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Burgdorf Polizei warnt Schüler vor Smartphone am Lenkrad
Umland Burgdorf

Burgdorf:Polizei warnt Schüler vor Smartphone am Lenkrad

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00:20 03.06.2019
„Abgelenkt? ... ist neben der Spur“ ist die Präventionsveranstaltung der Polizei zur verbotenen Nutzung des Smartphones am Lenkrad überschrieben. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Handys am Lenkrad zu benutzten ist brandgefährlich und deshalb verboten. Das weiß jeder. Viele Autofahrer halten sich dennoch nicht an das Verbot. Weil Wissen allein also offenbar nicht reicht, setzt die Polizei bei ihrer Präventionsarbeit jetzt auf den Bauch statt auf den erhobenen Zeigefinger. Und ihr hoch emotionales Informationsformat „Abgelenkt? ... ist neben der Spur!“ zeigt Wirkung – auch und gerade bei Fahranfängern. Berufsschüler, die in dieser Woche an einer Veranstaltung der Polizei zur Verkehrssicherheit im Jugend- und Kulturhaus JohnnyB. teilnahmen, zeigten sich anschließend beeindruckt.

„Heftig“, entfuhr es einem angehenden Karosseriebauer von der Berufsbildenden Schule (BBS), als er nach etwas mehr als einer Stunde mit seinen Berufsschulkollegen – fast ausschließlich junge Männer – aus dem Saal des JohnnyB. trat. Gerade waren auf einem riesigen weißen Luftballon drapierte Lebensträume der Berufsschüler krachend zerplatzt. Die Schüler hatten sie vor der Veranstaltung auf farbigen Zetteln notiert: Glück, Liebe, Freiheit, ein sicheres Einkommen und – schnelle Autos. Der dramaturgische Kniff saß.

Ein Unfallfahrer berichtet von Katastrophe

In reportageartigen Dokumentarfilmen über zwei Unfälle in Laatzen sowie zwischen Immensen und Burgdorf führte die Polizei den Heranwachsenden vor Augen, welche verheerenden Folgen es haben kann, wenn Autofahrer am Steuer telefonieren oder sogar Kurznachrichten schreiben. Die Berufsschüler sahen sich nicht nur mit schrecklichen Unfallbildern konfrontiert. Geradezu Totenstille herrschte im Saal, als ein junger Unfallfahrer, dessen Vater bei einem Frontalzusammenstoß bei Immensen ums Leben kam, gemeinsam mit seiner Mutter aus eigenem Erleben die Folgen dieser Katastrophe schilderte.

Zu Wort kamen außerdem Feuerwehrleute, die an Rettungseinsätzen beteiligt waren. Eine Unfallzeugin und Ersthelferin, Ärztin von Beruf und Mutter von kleinen Kindern, berichtete, wie bedrückend es für sie war, als sie sich der Unfallstelle auf der B 433 bei Laatzen näherte, ausstiegt und schließlich den toten Unfallfahrer in seinem Autowrack entdeckte. Auch das saß bei den jungen Zuhörern wie ein Faustschlag in die Magengegend.

Feuerwehrleute geraten an Belastungsgrenzen

Burgdorfs Ortsbrandmeister Florian Bethmann gab anschließend auf der Saalbühne preis, wie er selbst und seine Feuerwehrkollegen die Unfalleinsätze erlebten. Manch einer, und sei er noch so erfahren, könne anschließend nie wieder einen Unfalleinsatz fahren. Zwei seiner Kollegen seien nach solchen Einsätzen sogar aus der Feuerwehr ausgetreten, berichtete ein Laatzener Feuerwehrmann über die extreme Belastung für die Retter.

Zwei Polizisten, die Kommissarin Katrin Wöhrn und Oberkommissar Jost Thönnensen, flankierten die Filme und Berichte mit Hinweisen auf die Rechtslage und statistischen Erkenntnissen zum Unfallgeschehen auf deutschen Straßen. Bevor sie den Berufsschülern mit Fakten kamen, baten sie sie, einmal die Augen zu schließen. Vier Sekunden lang: In dieser Zeit legt ein Auto mit Tempo 100 mehr als 100 Meter zurück. „Würdet ihr mit 100 Stundenkilometern vier Sekunden lang im Blindflug fahren?“, fragte Thönnensen das junge Publikum, das betreten schwieg. Wer beim Autofahren sein Smartphone benutzt und deshalb einen Unfall verursacht, müsse mit einem Strafverfahren rechnen, sobald Menschen zu Schaden kommen: Wegen fahrlässiger Körperverletzung oder fahrlässiger Tötung, schob Thönnensen noch nach.

Ablenkung ist in jedem vierten Fall die Unfallursache

Statistisch sei bei jedem vierten Unfall Ablenkung die Ursache. In einer repräsentativen Befragung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates gab jeder zweite Autofahrer an, durch Ablenkung schon einmal in eine brenzlige Situation geraten zu sein. Wen die Polizei beim Autofahren am Handy erwischt, der zahlt 100 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Gefährdet er einen anderen, sind es 150 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot, im Fall eines Unfalls sogar 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

„Gefährdet nicht eure Lebensträume“, appellierte Wöhrn abschließend an die jungen Männer.

„Abgelenkt“ hat schon 4150 junge Menschen erreicht

Das Präventionsformat „Abgelenkt? ... ist neben der Spur!“, das die Angesprochenen auf der Gefühlsebene packen will, ist das Ergebnis einer Arbeitsgruppe der Polizeiinspektion Süd. Premiere hatte es 2017, wie Oberkommissarin Stefanie Eckler von der Polizeiinspektion Burgdorf berichtet. Sie hatte die Veranstaltung im Jugend- & Kulturhaus JohnnyB. vorbereitet. Inzwischen habe die Polizei die Veranstaltung in der Region Hannover schon 33-mal gezeigt und damit 4150 junge Menschen erreicht. Dabei setze die Polizei stets auf die Zusammenarbeit mit Schulen, deren Lehrkräfte das Thema Verkehrssicherheit dann mit ihren Schülern vorbereiteten.

Weil das Gezeigte für manchen Betrachter belastend und mitunter nur schwer zu verkraften ist, darf jeder, der es nicht mehr aushält, die Veranstaltung jederzeit verlassen. Die Polizei sorgt mit den Schulen dafür, dass Sozialarbeiter und bisweilen auch Seelsorger bereitstehen, die dabei helfen, den Gefühlsdruck abzubauen. Vor allem junge Frauen reagierten gemeinhin deutlich emotionaler als junge Männer, berichtet Eckler. Es sei keine Seltenheit, dass bis zu acht Zuschauerinnen den Saal verließen. Aber selbst vermeintlich harte Jungs zeigten sich noch stets beeindruckt.

Die Polizistin kündigt an, dass „Abgelenkt“ am 26. Juni noch ein weiteres Mal in Burgdorf gezeigt werde, dann dem elften Jahrgang des allgemeinbildenden Gymnasiums. Auch die Gymnasien in Lehrte und Großburgwedel hätten Interesse bekundet.

Von Joachim Dege

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