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Burgdorf Hisako Kawamura überzeugt mit Beethoven-Klaviersonaten
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Burgdorf: Hisako Kawamura überzeugt mit Beethoven-Klaviersonaten

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00:17 09.05.2019
Die Pianistin Hisako Kawamura riss das Burgdorfer Publikum mit ihrer Interpretation von Beethoven-Klaviersonaten mit. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf

Das Schlosskonzert am Sonntagabend dürfte so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Nicht nur weil Burgdorfs Kulturverein mit der Deutschjapanerin Hisako Kawamura ein künstlerisches Schwergewicht an den Tasten aufbot. Sondern weil das Spiel der 37-Jährigen das Publikum von den Socken riss. Jedenfalls war die Interpretation der „HammerklaviersonateLudwig van Beethovens der Hammer. Was 180 Zuhörer im ausverkauften Saal von ihren Stühlen aufspringen und im Stehen applaudieren ließ.

Den Hörgenuss komplett machte, dass nicht der hauseigene Bechstein-Flügel zum Einsatz kam, sondern auf Wunsch der Pianistin ein weit komplexer klingender Bösendorfer-Flügel. Für das neue Instrument, das Klavierbaumeister Gerd Finkenstein aus Eltze zur Verfügung gestellt hatte, war es die Konzert-Taufe. Eine gelungene dazu angesichts dessen, was die erst vor drei Tagen aus Japan nach Deutschland zurückgekehrte Kawamura aus dem Flügel herausholte.

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Seit einem Jahr hat sich die in Duisburg lehrende Pianistin den Beethoven-Klaviersonaten verschrieben, lotet sie seither aus, immer auf der Suche nach dem Genie des zuletzt völlig gehörlosen Komponisten. Vier Beethoven-Programme hat die in Bamberg lebende Musikerin mittlerweile in den Fingern. Das Burgdorfer Publikum erlebte das technisch anspruchvollste und mit der Klaviersonate Nr. 26 („Les Adieux“) in Es-Dur, der Klaviersonate Nr. 27 in e-Moll sowie der „Hammerklaviersonate“ Nr. 29 in B-Dur zugleich Musikhistorie. Denn zwischen der Entstehung der drei Werke lagen jeweils vier Jahre.

Kawamura hat ihren Beethoven in Japan bereits auf CD eingespielt. Dort ist sie im Gegensatz zu Deutschland ein gefeierter Star. So ist es kein Wunder, dass sie am Sonntag im Schloss Klassik at its best ablieferte: Die klare Phrasierung und eine durchsichtige Artikulation auch in den schwierigsten Passagen kennzeichnen ihr intensives Spiel, dem die Zuhörer hochkonzentriert folgten. Obwohl Beethovens Klaviersonaten alles sind, nur keine leichte Kost.

Kawamura reichert ihren Beethoven mit so vielen interpretatorischen Ideen an, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann: Virtuosität und Lautstärke, Tremolo, überraschende Rhythmik- wie Tempiwechsel erfüllen bei ihr keinen Selbstzweck, alles ist vielmehr wohl dosiert. Vor allem die leisen, zurückhaltenden Sätze aber hatten es in sich. Die Sonate Nr. 27 etwa gestaltete Kawamura mit so viel Empfindsamkeit, dass man sich in einer Art innerer Einkehr wähnte. Bevor nach der Pause die „Hammerklaviersonate“ der Künstlerin noch mal eine technische Höchstleistung abverlangte und das Publikum einem emotionalen Wechselbad aussetzte. Hier war es der nicht enden wollende dritte Satz mit seinem fis-Moll-Thema, der einen zwischen tiefer Trauer und erhabener Ruhe hin- und herwarf, bevor der bis zur Schmerzgrenze schwindelerregend-virtuose vierte Largo-Satz den fulminanten Schlusspunkt setzte – der Hammer!

Von Joachim Dege

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