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Burgdorf Der Schwarze Herzog zieht ins Stadtmuseum ein
Umland Burgdorf

Burgdorf: Der Schwarze Herzog zieht ins Stadtmuseum ein

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13:26 12.07.2019
Das optische Kernstück der Ausstellung im Stadtmuseum: Mit einem hölzernen Fuhrwerk, einem Soldatenzelt und einer original 4-Pfünder-Kanone wird eine Biwakszene nachgestellt. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Burgdorf

Das ehrenamtlich geführte Stadtmuseum in Burgdorf macht keine Sommerpause, sondern zeigt vom 6. Juli bis 11. August eine historische Ausstellung, die die Besucher in die napoleonische Zeit mitnimmt. Unter dem Titel „Als der Schwarze Herzog kam“ wird an eine dunkle Epoche der Stadt erinnert.

In den ersten Augusttagen des Jahres 1809 befürchteten die Einwohner Burgdorfs, dass ihre Stadt zum Schauplatz einer blutigen Vernichtungsschlacht werden könnte und dass, nachdem die Stadt fünf Wochen zuvor – am 25. Juni 1809 – bereits bei einem Großbrand weitestgehend zerstört worden war. In den Abendstunden des 2. August stand unerwartet der braunschweigische Heerführer mit seiner schwarzen Schar vor den Stadttoren – auf der Flucht vor den Soldaten Napoleons. Doch es ging alles gut aus: Der Herzog zog mit seinen Soldaten weiter und auch die napoleonischen Truppen tauchten nicht auf.

Stadt hält das Andenken an den Schwarzen Herzog hoch

Trotzdem oder möglicherweise gerade deshalb wird das Andenken an den Schwarzen Herzog in Burgdorf hochgehalten. Ein Verkehrskreisel ist nach dem braunschweigischen Heerführer der Freiheitskämpfe benannt, ebenso trug ein Hotel seinen Namen und ein Gedenkstein an der Immenser Straße erinnert an den 2. August 1809.

Was hat den Schwarzen Herzog nach Burgdorf geführt?

Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels, alias Schwarzer Herzog, ist einer der bekanntesten deutschen Heerführer der Befreiungskriege gegen Napoleon gewesen. Allerdings hat er auch Niederlagen gegen die Franzosen einstecken müssen. So auch bei einem Gefecht, das am 1. August 1809 in der Nähe von Ölper bei Braunschweig tobte. Der Herzog konnte dem gegnerischen Druck nur kurzfristig standhalten und trat den Rückzug über Peine an. In den Abendstunden des 2. August traf er mit seiner „Schwarzen Schar“ – benannt nach der Farbe ihrer Uniformen – vor der fast völlig zerstörten Stadt Burgdorf ein. Da die Nachwirkungen der verheerenden Brandkatastrophe einen Einzug in die Stadt nicht gestatteten, ließ er am Försterberg ein Biwak errichten.

Bereits in den frühen Morgenstunden des 3. August zogen die Soldaten weiter. Über Hannover, Neustadt am Rübenberge und Delmenhorst erreichte der Herzog am 6. August Elsfleth an der Wesermündung. Von gelangte er mit seinen Soldaten auf englischen Schiffen in das Königreich. Sein Vetter Georg III., König von Großbritannien und Kurfürst von Hannover, nahm ihn und seine Soldaten auf. Bis 1813 harrte Friedrich Wilhelm im englischen Exil aus. Im selben Jahr – die Befreiungskriege waren erfolgreich beendet – übernahm er wieder die Regierung in Braunschweig. 1815 kämpfte der inzwischen 44-jährige Herzog unter Marschall Blücher erneut gegen Napoleon und starb am 16. Juni 1815 während der Schlacht bei Quatre-Bras in Frankreich.

Das optische Zentrum der Ausstellung ist eine Biwakszene mit einer original 4-Pfünder-Kanone, einem hölzernen Leiterwagen und einem Lagerzelt. Karten und andere zeitgeschichtliche Dokumente sowie von den Ausstellungsmachern gestaltete Bildtafeln geben einen Einblick in den Zug des Schwarzen Herzogs, der ihn und seine Truppen von Ölper bei Braunschweig bis nach Elsfleth an der Weser führte, und beleuchten die Vor- und Nachgeschichte. Zudem werden detailreiche Dioramen gezeigt, die markante Szenen aus dem Freiheitskampf darstellen. Ein Hingucker ist ein neun Quadratmeter großes Diorama mit einem Nachbau der Schlacht von Waterloo, die am 18. Juni 1815 das Ende der napoleonischen Herrschaft über Europa besiegelte. Auch der Herzog hatte sich Marschall Blücher angeschlossen, der den entscheidenden Schlag gegen die Franzosen führte.

Die Erinnerung an den Schwarzen Herzog, der mit seinen Soldaten am 2. August 1809 plötzlich vor den Toren Burgdorfs auftauchte, ist in der Stadt nach wie vor lebendig.

Darsteller erwecken Ereignisse vor 210 Jahren zum Leben

Zu einer Zeitreise wird die Ausstellung durch ihr Begleitprogramm. Bereits am Eröffnungstag um 14 Uhr wird der Schauspieler Andreas Jäger in die Rolle des Schwarzen Herzogs schlüpfen und aus seinem Leben erzählen. Für den 28. Juli ist eine Erlebnisführung geplant, Treffpunkt ist um 14.30 Uhr am Gedenkstein am Kreisel Schwarzer Herzog. Darüber hinaus werden Führungen durch die Ausstellung angeboten und zwar am 6. Juli, am 21. Juli und 11. August, jeweils ab 14 Uhr.

Das sind die Vereinsmitglieder, die die Ausstellung im Stadtmuseum zusammengestellt haben. Quelle: Joachim Lührs

Der Höhepunkt sind zwei Aktionstage am 3. und 4. August, wenn historische Darstellergruppen die Ereignis vor 210 Jahren rund ums Stadtmuseum nachspielen. Akeure sind Mitglieder der Vereine Herzog Braunschweigisches Feldcorps, Leibbbataillon Braunschweig, 2. Westfälisches Infanterieregiment, Braunschweiger Stab und Buckskinner Otze/Living Historie. Diese Vereine haben auch die Ausstellung zusammengestellt.

Die Ausstellung im Stadtmuseum an der Schmiedestraße wird am Sonnabend, 6. Juli, um 11 Uhr eröffnet. Danach kann sie bis einschließlich 11. August jeweils am Sonnabend und Sonntag von 14 bis 17 Uhr angeschaut werden. Der Eintritt ist frei.

Von Anette Wulf-Dettmer

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