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Burgdorf Nazis wüten in der Reichspogromnacht
Umland Burgdorf Nazis wüten in der Reichspogromnacht
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00:19 11.11.2018
Hermann Cohn, hier mit seiner Frau Rosalie und Tochter Senta, wurde in der Reichspogromnacht ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Quelle: Stadtarchiv Burgdorf
Burgdorf

Wütende Schläger haben in der Nacht des 9. November 1938 die Straßen Burgdorfs durchquert. Ihr Ziel: die Synagoge an der Poststraße 2. Dieses Gebäude wollten die SA- und NSDAP-Anhänger in Brand stecken, wie Gleichgesinnte in jener Nacht deutschlandweit Hunderte jüdische Häuser anzündeten.

Auch in der Polizeiwache Burgdorf nahm Polizeileutnant Hinrich Meyer am Abend des 9. November vor 80 Jahren die strikte Anordnung entgegen, dass die Polizisten nicht einschreiten sollten, wenn Mitglieder von SA und NSDAP jüdische Häuser, vor allem Synagogen, in Brand setzten. Aber: Wegen der Nähe der anderen Fachwerkhäuser fürchteten die Polizisten sowie Verantwortliche von SA und NSDAP, dass die Flammen auch auf diese Gebäude übergreifen würden. Die Führungskräfte vwandten sich an den Hauptbrandmeister der Burgdorfer Feuerwehr Adolf Michelssen, der die Befürchtungen der Polizisten teilte. Diese Entscheidung verärgerte die wütende Schar der Randalierer: Sie schlugen deshalb die beiden etwa vier Meter hohen Rundbogenfenster der Synagoge ein und zertrümmerten das Mobiliar, wie Judith Rohde vom Gedenkweg 9. November sagt.

Ihren Angaben zufolge zogen die Parteimitglieder anschließend nach Ramlingen, dort lebten sie ihren „Volkszorn“ auf dem Hof von Max Fodimann und seiner Frau Elfriede. Sie warfen die Fensterscheiben ein, deren Scherben auf den Betten der beiden Töchter landeten. „Dann wurde das Ehepaar Fodimann aus dem Haus gezerrt und verprügelt“, berichtet Rohde von den Recherchen. Max Fodimann, der sich 1926 evangelisch-lutherisch taufen ließ, musste 1944 zum Arbeitsdienst einrücken, nach seiner Rückkehr nach Ramlingen war er der erste Kirchenvorsteher der Martin-Luther-Kirchengemeinde.

In der Reichspogromnacht zerschlagen SA und NSDAP die Scheiben der Synagoge, die Gestapo verschleppt den Schlachtermeister Hermann Cohn ins KZ Buchenwald, in Ramlingen bedroht der Mob Max Fodimann.

Im Jahr 1938 lebten noch elf jüdische Einwohner in Burgdorf, fünf Jahre zuvor waren es 37. Zu ihnen gehörte der Schlachtermeister Hermann Cohn, dessen Geschäft bereits arisiert war. Er wurde während der Reichspogromnacht in seinem Haus an der Gartenstraße 9 verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Burgdorfer NSDAP-Mitglieder folgten der Gestapo ins Haus, zertrümmerten das Inventar des Geschäfts und hängten den besudelten Meisterbrief des einst angesehenen Händlers am Bahnhof aus. Dort entdeckte ihn Hermann Cohn zu seinem großen Entsetzen, als er im Dezember 1938 aus Buchenwald zurückkehrte.

Die Arisierung betraf auch die Freiwillige Feuerwehr, wie Recherchen von Sprecher Christian July ergeben haben: Demnach mussten die jüdischen Mitglieder nach einem Beschluss im Jahr 1934 ihr Ehrenamt aufgeben – auch Georg Jacobsohn als Adjutant der Feuerwehrführung. Er hatte 1911 die Feuerwehr bei der Weltausstellung in Turin vertreten, engagierte sich als Gründungsmitglied des VVV und im Schützenwesen. Sein Name stehe stellvertretend für die jüdischen Mitbürger, derer die Feuerwehr an diesem 9. November 2018 gedenke, sagt July.

Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt

Aus Anlass des 80. Jahrestags der Reichspogromnacht und zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren laden die Stadt Burgdorf und der Arbeitskreis Gedenkweg 9. November für Freitag, 9. November, ab 18.30 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung vor dem Ehrenmal am Eingang der St.-Pankratius-Kirche ein. Bürgermeister Alfred Baxmann wird in einem Redebeitrag die Ereignisse an diesem „Schicksalstag der Deutschen“ einordnen. Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen dem Burgdorfer Frontsoldaten Paul Löwenstein und seiner Mutter Ida, geborene Blumenthal, und die Erinnerung an den in Burgdorf geborenen Feldrabbiner Bruno Italiener sowie an die anderen jüdischen Soldaten aus Burgdorf werden die Ereignisse lokal verorten. Im Anschluss beginnt um 19.15 Uhr in der Kirche der Vortrag von Oliver Arnhold „Christlicher Antisemitismus am Beispiel des Eisenacher Entjudungsinstituts 1939-45“.

Von Antje Bismark

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