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Burgdorf Sieben Verletzte bei Brand im Mietshaus
Umland Burgdorf Sieben Verletzte bei Brand im Mietshaus
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00:15 04.01.2019
Die beiden obersten Etagen des siebenstöckigen Mietshauses an der Retschystraße weisen auch von außen deutlich Brandspuren auf. Gebrannt hat die Eckwohnung im sechsten Stock, dort wo die Gardine aus dem Fenster hängt. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Burgdorf

Im sechsten Obergeschoss eines Miethauses in der Retschystraße in Burgdorfs Südstadt ist in der Neujahrsnacht eine Wohnung ausgebrannt. Fünf Stunden waren die Feuerwehren Burgdorf, Dachtmissen, Heeßel, Hülptingsen und Weferlingsen, haupt- und ehrenamtliche Helfer des DRK im Einsatz, um den Brand zu löschen, sieben Hausbewohner aus der brennenden Wohnung zu retten und die anderen Mieter des siebenstöckigen Gebäudes zu evakuieren und zu betreuen. Sieben Menschen, die in die brennende Wohnung gerannt waren, um ihre Katze und weitere Habseligkeiten zu holen, erlitten nach Angaben des Einsatzleiters und Ortsbrandmeisters Florian Bethmann Rauchgasvergiftungen. Sie wurden in Krankenhäuser gebracht.

In diesem Haus hat es gebrannt. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

Weitere 18 Bewohner des Hauses sind nach dem Brand obdachlos. „Denn die sechste und siebte Etage sind unbewohnbar“, sagt Bethmann. 13 Mieter sind bei Angehörigen und Freunden untergekommen. Fünf Betroffenen hat die Stadt bis auf Weiteres Räume in der Flüchtlingsunterkunft an der Sorgenser Mühle zur Verfügung gestellt.

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Alarmiert worden ist die Ortsfeuerwehr Burgdorf an Neujahr um 0.15 Uhr. Die Rettungsleitstelle der Region meldete zunächst einen Zimmerbrand. „Weil wir im Feuerwehrhaus eine Bereitschaft eingerichtet hatten, konnte die Wagen sofort ausrücken“, sagt Bethmann. Doch bereits auf der Anfahrt zum Brandort habe die Leitstelle die Alarmierungsstufe erhöht, berichtet er. „Deshalb haben wir noch von unterwegs die Hülptingser, Dachtmisser und Weferlingser Kameraden nachalarmiert.“ Insgesamt waren 64 ehrenamtliche Feuerwehrmänner und -frauen in der Südstadt im stundenlangen Einsatz.

Am Morgen nach dem Brand im Mietshaus an der Retschystraße erinnern die herausgenommenen Sperrpfosten der Feuerwehrzufahrt an den nächtlichen Großeinsatz. Quelle: Anette Wulf-Dettmer

„Als wir in der Retschystraße eintrafen, schlugen die Flammen bereits aus einem Balkon in der sechsten Etage“, berichtet der Einsatzleiter. Kurz zuvor war ein Rettungswagen des DRK, der gerade in der Nähe unterwegs gewesen war, eingetroffen. Dessen Besatzung entfernte bereits, die Sperrpfosten der Feuerwehrzufahrt. Zudem halfen sie laut Einsatzleiter den Anfahrtsweg für die Feuerwehrfahrzeugen freizumachen. „Denn die Parkplätze rund ums Mietshaus waren mehr als ausgereizt“, so Bethmann. Im Laufe der Löscharbeiten wurden sogar Autos aus dem Einsatzbereich entfernt. Insgesamt sei es in dem Bereich sehr eng für die großen Feuerwehrfahrzeuge.

Die hauptamtlichen Sanitäter des DRK-Regeldienstes, die als erste am Brandort gewesen waren, wurden im Verlauf des Einsatzes von einer örtlichen Sondereinsatzgruppe (SEG) mit ehrenamtlichen Helfern abgelöst. Sie übernahmen die Erstversorgung der Verletzten und brachten sie in Kliniken.

Die Feuerwehr kann mit ihrer Drehleiter nicht näher ans brennende Gebäude fahren, weil die Rasenfläche das Gewicht des schweren Fahrzeugs nicht tragen würde. So müssen die Einsatzkräfte von der Straße und dem Gehweg aus arbeiten. Mit dem Ergebnis, dass die Reichweite der Leiter kaum ausreicht, um den Balkon in der sechsten Etage zu erreichen. Quelle: privat

Auch die Polizei war sofort zur Stelle und kümmerte sich um die Evakuierung aller Hausbewohner und vorsorglich auch die der Nachbargebäude, sodass die Einsatzkräfte der Feuerwehr sich aufs Löschen konzentrieren konnten. „Zunächst haben wir die Flammen in der Wohnung grob bekämpft, um diese überhaupt betreten zu können“, erklärt Bethmann. „Selbst im Treppenhaus war die Hitze so groß, dass der Putz von der Decke gefallen ist.“ Schließlich betraten Einsatzkräfte unter Atemschutz die Wohnung, um „intensiv nach Menschen“ zu suchen.

Die drei Bewohner waren beim Ausbruch des Feuers nicht in ihrer Wohnung gewesen, dann jedoch gemeinsam mit vier weiteren Hausbewohnern zurückgeeilt. Sie wollten ihre Katze retten sowie Papiere und andere Dinge holen. Dabei zogen sich alle Sieben Rauchvergiftungen zu. Die Katze kam ums Leben. „Der Rauch war hochgradig giftig“, sagt Bethmann.

Die evakuierten Hausbewohner wurden ins Feuerwehrhaus an der Sorgenser Mühle gebracht und dort bis 5 Uhr betreut. Das örtliche DRK hat Decken bereitgestellt und Feuerwehrleute haben Feldbetten aufgestellt und sich um die Menschen gekümmert. Bis auf 18 Mieter aus dem sechsten und siebten Stockwerk konnten alle in den frühen Morgenstunden in ihre Wohnungen zurückkehren, nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht und das Gebäude gelüftet hatte. Allerdings haben die Mieter zurzeit weder Heizung noch Warmwasser. „Wir mussten die Heizung abstellen, weil in der Brandwohnung die Heizungsrohre geschmolzen sind“, erklärt Bethmann.

Der Einsatzleiter lobt die gute Zusammenarbeit der örtlichen Rettungskräfte. „Wir sind ein eingespieltes Team, das ohne viel zu reden, sofort handeln kann.“ Bethmann führt das auf das gemeinsam erarbeitete Rettungskonzept zurück, das bei solchen Einsätzen greife.

Zur Brandursache und zur Schadenshöhe kann die Pressestelle der Polizei in Hannover am Neujahrstag noch keine Angaben machen. Die Brandermittler der Kriminalpolizei werden die ausbrannte Wohnung erst am morgigen Mittwoch untersuchen.

Von Anette Wulf-Dettmer