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Burgdorf Schützenchef Jörg Hoppe spricht über den Wandel des Brauchtums
Umland Burgdorf

Burgdorf: Schützenchef Jörg Hoppe spricht über den Wandel des Brauchtums

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00:20 21.06.2019
Jörg Hoppe ist seit sieben Jahren Vorsitzender der Burgdorfer Schützengesellschaft. Quelle: Holger Stab
Burgdorf

Brauchtum liegt in der Luft. Am Donnerstag beginnt einmal mehr das Volks- und Schützenfest. Während der „fünften Jahreszeit“, wie die Schützen die vier Festtage nennen, proklamiert die Burgdorfer Schützengesellschaft von 1593 nicht weniger als sieben Könige. Die Korporationen und befreundete Vereine ziehen zu Marschmusik uniformiert durch die Innenstadtstraßen. Im Festzelt steigen Partys. Etliche Fahrgeschäfte auf dem Platz laden ein zu rasanten Fahrten. Im HAZ-Interview äußert sich Schützenchef Jörg Hoppe (60) über den Wandel des Schützenwesens, Tradition und Brauchtum sowie die Herausforderung, Nachwuchs zu gewinnen.

Herr Hoppe, wie lange gehören Sie der Burgdorfer Schützengesellschaft eigentlich schon an?

Ich bin im November 1976 in die Junggesellen-Korporation eingetreten. Seit 23 Jahren arbeite ich im Vorstand mit, seit sieben Jahren bin ich nun erster Vorsitzender der Schützengesellschaft. Das ist bei mir familiär begründet. Mein Großvater war Schießsportleiter im Schützenverein, mein Vater ist bei den Junggesellen, meine Mutter war Mitbegründerin der Damenabteilung. Das war halt früher so.

Sind solche Schützenkarrieren heute noch vorstellbar, oder anders gefragt: Wie sexy ist das Brauchtum im grünen Rock mit Marschmusik in Zeiten von Netflix, Instagram, Facebook und Co.?

Tja. Also aus der Sicht meiner eigenen Generation ist noch alles gut. Es ist halt die Frage, wie geht die junge Generation damit um. Das betrifft alle Vereine. Wir werden, was die Nachwuchsarbeit angeht, erhebliche Probleme kriegen. Ich habe Angst davor, was in den nächsten zehn Jahren passiert. Wenn wir vom Vorstand in die zweite Reihe treten, wird es nicht ganz einfach, junge Leute für die Vorstandsarbeit zu gewinnen. Was die Zahl der Vereinsmitglieder angeht, sind wir mit zurzeit 450 noch ganz gut aufgestellt.

Die Burgdorfer Schützengesellschaft ist mit einer eigenen Homepage und Accounts auf Facebook und Instagram auf etlichen Internetkanälen präsent. Braucht es diese Ansprache, um junge Menschen zu erreichen. Und vor allem, klappt das auch?

Wir sind seit dem 9. Juni auch auf Instagram vertreten und haben innerhalb kürzester Zeit 90 Abonnenten gewonnen. Während des Schützenfestes wird unsere Schützenschwester Saskia Piel in der „Story“ dort live berichten und so einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Und wir haben seit nun viereinhalb Jahren unsere PIWI-App (PIWI heißt das Vereinsmaskottchen, Anm. d. Red.). Ich persönlich nutze weder Facebook noch Instagram. Mit geht auf den Puffer, dass jeder glaubt, ständig zu allem seinen Senf dazugeben zu müssen. Aber als Verein sind wir schon in den neuen Medien unterwegs, um die Leute anzusprechen, übrigens nicht nur junge. Dort zeigen wir aktuelle und historische Bilder. Wir geben Termine bekannt, zum Beispiel aktuell den Familientag am Freitag auf unserem Schützenfest. Auf Facebook haben wir zurzeit 467 Follower. Die kostenlose PIWI-App wurde gut 100-mal heruntergeladen. Sie ist interessant für alle, die sich nicht bei Facebook registrieren möchten, aber Informationen über unsere Inhalte wünschen.

Die Schützengesellschaft hält als ältester Verein in der Stadt die Tradition des Brauchtums hoch. Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass das mit Veränderungen und Modernisierung einhergehe. Was modernisieren Sie denn?

Man muss halt ab und an alte Zöpfe abschneiden. Früher haben wir das Schützenfest in der „Milchbar“ an der Gartenstraße und in der „Kupferkanne“ am Bahnhof eröffnet. Seit acht, neun Jahren machen wir das mit dem Bierfassanstich im Zelt auf dem Festplatz. Früher haben wir das Kinderkönigschießen mit der Armbrust gemacht. Dafür brauchen wir sogar eine Genehmigung von der Stadt. Heute schießen die Kinder ohne Munition mit Lichtpunktgewehren. Damit kann nichts passieren.

Reden wir über die Bedeutung des Schützenfestes. Die hat doch abgenommen. Oder?

Vor 30 und mehr Jahren war es noch so: Es gab Weihnachten und Ostern. Und es gab das Schützenfest. Ein von Gustav Cordes aufgenommenes und von meinem Bruder Rolf moderiertes Video auf Youtube zeigt, wie es 1928 war. Heute konkurriert das Schützenfest mit einer Masse von über das ganze Jahr verteilten Events. Beim großen Festumzug am vierten Festtag, dem Sonntag, ist die Zuschauerzahl an den Straßen noch immer gut. Aber an den anderen Tagen hat es schon spürbar nachgelassen. Wir müssen heute mehr dafür tun, die Leute auf den Festplatz zu locken. Es wird auch immer schwieriger, Schausteller mit attraktiven Fahrgeschäften zu gewinnen. Die können sich heute aussuchen, wohin sie gehen.

Morgen beginnt das Schützenfest. Worauf freuen Sie sich am meisten, was ist Ihr persönlicher Höhepunkt?

Die inoffizielle Eröffnung am Mittwochabend im Biergarten der Gaststätte Riff mit Grillen. Das ist der einzige Tag im Jahr, an dem Vorstand, Festvorstand und Ehrenvorstandsmitglieder sich zum gemütlichen Beisammensein treffen, bevor es losgeht. Für mich persönlich ist das immer ein Highlight. Die Königsschießen und die Proklamation am Freitag sind natürlich weitere Höhepunkte.

So feiern die Schützen ihr viertägiges Fest

Donnerstag

Pünktlich um 15 Uhr beginnt auf dem Schützenplatz der bunte Kindernachmittag zum Auftakt des viertägigen Festes. Um 17.30 Uhr steht dann ein Platzkonzert vor dem Festzelt mit dem Spielmannszug der Burgdorfer Schützengesellschaft auf dem Programm. Eine Stunde später stechen Schützenvereinschef Jörg Hoppe und Bürgermeister Alfred Baxmann das Bierfass an. Zeitgleich geben das Fanfarencorps Wikinger vor dem E-Center an der Uetzer Straße und das Flötenorchester SG Ahlten am Helenhof ein Platzkonzert. Ab 19.30 Uhr spielt der Feuerwehrmusikzug Burgdorf-Hänigsen vor dem Rathaus an der Marktstraße auf. Dort schließt sich um 20.45 Uhr der Große Zapfenstreich an, ehe der Festumzug durch die Stadt startet. Der Tag endet mit der Schaffermahlzeit und Musik von DJ Christ im Festzelt.

Freitag

Mit sechs Böllerschüssen wecken die Schützen die Burgdorfer um 6 Uhr, dann ziehen die Geneiter durch die Innenstadt. Um 7.45 Uhr geben die Wikinger ein Platzkonzert vor dem Schützenheim, eine Stunde später stellen sich die Schützen und ihre Gäste an der Marktstraße für den Festumzug auf. Die 1. und 2. Reveille steht um 9.15 Uhr an, danach beginnt der Festumzug mit dem Spielmannszug Burgdorf, dem Fanfarencorps Wikinger und dem Feuerwehrmusikzug Burgdorf-Hänigsen. Es folgen um 10.15 Uhr die Ehrungen und Königsvesper im Festzelt. Um 17 Uhr überbringen die Schützen die Königsscheibe Freihand und Auflage, dazu treffen sie sich am Schützenheim. Der Tag endet mit der Band 4joy-music und DJ Chris sowie der Königsproklamation im Festzelt.

Sonnabend

Das Kreiskönigsessen mit der Proklamation der Stadt- und Kreiskönige beginnt um 14.30 Uhr im Festzelt. DJ Maik legt dort ab 20 Uhr zum Festball auf – bis weit nach Mitternacht ist die Party geplant.

Sonntag

An der Marktstraße stellen sich die Teilnehmer des Festumzugs ab 13.45 Uhr auf, für 14.30 Uhr sind die 1. und 2. Reveille vorgesehen – danach startet der Umzug mit der musikalischen Begleitung vom Spielmannszug Burgdorf, Feuerwehrmusikzug Burgdorf-Hänigsen, SZ Schillerslage, Flötenorchester SG Ahlten, Fanfarencorps Hannover, Fanfarencorps Laatzen, Fanfarencorps Wikinger Burgdorf und Musikzug SC Lehrte. Der Umzug endet um 15.30 Uhr mit Platzkonzerten im Festzelt. Der Festball im Festzelt beginnt um 18 Uhr bei freiem Eintritt. Um Mitternacht heißt es Schützenfestkehraus mit dem Marsch vom Festzelt zum Rathaus I an der Marktstraße.

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