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Burgdorf „Rückfall ist kein Grund, eine Therapie abzubrechen“
Umland Burgdorf

Burgdorf Diakonie: Suchtberatung bietet ambulante Therapie an

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18:30 18.10.2019
Astrid Grube-Thielker (links) und Dagmar Verbeke beraten Menschen mit Suchtproblemen, und sie betreuen sie auch in einer ambulanten Rehabilitation. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

„Mit jedem Tropfen Alkohol mehr in meinen Adern wurde ich stumpfsinniger und aggressiver. Je aggressiver ich wurde, desto mehr schüttete ich in mich rein. Ich soff so viel, bis ich fast vom Hocker kippte. Ich prügelte den Alkohol förmlich in mich hinein.“ Mit diesen Sätzen beschreibt der einstige Fußballprofi Uli Borowka seine Alkoholsucht in seinem Buch und in einem Vortrag in Hannover – die Teilnahme daran ermöglichte jetzt erstmals die Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks, deren drei Therapeuten die Betroffenen und ihre Familien beraten betreuen.

Ex-Fußballprofi Uli Borowka hat ein Buch über seine Alkoholsucht geschrieben. Quelle: r

Seit 1991 kümmert sich die Einrichtung, deren Räume sich in Burgdorf an der Schillerslage Straße befinden, um Suchtkranke aus Burgdorf, Burgwedel, Isernhagen, Langenhagen, Lehrte, Sehnde, Uetze und der Wedemark. Nun geht die Fachstelle neue Wege mit der neuen Kooperation mit dem Trägerverbund ambulante-medizinische Rehabilitation Suchtkranker Hannover. Davon profitierten die Suchtkranken, die Hilfe benötigen, auf unterschiedlichem Weg, sagt Leiterin Astrid Grube-Thielker.

Verbund sichert die ambulante Therapie

Zum einen biete die größere Organisation eine umfangreichere medizinische Betreuung als die bisherige Struktur. Zum anderen gebe es einen intensiveren fachlichen Austausch über medizinische Fragen und neue therapeutische Ansätze. Und nicht zuletzt organisiere der Verbund regelmäßig Veranstaltungen zum Thema Sucht wie die Borowka-Lesung, an denen die Ratsuchenden aus der nordöstlichen Region teilnehmen könnten. Vor allem aber garantiere die Kooperation, dass die Therapeuten in Burgdorf überhaupt weiterhin die ambulante Rehabilitation anbieten können – außer der Präventionsarbeit und der Beratung.

Woran erkenne ich, ob ich süchtig bin? Wie gehe ich mit einem suchtkranken Angehörigen um? Und wie durchbreche ich den Teufelskreis? Mit diesen und ähnlichen Fragen kommen Menschen in die Beratung, die Unterstützung benötigen. „Die meisten nutzen die offene Sprechstunde“, sagt Beraterin Dagmar Verbeke. Daran schlössen sich erfahrungsgemäß mehrere Gespräche an. „Dabei klären wir, ob risikohafter Konsum oder eine Abhängigkeit vorliegt“, sagt Verbeke. In diesem Fall gebe es die Möglichkeit einer stationären oder einer ambulanten Rehabilitation. Letztere nehme in der Fachstelle einen breiten Raum ein, zumal die Therapeuten auch helfen, einen entsprechenden Antrag zu stellen.

Rückfall ist kein Grund, eine Therapie abzubrechen“

„Eine Suchttherapie ist ein langer Prozess“, sagt Grube-Thielker. Viele Betroffene kämen in die Sprechstunde mit dem Wunsch, die Erkrankung mit einer Tablette schnell beenden oder einfach einen Schalter umlegen zu können. „Das funktioniert aber nicht, vor ihnen liegt immer eine anstrengende Zeit, weil ja auch Themen besprochen werden, die schwierig sind oder die man gern vergessen würde“, sagt sie. Manch einem helfe die stationäre Behandlung, bei der sich der Betroffene auf sich selbst konzentrieren könne.

„In der ambulanten Therapie kommt er neben der Arbeit und Familie zweimal in der Woche zu uns“, sagt sie – im Minimum umfasse die Therapie 40, mit Verlängerung bis 120 Einheiten. In diesem Fall liege der Vorteil darin, dass es keinen Bruch im Alltag gebe und die Betroffenen weiterhin in ihrem festen Rahmen blieben. Unabhängig davon gelte: Auch bei einem Rückfall stehe die Fachstelle offen. „Ein Rückfall ist kein Grund, eine Therapie abzubrechen“, betont Grube-Thielker und fügt hinzu, wer diese Situation aufarbeite, wisse, wie er in der nächsten Krise den Rückfall verhindern könne.

Seit dem Start nehme die Alkoholsucht den größten Raum in der Beratung ein – zunehmend gehe es aber auch um die Abhängigkeit von Medikamenten, Cannabis, Livestyle-Drogen, Medien und Glücksspiel. „Dank der neuen Kooperation können wir nun auch therapeutische Hilfe anbieten, wenn Menschen spielsüchtig sind“, sagt Verbeke. Bei Medienabhängigkeit indes vermittle die Fachstelle die Betroffenen an eine spezialisierte Einrichtung in Hannover. Ohnehin funktioniere die Arbeit viel über Netzwerke, sagt Grube-Thielke. Schließlich befände sich ihre Einrichtung unter einem Dach mit der Schuldnerberatung. „Das ergibt kurze Wege für uns und die Ratsuchenden.“

Die Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks betreut Betroffene und ihre Angehörigen aus Burgdorf, Burgwedel, Isernhagen, Langenhagen, Lehrte, Sehnde, Uetze und der Wedemark. Die Einrichtung an der Schillerslager Straße 9 in Burgdorf bietet montags von 11 bis 12 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr eine offene Sprechstunde an. Sie ist per E-Mail an suchtberatung.burgdorf@evlka.de und unter Telefon (05136) 897330 erreichbar.

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Von Antje Bismark

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