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Burgdorf Nächtlicher Fluglärm – Resolution verhallt wohl ungehört
Umland Burgdorf

Burgdorf: Nächtlicher Fluglärm - Resolution verhallt wohl ungehört

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17:43 11.05.2019
Der Entwurf zur künftigen Betriebsgenehmigung am Flughafen sieht kein Nachtflugverbot vor. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa (Archiv)
Burgdorf/Langenhagen

Das Land nimmt die Resolution der Stadt Burgdorf gegen nächtlichen Fluglärm zur Kenntnis – unmittelbaren Einfluss auf die künftige Betriebsgenehmigung für den Flughafen indes hat das Papier nicht. Das geht aus dem Antwortschreiben hervor, das der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann an die hiesige Verwaltung geschickt hat.

Im Februar hatte der Rat mehrheitlich mit den Stimmen von SPD, Grünen, WGS, Freien Burgdorfern und dem Ratsherrn Michael Fleischmann (Die Linke) die Resolution verabschiedet, nach der die Landesregierung zum Schutz der Gesundheit der Bürger ein Nachtflugverbot für den Flughafen Hannover erlassen sollte. Damit reagierte die Ratsmehrheit unter anderem auf Forderungen der Bürgerinitiative Bon-Ha (Besser ohne Nachtflug – Hannover-Airport), deren Mitstreiter vor allem in den nördlichen Kommunen der Region leben und die gesundheitliche Auswirkungen wegen der nächtlichen Starts und Landungen beklagen.

„Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden die Resolution der Stadt Burgdorf im Rahmen ihrer Entscheidung über künftige Nachtflugbeschränkungen berücksichtigen und die Stadt unverzüglich über die ab 1. Januar 2020 geltenden Regularien für Nachtflüge am Flughafen Hannover-Langenhagen informieren“, teilt Althusmann nun mit. Sein Haus sei derzeit damit befasst, die Nachfolgeregelung zu arbeiten, die auch künftige Betriebsbeschränkungen vorsehe – mit dem Ziel, „Gesundheitsschutz für die von Fluglärm betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner auch nach Auslaufen der bisherigen Regelung für die Zukunft uneingeschränkt zu gewährleisten.“ Dabei setze sein Ministerium auf „möglichste Transparenz“.

Ministerium setzt auf leisere Triebwerke

Diese indes zweifeln Kommunalpolitiker aus Langenhagen nach einer Ausschusssitzung in der vergangenen Woche an, denn am Flughafen Langenhagen soll es nach jetzigem Stand auch künftig keine Nachtruhe geben. Dies sieht der jetzt vorgelegte Entwurf für die ab 2020 nötige neue Nachtflugregelung vor. Das Land will zwar einige Richtwerte verschärfen – dies jedoch ohne größere Auswirkungen: Nach Informationen des Ministeriums hätten im vergangenen Jahr – bemessen nach der künftigen Regelung – nur insgesamt 26 Flugzeuge aufgrund ihrer Typenklasse zwischen 23 und 6 Uhr nicht in Langenhagen starten oder landen dürfen. Das Ministerium setzt allerdings auf den weiter zunehmenden Einsatz leiserer Triebwerke. Überdies schlägt das Ministerium vor, die eingeschränkte Betriebserlaubnis für den Flughafen zu entfristen.

Baudezernent und Politiker aus Langenhagen kritisieren das Land

„Das Verfahren läuft im Hintergrund bereits ziemlich weit“, erläuterte dazu Langenhagens Baudezernent Carsten Hettwer. Das Ministerium habe seinen Entwurf vorgelegt, ohne beispielsweise die Fluglärmkommission (FLK) einzubeziehen. „Um es deutlich zu sagen“, hielt Hettwer in der Ausschusssitzung fest, „als Kommune und Verwaltung stehen wir ziemlich hilflos daneben.“ Tatsächlich tagt die FLK erst am kommenden Dienstag.

Die politische Kritik am vorliegenden Entwurf zielt auf zwei Kernpunkte: Grundlage der Zulassungswerte für die weiterhin nachts erlaubten Flugzeugtypen seien rein rechnerische Werte. „Die Datenbasis stammt zum einen aus 2006“, sagte Langenhagens Grünen-Fraktionschef Dirk Musfeldt, „zum anderen nehmen die Messverfahren keine Rücksicht auf das Ohr des Schläfers.“ Umso schwerer eine Maschine beispielsweise aufgrund ihrer Zuladung ist, desto lauter dürfe sie sein, ohne die erlaubten Lärmgrenzen zu überschreiten. Matthias Gleichmann (SPD), Mitglied der FLK, bemängelt zudem die Entfristung der Nachtflugregelung. Flughafen und Ministerium gingen damit weiteren Diskussionen mit den Anwohnern aus dem Weg.

Doch zunächst will Althusmann den Anliegern auch Rede und Antwort stehen: Für Dienstag, 11. Juni, ist eine Podiumsdiskussion im Langenhagener Ratssaal vorgesehen.

Bon-Ha-Klage gegen Lärm verzögert sich

Die von dem losen Bündnis der Lärmgegner Bon-Ha (Besser ohne Nachtflug – Hannover Airport) angekündigte Klage gegen den Nachtflugbetrieb am Flughafen Langenhagen verzögert sich. Dies jedoch aus rechtlich gutem Grund, wie es heißt. Nach eingehender Beratung durch eine Fachanwaltskanzlei, so Hans-Peter Wendorff aus Garbsen, könne die Klage erst eingereicht werden, wenn die neue Nachtflugregelung tatsächlich in Kraft getreten ist. Da sich in den vergangenen Monaten auf dem Konto des Umweltschutzvereins Isernhagen nach Bon-Ha-Angaben mehr als 40.000 Euro an Spenden für die Klage-Finanzierung angesammelt haben, bittet die Initiative jetzt darum, Spenden auf das Konto der Bigum (Bürgerinitiative für Garbsen und Umgebung) zu überweisen. „Das hat mit der Gemeinnützigkeit des Vereins zu tun“, erklärte dazu Bigum-Vorsitzender Wendorff auf Nachfrage. Bon-Ha-Initiator Dieter Poppe hatte zu Beginn der Kampagne von einem Mindestbetrag von rund 50.000 Euro gesprochen, die man für die Finanzierung eines Rechtsstreits mit dem Flughafen benötige. Poppe hat zudem inzwischen den Vorsitz des Umweltschutzvereins übernommen.

Von Antje Bismark und Rebekka Neander

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