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Burgdorf Klärschlamm: So sieht der Zeitplan zur Entsorgung aus
Umland Burgdorf

Burgdorf Klärschlamm: So sieht der Zeitplan zur Entsorgung aus

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16:13 03.12.2019
Tiefbauamtsleiter Rainer Herbst (von links), Cord Behrens, zuständig für die Kläranlage, Agraringenieur Klaus Cording und Heidrun Lemke vom Umweltschutzverein Isernhagen stellen sich den Fragen der Burgdorfer. Quelle: Antje Bismark
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Burgdorf

Wie entsorgt Burgdorf künftig den Klärschlamm seiner Einwohner? Braucht die Stadt ein Zwischenlager für 750.000 Euro? Und wie viel Mikroplastik steckt im städtischen Klärschlamm? Um diese Fragen drehte sich am Montagabend eine Anhörung, die SPD, Grüne, WGS und Freie Burgdorfer im Jürgen-Rodehorst-Haus für Burgdorfer organisiert hatten. „Wir möchten Ihnen Informationen bieten und ins Gespräch kommen“, sagte Grünen-Fraktionschef Hartmut Braun.

Der Diskussion stellten sich der Leiter der Tiefbauabteilung, Rainer Herbst, Cord Behrens, im Rathaus für das Klärwerk zuständig, der Hänigser Agraringenieur Klaus Cording und Heidrun Lemke vom Umweltschutzverein Isernhagen. Die HAZ greift die wichtigsten Fragen aus der Debatte auf.

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Worum geht es eigentlich?

Nach einer EU-Verordnung dürfen Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern den Klärschlamm künftig nicht mehr auf landwirtschaftlichen Flächen entsorgen. Diese Regelung betrifft Burgdorf mit etwa 30.000 Einwohnern nicht, gleichwohl sucht die Stadt neue Wege der Entsorgung. Noch bis 31. Dezember 2020 gibt es einen Vertrag mit einem Landwirt aus dem Bereich Salzwedel, der die öffentliche Ausschreibung gewonnen hatte und den Klärschlamm auf seinen Feldern ausbringt. Pro Jahr fallen nach Aussage von Herbst etwa 2700 Tonnen Klärschlamm an, den die Stadt im Faulturm trocknet.

Weshalb diskutieren Rat und Verwaltung über das Zwischenlager?

„Unsere Kapazität im Klärwerk reicht derzeit für zwei Wochen“, sagt Behrens. Im Falle eines „Zwischenfalls“, also dem Überschreiten von Werten, genüge dies nicht. Dann müsste die Stadt in einer anderen Kommune oder bei einem Landwirt nach einer Zwischenlösung suchen, ein aus Sicht aller schwieriges Unterfangen – weil es diese freien Flächen kaum gibt.

Wie viele Zwischenfälle gab es in Burgdorf?

Nach Aussage von Behrens lässt die Stadt alle drei Monate den Klärschlamm untersuchen, alle zwei Jahre steht eine große Kontrolle an. In den vergangenen 20 Jahren registrierte die Behörde zwei Überschreitungen mit Quecksilber, wobei der Verursacher in beiden Fällen nicht ermittelt werden konnte. Eine Vorbereitung auf einen solchen Zwischenfall sei nicht möglich. „Niemand weiß, wann und warum er eintritt“, sagt Behrens.

Enthält der Burgdorfer Klärschlamm auch Mikroplastik?

Diese Frage konnte niemand beantworten, weil eine solche Untersuchung nicht gemacht wird. Offen blieb auch die Frage nach möglichen Rückständen von Medikamenten, Drogen sowie von flüssigem Kunststoff, weil diese derzeit bei der Kontrolle nicht erfasst werden. Behrens sagt, die Stadt könne die Ergebnisse des untersuchten Klärschlamms gern veröffentlichen – wenn dies von der Politik gewünscht werde.

Welche Entsorgungsmöglichkeiten favorisiert die Stadt?

Die Verwaltung hat ein Büro beauftragt, die bestmögliche Entsorgung zu prüfen. Dabei gilt es nach Auskunft von Cording abzuwägen zwischen ökologischem und ökonomischen Nutzen. Deshalb erteilt er der von Zuschauern vorgeschlagenen Ultraschallmethode, der Vererdung und dem katalytischen Verfahren eine Absage. Lemke empfiehlt das Unternehmen Pyreg, das Klärschlamm zu Phosphordünger veredelt. Sie verweist auf die vielen Fahrten mit Lastwagen, die beim Aufbringen oder Verbrennen des Klärschlamms entstehen. Herbst und Behrens indes wollen das Ergebnis der Expertenuntersuchung abwarten, die auch die Verbrennung und das bisherige Verfahren umfasst.

Geht Burgdorf einen Sonderweg?

Nein – lautet die einhellige Antwort der vier Teilnehmer auf dem Roten Sofa. Jede Kommune müsse ihren eigenen Weg finden. Die Nachbargemeinde Uetze agiere im Abwasserverband Peine in einem Verbund, was zu höheren Gebühren führe. Lehrte setze auf Vererdung und mute den Einwohnern ebenfalls höhere Gebühren zu. Etliche andere Regionskommunen wollen den Klärschlamm in einer geplanten Anlage in Hildesheim verbrennen lassen, Burgdorf hingegen würde – wenn überhaupt – die geplante Verbrennung in Lahe nutzen. „Bislang hat die Stadt alles richtig gemacht“, sagt Cording, der den Baustart in Hildesheim anzweifelt und ebenfalls auf Lahe setzen würde.

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Bis Ende Februar liegt das Ergebnis des beauftragten Büros vor, im März folgt dann die Beurteilung durch die Politiker. Sie müssen sich nach Aussage von Herbst für einen der geprüften Entsorgungswege entscheiden – denn der jetzt laufende Vertrag mit dem sachsen-anhaltinischen Landwirt endet am 31. Dezember 2020. Zudem muss die Politik, unter Berücksichtigung eines möglichen Bürgerbegehrens, über den Bau eines Zwischenlagers entscheiden. „Wir werden genau schauen, was wir den Bürgern aufbürden“, sagt SPD-Fraktionschef Gerald Hinz mit Blick auf die ökologischen Folgen, aber auch auf die Abwassergebühren.

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Von Antje Bismark

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