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Burgdorf Tafel gibt täglich mehr als eine Tonne Lebensmittel aus
Umland Burgdorf

Burgdorf Langenhagen Tafel gibt Tag für Tag über eine Tonne Lebensmittel aus

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10:52 23.07.2019
Nicht für die Tonne: Tafel-Chefin Jutta Holtmann (von links), Frauke Brüning und Hans-Joachim Schwarz freuen sich über gespendete Lebensmittel. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf/Langenhagen

Gut 720 Tüten mit Lebensmitteln gibt die Langenhagener Tafel in der Woche an Bedürftige aus – mehr als 2000 Menschen profitieren damit in Langenhagen, Isernhagen und der Wedemark von Waren, die in Rewe- und Edeka-Märkten, bei lokalen Bäckereien und Schlachtereien keinen Käufer gefunden haben oder die in der Produktion falsch ausgezeichnet wurden. In Burgdorf öffnet die Tafel an jedem Sonnabend und versorgt gut 600 Frauen, Kinder und Männer. Dass die Nahrungsmittel weder aus dem Einzelhandel noch aus der Industrie in der Tonne landen, dafür sorgen Ehrenamtliche um Tafel-Chefs wie Thomas Wortmann in Burgdorf und Jutta Holtmann in Langenhagen.

Seit Jahren gehört Hans-Joachim Schwarz zum Fahrerteam der Langenhagener Tafel, das an jedem Wochentag nach einem festen Routenplan die Märkte ansteuert und die von den Händlern bereitgestellten Lebensmittel einpackt – in ein Kühlfahrzeug, wie Holtmann betont. Von dort gelangen Wurst, Käse und Molkereiprodukte in das tafeleigene Kühllager am Sonnenweg in Langenhagen.

Für die Ehrenamtliche liegt darin einer der beiden großen Vorteile: „Wir unterbrechen die Kühlkette nicht, sodass die Waren auch nicht vergammeln.“ Diese Gefahr sehe sie beim Containern (der Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern), das derzeit vor allem bei jungen Menschen populär sei – als ein Protest gegen die Verschwendung von Nahrungsgütern. Sie bestehe auch bei den sogenannten Foodboxen, in denen überschüssige Lebensmittel von jedem eingestellt oder abgeholt werden können.

Zwischen den Tafeln funktioniert die Kooperation

Den zweiten Vorteil der Tafel-Arbeit sieht die Vorsitzende darin, dass sie und ihr Team für Langenhagen, Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark die Bedürftigkeit der Kunden abfragen und attestieren, in Lehrte und Burgdorf übernehmen dies die dort ansässigen Tafeln. „Zwischen uns allen läuft die Zusammenarbeit bestens“, sagt Frauke Brüning aus dem Vorstandsteam. Aktuell besitze die Langenhagener Tafel ein Überangebot an Hagebuttenmarmelade, im Osten der Region indes stapelten sich die Gläser mit Heidelbeermarmelade. „Also tauschen wir einen Teil aus“, beschreibt Brüning das Prozedere.

Ohne die Kooperation würde die Tafel-Arbeit nicht so gut funktionieren, ist Holtmann überzeugt. Denn die Ehrenamtlichen holten aus großen Unternehmen jene Lebensmittel ab, die beispielsweise falsch deklariert und damit für den Verkauf nicht geeignet seien. „Das bedeutet, dass wir mitunter große Mengen Zaziki zur Verfügung haben, die wir gar nicht loswerden können“, sagt sie. Dann packen Schwarz und seine Kollegen die überzähligen Waren in den Transporter und bringen sie nach Burgdorf oder Lehrte. „Das kommt nicht in die Mülltonne“, betont Holtmann.

Händler und Ehrenamtliche sortieren die Lebensmittel

Weggeworfen wird nur, was niemand mehr essen kann. „Händler wie Cramer oder Rewe sortieren beispielsweise das Obst und Gemüse vor, wir schauen auch noch einmal, was verwertet werden kann“, sagt Holtmann. Was für gut befunden wird, kommt in eine Tüte – eine kleine für Singles oder Paare, eine große für Familien. Tag für Tag verteilen die Ehrenamtlichen nach Schätzung der Tafel allein in Langenhagen und den Umlandkommunen gut eine Tonne Lebensmittel.

Holtmann engagiert sich wie ihre Mitstreiter bereits seit Jahren bei der Tafel, kennt daher auch Trends, die sich verstärken. Dazu gehört für sie das leichte Ansteigen der Klientenzahl: „Nicht viel, aber stetig.“ Und dass die Zahl der Supermärkte, mit denen die Tafel kooperiert, stagniert, mancherorts gar sinkt. Dazu gehört zudem, dass die Märkte längst punktgenauer bestellen und damit dort weniger Ware anfällt. „Obst und Gemüse sind nicht das Problem, wohl aber Grundnahrungsmittel wie Reis oder Konserven, die lange haltbar sind.“

Gesucht: Junge, engagierte Helfer

Deshalb freut sich die Tafel-Chefin, dass die Rotarier gezielt diese Waren einkaufen – „für magere Zeiten“, sagt Holtmann. Und sie erkennt zunehmend den Trend, dass Hinterbliebene die Tafel beliefern, wenn sie beim Ausräumen von Wohnungen und Häusern noch haltbare und verschlossene Konserven finden. „Trotz der jahrelangen Arbeit kennen uns viele nicht“, sagt sie und setzt auf noch mehr Aufklärung, verbunden mit der Einladung an Interessierte, sich umzuschauen.

Ihr Wunsch für die Zukunft geht deshalb weniger an Handel und Industrie, sondern vielmehr an die Gesellschaft: „Wir brauchen weiterhin die gute Spendenbereitschaft, und wir brauchen junge Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren.“ Dass sie durchaus das Bewusstsein entwickeln, Lebensmittel nicht wegzuwerfen, lasse sich am Interesse an den Food-Sharing-Apps und Foodboxen ablesen. Beides sieht Holtmann für die Regionskommunen noch nicht als Problem: „Noch klappt die Arbeit gut.“ Und Brüning ergänzt: „Solange nicht noch mehr Bürokratie dazukommt.“

Weitere Teile der Serie „Zu gut für die Tonne“:

Kein Containern bei Edeka: Supermarkt-Chef Cramer setzt auf die Tafel

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Von Antje Bismark

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