Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Burgdorf Drei Dörfer lassen das Gewerbe abblitzen
Umland Burgdorf

Burgdorf: Drei Dörfer lassen das Gewerbe abblitzen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:58 18.08.2019
Die Stadtplaner im Rathaus wollen Flächen nördlich der Umgehungsstraße (B 188) auf deren Eignung als Gewerbestandort untersuchen lassen. Schillerslage wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Die Suche der Stadt Burgdorf nach Flächen für neue Gewerbegebiete gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Dörfer spielen nicht mit. Allen voran der Ortsbürgermeister von Schillerslage, Cord Reißer, und der Ortsvorsteher von Sorgensen, Dirk Schwerdtfeger, lassen die Stadtplaner im Rathaus abblitzen. Sie bekunden unmissverständlich, dass sie keine Unternehmen vor der eigenen Haustür wünschen. Auch Beinhorns Ortsvorsteher Klaus Köneke spricht sich gegen ein Gewerbegebiet an der A 37 aus.

Im Schloss versammelte sich am Donnerstagabend eine große Runde, um sich von der Bauverwaltung und Wirtschaftsförderer André Scholz auseinandersetzen zu lassen, wo sinnvollerweise in Zukunft neue Gewerbeflächen ausgewiesen werden könnten. Außer den Mitgliedern des Ratsausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt, saßen auch die drei Ortsräte von Schillerslage, Otze und Ramlingen-Ehlershausen am Tisch. Auch die Ortsvorsteher von Beinhorn und Dachtmissen waren gekommen.

Stadt will Fördermittel für Gutachterkosten beantragen

Für die Bauverwaltung stellte Stadtplaner Jan-Hinrich Brinkmann Vorüberlegungen vor, die drei möglicherweise geeignete Areale als tauglich ansehen: ein Gewerbestandort an der Bundesstraße 3 bei Ehlershausen für größere Unternehmen, die auf gute Verkehrsanbindung zu den Autobahnen angewiesen sind. Außerdem zwei Flächen an der Umgehungsstraße, und zwar bei Schillerslage nördlich der B 188 sowie zwischen der Bundesstraße und dem Dorf Sorgensen. Die Verwaltung warb bei den Kommunalpolitikern dafür, diese drei Standorte einer näheren Betrachtung zu unterziehen und von Fachleuten auf ihre Eignung prüfen zu lassen. Dafür gebe es Fördermittel bei der Region Hannover, die die Stadt beantragen wolle.

Sorge vor zu hoher Verkehrsbelastung

Cord Reißer aus Schillerslage begründete die Absage seines Dorfs mit der bereits jetzt großen Verkehrsbelastung nach dem Bau der Umgehungsstraße. Wenn die Stadt jetzt noch Gewerbe auch nördlich der B 188 ansiedele, überschreite das eine Linie, die nicht mehr aufzuhalten sei. „Wir wollen für uns alleine bleiben“, sagte der Christdemokrat.

Auch Sorgensen lehnt die Ansiedlungen von Unternehmen zwischen Umgehungsstraße und dem Dorf strikt ab. Quelle: Joachim Dege

Sorgensens Ortsvorsteher Dirk Schwerdtfeger zeigte ebenfalls wenig Verständnis dafür, dass neben dem Wohndorf ein Gewerbegebiet ausgewiesen werden könnte. Schon heute staue sich der Verkehr fast täglich auf der Umgehungsstraße. Käme auch noch Gewerbeverkehr aus Sorgensen dazu, „brauchen wie eine dritte und vierte Spur auf der B 188, damit der Verkehr dort im Fluss bleibt“.

Sein Kollege Klaus Köneke (CDU) aus Beinhorn gab zu Protokoll, es erscheine ihm wenig sinnvoll, Gewerbebetriebe dort anzusiedeln, wo so gut wie keine Menschen lebten. In Beinhorn gebe es keinen Einwohner, der ein Gewerbegebiet wolle. „Da wachsen Rüben und Weizen ganz ordentlich. Das soll auch so bleiben.“

Hülptingsen und Ehlershausen heißen Firmen willkommen

Das wiederum veranlasste den CDU-Ratsherrn Robert Apel zu einem Appell an die Adresse der Dörfer, den Solidaritätsgedanken und das Gesamtinteresse der Stadt nicht aus den Augen zu verlieren. Einzig Hülptingsens Ortsvorsteher Cord-Heinrich Schweer (CDU) und Mitglieder des Ortsrats von Ramlingen-Ehlershausen signalisierten, dass sie Ansiedlungswillige nicht abweisen wollen. „Ich sehe ein überschaubares Entwicklungspotenzial für unser Gewerbegebiet“, sagte Schweer. Für Ehlershausen äußerten Ortsbürgermeisterin Birgit Meinig (SPD) und Ratsherr Thomas Dreeskornfeld (FDP) die Bereitschaft, dort einen Gewerbestandort zu entwickeln.

Am Ende sprach sich die Mehrheit des zuständigen Bauausschusses zwar dafür aus, die Standorte Ehlershausen und Schillerslage begutachten zu lassen. Sorgensen allerdings fiel bei der Mehrheit durch. SPD, Grüne, WGS und Freie Burgdorfer wollten stattdessen lieber Beinhorn untersucht sehen, was CDU und FDP rundweg ablehnten. Die AfD hatte keine Meinung dazu. Die Stadt will jetzt einen Förderantrag bei der Region stellen. Der Regionsabgeordnete Rudi Alker (SPD) beglückwünschte die Stadt zu ihrer „sehr flotten“ Entscheidung. Seines Wissens nach sei der Fördertopf noch voll.

Von Joachim Dege

Auf dem Burgdorfer Pferdemarkt haben sich Polizei, Feuerwehr, DRK, DLRG und der historische Löschzug bei einer Blaulichtmeile präsentiert. Sie zeigten den Besuchern eine detaillierte Rettungsaktion nach einem Unfall. Und die Feuerwehrleute führten mit dem historischen Löschzug vor, wie Brände früher gelöscht wurden.

18.08.2019

Punktsieg für die Gegner des umstrittenen Klärschlamm-Zwischenlagers: Bürgermeister Alfred Baxmann will bis zum Ende seiner Amtszeit ein solches nicht mehr in Auftrag geben. Die Stadt Burgdorf werde das Bürgerbegehren abwarten.

16.08.2019

Zu einem Verkehrsunfall mit einem Linienbus ist es am Donnerstag auf der Gartenstraße gekommen. Die Busfahrerin bemerkte zu spät, dass ein vor ihr fahrendes Fahrzeug bremsen musste und fuhr diesem ins Heck. Die Polizei sucht Unfallzeugen.

16.08.2019