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Burgdorf Erzieher sollen mehr Zeit für ihre Arbeit erhalten
Umland Burgdorf Erzieher sollen mehr Zeit für ihre Arbeit erhalten
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15:18 24.03.2019
Pädagogischen Fachkräften in den Kitas will die Stadt mehr Verfügungszeit geben.
Pädagogischen Fachkräften in den Kitas will die Stadt mehr Verfügungszeit geben. Quelle: Symbolbild (Jens Büttner)
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Burgdorf

Pädagogische Mitarbeiter in einer Kita sollen künftig mehr Vorbereitungszeit für ihre Arbeit erhalten – über diesen Vorschlag der Burgdorfer Arbeitsgruppe Qualität in Kitas berät der Ratsausschuss für Jugendhilfe und Familie erstmals in seiner Sitzung an diesem Montag, 25. März. Derzeit orientiert sich die Zeit an dem gesetzlichen Mindestumfang von 7,5 Stunden pro Gruppe und 3,75 pro Fachkraft in der Woche – allerdings bezieht sich diese Vorgabe noch auf jene Jahre, als die meisten Kinder nur halbtags betreut wurden.

Mindestzeit reicht nicht für Ganztagsgruppen aus

Inzwischen würden die Kinder in Burgdorfs Kindertagesstätten jedoch überwiegend den ganzen Tag betreut, heißt es in einer Drucksache, die die Verwaltung jetzt den Politikern vorlegt. Wegen dieses zeitlichen Umfangs setzt die Stadt pro Gruppe inzwischen drei pädagogische Kräfte ein, was unter dem Strich eine Verringerung der Verfügungszeit bedeute. Als nicht mehr auskömmlich bezeichnet deshalb die AG Qualität die bisherige Orientierung an dem Mindestumfang.

Ihre Einschätzung begründen die Fachleute aus den Kitas und der Fachabteilung damit, dass die Einrichtungen inzwischen einen weitaus umfangreicheren Bildungsauftrag also früher zu erfüllen hätten. Dazu zählten beispielsweise der „gesetzliche Auftrag zur individuellen Lernbegleitung“ ebenso wie veränderte Familienstrukturen mit einer gewachsenen Erwartungshaltung der Eltern und die Einhaltung zunehmender Verwaltungsvorschriften bei Hygiene, Datenschutz oder Evaluation. Aber auch die Größe des Teams wirkt sich den Erfahrungen zufolge aus: Die Mitarbeiter führen Personalentwicklungsgespräche, sie leiten junge Kollegen an oder leisten Netzwerkarbeit.

Ausbildung benötigt ebenfalls Verfügungszeit

Mit Blick auf das Anwerben von Fachkräften planen Stadt und Arbeitsgruppe zudem einen Handlungsfaden für die Auszubildenden und die Anleitenden, der eine gut begleitete qualifizierte Ausbildung ermöglichen soll. Auch dafür sieht die Arbeitsgruppe den Bedarf zusätzlicher Verfügungszeit. Die Teilnehmer schlagen deshalb vor, diese pro Gruppe auf 11,25 Stunden in der Woche zu erhöhen. Wegen der unterschiedlichen Gruppenanzahl bewegen sich die zusätzlichen Zeiten zwischen 4,9 und 19,5 Stunden pro Kita, wie Stadtsprecher Sebastian Kattler mitteilt.

Die Zustimmung der Politiker vorausgesetzt, muss die Stadt nicht zwingend und für alle Einrichtungen neues Personal einstellen. Denkbar seien die Ausweitung bestehender Arbeitsverträge oder der Wechsel von Mitarbeitern – oder eben eine Kombination dieser Möglichkeiten. „Eine Umsetzbarkeit wird auch vor dem Hintergrund des derzeit bestehenden Fachkräftemangels nicht für unreal gehalten“, sagt Kattler.

Stadt rechnet mit Mehrkosten von 103.500 Euro für 2019

Die neue Regelung soll nach den Vorstellungen der AG Qualität zum neuen Kinderjahr für Einrichtungen in städtischer und in freier Trägerschaft starten. Die Kosten liegen für dieses Jahr bei 103.500 Euro, davon übernimmt das Land Niedersachsen 51.500 Euro. Ab dem Jahr 2020 rechnet die Stadt mit jährlichen Kosten von 247.000 Euro bei einer Finanzhilfe des Landes in Höhe von 125.000 Euro.

Die Sitzung des Ratsausschusses für Jugendhilfe und Familie beginnt am Montag, 25. März, um 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses I an der Marktstraße 55. Vor und nach der Beratung können Einwohner ihre Fragen stellen.

Von Antje Bismark