dem Grundstück der ehemaligen Deponie gerodet werden, dann kann die Sanierung beginnen. Quelle: Sandra Köhler
Burgdorf

Anfang Januar beginnt die Sanierung der ehemaligen Mülldeponie zwischen Duderstädter Weg und Uetzer Straße. Wann welche Schritte erfolgen und was das für die Anwohner bedeutet, hat das Kölner Wohnungsbauunternehmen Deutsche Reihenhaus AG bei einem Informationsabend im Schloss dargelegt. Der Konzern aus Köln plant auf dem 10.000 Quadratmeter großen Areal eine Reihenhaussiedlung. Das Gelände ist allerdings stark mit krebserregenden Chemikalien kontaminiert. Deshalb muss der belastete Boden vollständig ausgetauscht werden.

Was befindet sich im Boden des Areals und wie gefährlich ist das eigentlich?

Die ehemalige Sandgrube wurde von 1960 bis 1965 mit Bauschutt, Bodenaushub und Abfällen wie Hausmüll, Reifen, Schlacke, Glas und Plastik verfüllt. Diese Ablagerungen sind auf 7600 Quadratmetern und bis zu einer durchschnittlichen Tiefe von 4,28 Meter zu finden. Das nördliche Drittel (2100 Quadratmeter) ist mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) belastet. Diese finden sich in Lösungsmitteln und sind toxisch, krebserregend und erbgutverändernd. Die restlichen 5500 Quadratmeter sind mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Schwermetallen und LHKW belastet. 84 Prozent der 60.120 Tonnen Deponat sind laut Bodenbeprobung gefährlicher Abfall.

Rund 50 Bürger nutzen die Informationsveranstaltung im Saal des Schlosses, um Fragen zur Sanierung der ehemaligen Deponie zu stellen. Quelle: Sandra Köhler

Wie werden die Anlieger während der Sanierung geschützt?

Um zu verhindern, dass sich die Schadstoffe in der Luft verteilen beginnt die Sanierung des am stärksten belasteten Bereichs im Winter. Die sogenannten Anschnittkanten werden feucht gehalten und abgedeckt. Es wird bei der LHKW-Sanierung Luftschadstoffmessungen geben: Um die Baugrube wird mit einem Photoionisationsdetektor (PID) gemessen, an der Grundstücksgrenze mit PID und Passivsammlern. Auf den angrenzenden Grundstücken kommen Passivsammler zum Einsatz. Werden erhöhte Werte gemessen, kommen Luftabsauganlagen zum Einsatz. Der Aushub erfolgt in kleinen Parzellen. Das Deponat wird zum größten Teil nicht zwischengelagert, sondern direkt und abgedeckt mit Lastwagen abtransportiert.

Wie lange dauert die Sanierung und was kostet sie?

Die Sanierung erfolgt in fünf Bauabschnitten. Sie beginnt dort, wo sich der am stärksten belastete Boden befindet und soll im Juli 2020 abgeschlossen sein. Sie kostet voraussichtlich 4,5 Millionen Euro. Die Kosten tragen die Deutsche Reihenhaus, das Land Niedersachsen und die Europäische Union gemeinsam. Das Land gibt 122.000 Euro, die EU 2,2 Millionen Euro.

Was passiert genau?

Die Vegetation wird gerodet, eine Baustraße angelegt und eine Lärmschutzwand im westlichen Bereich aufgebaut. Der Deponiekörper wird vollständig ausgebaut, entsorgt und durch unbelasteten Boden ersetzt, in einzelnen Bereichen in bis zu 6,50 Metern Tiefe. Ausbau und Austausch erfolgen in 21 kleinen Abschnitten. Während der Sanierung des stark belasteten Bodens wird ein sogenannter Schwarzbereich eingerichtet, um die Verschleppung der Schadstoffe zu verhindern. Der neue Boden wird mit Lastwagen angeliefert, in dünnen Schichten eingebracht und möglichst vibrationsarm verdichtet. Die Grenzen zu den Nachbargrundstücken werden mit Träger-Bohlwand aus Stahlstreben und Holzbohlen gegen ein mögliches Abrutschen gesichert.

Thomas Kölsch von der Deutschen Reihenhaus AG (stehend) sowie der Sachverständige Kai Tamms (von links), Geologe Thomas Hartmann, Planerin Aglaia Nagel und Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde bei der Region Hannover stehen den Bürgern im Schloss Rede und Antwort. Quelle: Sandra Köhler

Wo lang fließt der Verkehr? Welche Belastung ist zu erwarten?

Etwa 60.000 Tonnen zu entsorgendes Bodenmaterial bedeuten etwa 2200 Lastwagentouren. Es ist geplant, möglichst Synergien zwischen Anlieferung und Abtransport zu nutzen. Das bedeutet, dass Lastwagen, die sauberen Boden zum Auffüllen anliefern, auf der Baustelle mit Abraum beladen werden, und diesen dann zur Entsorgung fahren. Auf der Baustelle wird deshalb eine Ringstraße eingerichtet. Die Transportroute ist fest vorgegeben. Sie soll über den Hülptingser Weg, den Ostlandring und die Bundesstraße 188 auf die Autobahnen führen. Es sind maximal 52 Lastwagenfahrten am Tag vorgesehen. Für etwaige Straßenschäden wird die Deutsche Reihenhaus AG aufkommen.

Anlieger befürchten Schäden an ihren Häusern. Was wird zur Beweissicherung getan?

Auf den Grundstücken rund um das Areal, auf dem der Wohnpark am Duderstädter Weg entstehen soll, wird das Ingenieurbüro Drecoll eine Beweissicherung vornehmen. Ab dem 17. Dezember soll der Zustand der Gebäude, Zäune, Zufahrten und Wege von außen aufgenommen werden. Für eine Begutachtung in den Gebäuden sollen im Januar individuell Termine vereinbart werden. Die Beweissicherung soll mehrmals erfolgen: vor und nach der Sanierung – und nach dem Bau der Reihenhaussiedlung.

Hat die Sanierung Auswirkungen auf das Grundwasser?

Justus Eggeling, Leiter der Unteren Bodenschutzbehörde der Region Hannover, sieht kein Gefährdungspotenzial. Beim Abtragen des belasteten Bodens werde die Grundwassertiefe – aktuell um die sieben Meter – nicht erreicht. Auch ein Einschwemmen in die nahe gelegenen Teiche am Hülptingser Weg sei aufgrund der Fließrichtung nicht zu erwarten. Künftige Eigenheimbewohner auf dem Gelände der ehemaligen Deponie dürfen vorsorglich Wasser aus Hausbrunnen nicht nutzen. Eine Versickerung von Oberflächenwasser ist prinzipiell aber zulässig. Um das Kanalsystem nicht über Gebühr zu belasten, wird für das Baugebiet ein unterirdischer Wasserspeicher angelegt, aus dem das Niederschlagswasser kontrolliert abgeleitet wird.

Wohin können sich Anlieger wenden, wenn es während der Sanierung Probleme gibt?

Zum einen gibt es einen Projektverantwortlichen der STRABAG, der direkt auf der Baustelle zu erreichen ist. Zum anderen können sich Betroffene an die Deutsche Reihenhaus AG wenden. Eine Hotline wird noch eingerichtet. Die Nummer ist später direkt an der Baustelle zu finden.

Auf der Tafel wirbt die Deutsche Reihenhaus AG für ihr Bauprojekt am Duderstädter Weg. Quelle: Sandra Köhler

Was will die Deutsche Reihenhaus AG bauen?

Auf dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie sollen 38 Reihenhäuser in verschiedenen Größen (85, 120 und 145 Quadratmeter Wohnfläche) entstehen. Dazu kommen 35 Garagen und 39 Parkplätze.

Wann ist Baubeginn und wann sind die Häuser fertiggestellt? 

Der Baubeginn soll direkt im Anschluss an die Sanierung im Sommer 2020 erfolgen. Die Fertigstellung ist für den Spätsommer 2021 geplant. Nach Darstellung der Deutschen Reihenhaus AG gab es eine Vielzahl von Anfragen. 14 der 38 Reihenhäuser seien fest reserviert.

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Von Sandra Köhler

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