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Burgdorf Personalnot: Jugendamt der Stadt schlägt Alarm
Umland Burgdorf

Burgdorf: Personalnot: Jugendamt der Stadt schlägt Alarm

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00:21 09.06.2019
Das Jugendamt der Stadt Burgdorf braucht dringend mehr Personal, um den Kinderschutz sicherstellen zu können. Quelle: Symbolbild
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Burgdorf

Im 71. Jahr seines Bestehens schlägt das Jugendamt der Stadt jetzt Alarm. Der Allgemeine Soziale Dienst als zentrale Stelle des Jugendamtes braucht dringend mehr Personal. Und soll es jetzt auch bekommen, wenn der Rat Ende Juni der jetzt einstimmig gefassten Empfehlung seines Jugendhilfeausschusses folgt.

Fallrate des Jugendamtes ist besonders hoch

Jugendamtsleiter Jens Niemann findet deutliche Worte. Seine Mitarbeiter seien an ihren Belastungsgrenzen angelangt, partiell seien diese sogar schon überschritten. So könnten die Kollegen etwa ihren umfangreichen Dokumentationspflichten nicht mehr wie vorgesehen nachkommen. Dazu komme, dass die permanent hohe Zahl an zu bearbeitenden Fällen im Jugendamt höher sei als anderswo. Laut Niemann liegt die Fallrate in Burgdorf (2017: 48 Fälle) höher als der Durchschnitt in den anderen Jugendämtern der Region Hannover (30 Fälle). Gemessen daran sei das Jugendamt unterdurchschnittlich besetzt mit seinen aktuell drei Fachkräften im Allgemeinen Sozialen Dienst, die sich unter anderem um Hilfen zur Erziehung und um den Kinderschutz zu kümmern hätten.

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Amtsleiter: „Da darf nichts schiefgehen“

Das Beispiel vom Aufsehen erregenden Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde und das Versagen des daran beteiligten Jugendamtes des Landkreises Hameln-Pyrmont nimmt Niemann zwar nicht in den Mund. Indirekt spielt er aber durchaus darauf an mit seinem Hinweis, dass die Stadt gehalten sei, „Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine fachlich fundierte Aufgabenwahrnehmung in diesem hoch sensiblen Bereich sicherstellen“. Der Amtsleiter mahnt: „Da darf nichts schiefgehen. Wir haben einen Notfall und brauchen Unterstützung.“

Stadtverwaltung schichtet eine Stelle um

Nach Darstellung von Niemanns Vorgesetztem, Stadtrat Michael Kugel, kann die Stadtverwaltung intern Personal umschichten und dem Jugendamt so aus der Patsche helfen. Und zwar ohne, dass die Stadt beim Stellenplan im Doppelhaushalt nachsteuern müsste. Eine im Zuge des Flüchtlingszustroms 2016 in der Jugendverwaltungsabteilung geschaffene Stelle, die bislang unbesetzt geblieben und mittlerweile entbehrlich sei, könne dem Jugendamt zugeschlagen, die benötigte Stelle noch dieses Jahr ausgeschrieben werden, sagt Kugel.

Das trifft auf die Zustimmung der Ratspolitiker, die dieses Vorgehen einmütig gut heißen und dem Rat empfehlen, so zu verfahren. Der Rat entscheidet darüber in seiner Sitzung am 27. Juni.

Kommentar: Verantwortungsvoll reagiert

Auf das Jugendamt der Stadt ist offenkundig Verlass. Selbst dann, wenn es einmal eng wird, wie der von Amtsleiter Jens Niemann jetzt öffentlich gemachte Personalnotstand verdeutlicht. Der Vorwurf des Behördenversagens ist schnell gemacht, wenn, wie im Fall Lügde, das Kind erst in den Brunnen gefallen ist. Wichtig ist daher, den zumeist heillos überlasteten Mitarbeitern in den Jugendämtern rechtzeitig den Rücken zu stärken und für eine ausreichende Personalausstattung zu sorgen, damit sie dem Kindeswohl gerecht werden können. Dass Niemann frühzeitig darauf hinweist, dass sein Amt zurzeit überfordert ist und dringend mehr Leute braucht, ist deshalb höchst verantwortungsvoll. Dass die Verwaltungsleitung und die Ratspolitiker den Hilferuf des Amtsleiters ernst nehmen und umgehend Abhilfe schaffen, ist mehr als angemessen. Alle Kinder, denen auf diese Weise beizeiten geholfen wird, werden es den Verantwortlichen danken. Auch wenn deren Schicksal keine öffentliche Aufmerksamkeit bekommt.

Von Joachim Dege

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