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Burgdorf Aktion gegen Gewalt: Deshalb stehen Notrufnummern auf Brötchentüten
Umland Burgdorf

Burgdorf: Keine Gewalt: Deshalb stehen Notrufnummern auf Brötchentüten

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13:37 24.11.2019
Petra Pape (von links), Barbara Gebbe, Franziska Burbulla, Bürgermeister Armin Pollehn, Eva Hoffmann, Christa Weilert-Penk, Uwe Bollbach und Christiane Gersemann beteiligen sich an der Aktion gegen Gewalt an Frauen. Quelle: Sybille Heine
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Burgdorf

Weltweit werden Millionen von Frauen überfallen, geschlagen, vergewaltigt, verstümmelt oder sogar in getötet. Gewalt gegen Frauen gibt es auch in Burgdorf. Zum Auftakt des Internationalen Tags der Gewalt gegen Frauen am Montag, 25. November, haben Burgdorfs Gleichstellungsbeauftragte Petra Pape und der Arbeitskreis „Häusliche Gewalt“ am Sonnabend im Eingangsbereich der Edeka-Filiale an der Uetzer Straße über Hilfsmöglichkeiten informiert. Unter dem Motto „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ wurden Brötchentüten, bedruckt mit den wichtigsten Notrufnummern, verteilt.

Polizei: Zahl der Körperverletzungen nimmt zu

Wie notwendig Öffentlichkeitsarbeit in diesem Bereich ist, zeigen Zahlen der Polizeiinspektion Burgdorf. Im Vergleich der Jahre 2017 und 2018 haben Körperverletzungen um rund 13 Prozent zugenommen. In einigen Fällen seien Kinder, aber meistens Frauen betroffen, sagte Uwe Bollbach, Präventionsbeauftragter der Polizeiinspektion Burgdorf, der sich an der Aktion beteiligte. Alle drei Tage gebe es im Bereich Burgdorf/Uetze eine angezeigte Tat. Die Polizei werde in den meisten Fällen von Nachbarn oder den Opfern selbst alarmiert.

Franziska Burbulla (von links) informiert Anja Herrmann im Rahmen der Aktion gegen Gewalt an Frauen. Quelle: Sybille Heine

Sein Resümee nach 14 Jahren Präventionsarbeit sieht düster aus: „Die Zahlen schwanken zwar, werden aber nicht kleiner.“ Eine Erklärung dafür hat Bollbach nicht. Die Auslöser für Gewalt lägen oft weit im Vorfeld der eigentlichen Tat. Finanzielle Abhängigkeit, Stress in Familie und Beruf gehörten zu den Impulsgebern. Wichtig sei die Erkenntnis, dass Kinder, die Gewalt erleben, diese Erfahrung weitergeben. „Wir müssen die Gewaltspirale früh durchbrechen“, sagte der Präventionsbeauftragte.

„Wer schlägt, muss gehen“

Die Polizei könne in Fällen von Gewalt auf ein ausreichend großes Maßnahmenpaket zurückgreifen. Als scharfes Schwert habe sich der im Gewaltschutzgesetz von 2002 verankerte Grundsatz: „Wer schlägt, muss gehen – das Opfer bleibt in der Wohnung“ erwiesen.

Die Reaktionen der Edeka-Kunden auf die Aktion waren positiv. „Das ist eine super Idee. Es ist wichtig, Menschen zu bestärken, Hilfe zu leisten und nicht einfach wegzusehen“, sagte eine Betroffene, die ihren Namen nicht nennen wollte. „Häusliche Gewalt gibt es in allen Bevölkerungsschichten. Wir haben so lange für die Gleichberechtigung gekämpft. Es wird Zeit, dass etwas passiert“, sagte Kundin Angelika Langner.

Burgdorfs Gleichstellungsbeauftragte Pape ist überzeugt, dass solche Aktionen etwas bewegen. „Das Thema rückt aus der Tabuzone heraus. Es werden mehr Fälle angezeigt“, sagte sie. Mit Sorge betrachtet Pape politisch rechts gerichtete Strömungen und den Versuch, Frauenrechte wieder einzuschränken. Die AfD habe zum Beispiel den Antrag, eine Frauenberatungsstelle in Burgdorf einzurichten, nicht mitgetragen.

Plädoyer für verpflichtende Kinderuntersuchungen

Auch Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn, der die Aktion begleitete, blickt beunruhigt auf rechts- und linksradikale Strömungen. „Worte der Gewalt führen zu Taten. Der Rat der Stadt Burgdorf hat eine Vorbildfunktion für den Umgang miteinander“, sagte er.

Alle an der Aktion beteiligten, würden es begrüßen, wenn ärztliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche verpflichtend wären. Fälle von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch könnten so frühzeitig erkannt werden.

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Notrufnummern: Hier finden Frauen Hilfe

Für Opfer von häuslicher Gewalt gibt es verschiedene Hilfsangebote. Hier finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Telefonnummern. Das Hilfetelefon ist erreichbar unter (08000) 116016. AWO-Frauenberatungsstelle Burgdorf, Lehrte, Sehnde, Uetze, (05132) 823434. Polizei: 110. Frauenhaus der Region Hannover, (0511) 221102. Koordinierungs- und Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt, (0511) 21978192. Beratung bei häuslicher Gewalt in Seelze, (0152) 09895671, in Garbsen, (0179) 4493417.

 

Von Sybille Heine

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