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Burgdorf So führen acht Frauen den Quinas-Laden zum Erfolg
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Burgdorf: So führen acht Frauen den Quinas-Laden zum Erfolg

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12:26 03.01.2020
Sieben der acht Macherinnen von Quinas (von links): Katharina Lampasiak, Susanne Zenker, Petra Stege-Mättig, Iris-Marie Sieben, Silke Jüngst, Zora und Daniela Schiecke. Quelle: Antje Bismark
Burgdorf

Zehn Jahre, acht Macherinnen, ein Laden – so lässt sich Quinas in schlichten Zahlen zusammenfassen. Doch hinter dem Konzept des kleinen Geschäfts an der Braunschweiger Straße 1 steckt eine regionale Besonderheit, die sich manchem Besucher erst auf den zweiten Blick erschließt.

Der Ursprung des Ladens reicht ins Jahr 2003 zurück, als Initiatorin Silke Jüngst mit ihrer Familie nach Burgdorf zog. „In den folgenden Jahren habe ich mit anderen Künstlern für einen Monat ein leer stehendes Geschäft gemietet und eine Ausstellung organisiert“, sagt sie im Rückblick. Im Mai 2010 öffneten die Mai-Sterwerke an der Braunschweiger Straße, als die Mieter das heutige Domizil verließen und die Räume leer standen. Einst beherbergten sie eine Schlachterei, später eine Nähwerkstatt.

Fünf Macherinnen starten im August 2010

„Und dann keimte die Idee auf, ob wir die temporäre Ausstellung nicht dauerhaft einrichten könnten“, erinnert sich Jüngst, die als Gold- und Silberschmiedemeisterin vor allem Gegenstände des täglichen Lebens in Schmuckstücke verwandelt. Vor allem um eine Frage kreisten seinerzeit die Diskussion: Lässt sich gemeinsam ein Laden so halten, dass die Aktiven die Miete für zwölf Monate stemmen können? „Wir haben uns dann darauf verständigt, das Projekt ein Jahr zu testen und dann neu zu entscheiden, ob wir weitermachen“, sagt Jüngst. Sie startete mit vier weiteren Kunsthandwerkerinnen im August 2010 unter dem Namen „Quinas“ – in der Heraldik werden damit die fünf Silbernägel im Wappenschild bezeichnet, wie Jüngst erläutert.

Von Anfang an fanden die Kunden aus Burgdorf und Umgebung neben den silbernen Schmuckstücken auch Keramik und Papierarbeiten. All das gehört noch heute zum Sortiment, ebenso wie Lederschuhe, Alltagsgegenstände und Dekoration aus Beton, Unikate zum Anziehen und Dekorieren oder Seifen. Acht „Macherinnen“, wie sie sich selbst nennen, teilen sich neben den Kosten für den Laden auch die Dienste während der Öffnungszeiten dienstags bis sonnabends von 10 bis 12.30 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr.

Der Erfolg des Ladens ist das Miteinander

Ohne diese Teamarbeit, sagt Petra Stege-Mättig, hätte keine der Kunsthandwerkerinnen und Künstlerinnen einen solchen Laden organisieren können: „Als wir uns zusammenfanden, waren unsere Kinder noch klein“, sagt sie und fügt hinzu, dass bei einem Krankheitsfall schnell eine andere Mitstreiterin den Dienst habe übernehmen können. „Jede hat feste Zeiten und kann sich darauf mit der eigenen Arbeit im Atelier oder in der Werkstatt einstellen“, ergänzt Iris-Marie Sieben. Für Susanne Zenker liegt in diesem Miteinander das Geheimnis des Ladens, das inzwischen immer mehr Kunden genießen.

Denn nach wie vor präsentieren alle acht ihre Arbeiten auf unterschiedlichen Märkten und würden den Käufern Produkte wie Bilder, Seife, Kleider, Kissen, Karten, Tassen, Ringe oder Schuhe auch zuschicken. „Doch viele kommen lieber in den Laden und holen sich die Ware ab“, hat Zenker festgestellt. Dafür gebe es gleich mehrere Gründe, einer der wichtigsten sei jedoch, dass die Kunden so noch einmal in Ruhe und analog mit der Macherin sprechen könnten. Aus diesen Gesprächen ziehe sie wiederum Inspiration. Ein weiterer: Viele nutzen den Besuch, um sich das von den anderen Geschaffene anzuschauen. „Uns zeichnet die Vielfalt aus“, sagt Jüngst und betont zugleich, dass Quinas von Anfang an großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt habe. „Bei uns gibt es kein Plastik und alles ist unverpackt“, sagt sie.

Quinas-Team beteiligt sich an IHK-Wettbewerb

Immer wieder bereichern neue Macherinnen das Angebot, die sich dann in den Regalen oder auf den Kleiderständern mit ihren Kreationen den Raum erarbeiten. Das gilt beispielsweise für Zora, die als Maßschneidermeisterin seit März 2019 ihre ausschließlich aus Naturfasern gefertigten Kleidungsstücke anbietet. „Der Laden und sein Angebot unterliegen steten Veränderungen“, sagt Jüngst – bei aller Routine, die sich nach dem ersten Jahrzehnt in der Organisation eingestellt hat.

Angesichts dieser Erfahrungen beteiligten sich die Aktiven nun erstmals am Wettbewerb „Gemeinsam aktiv –Handel(n) vor Ort“ der IHK. Und auch wenn die Burgdorfer keinen ersten Preis abräumten, so nahmen sie doch wichtige Erkenntnisse für sich mit. „Es ist erstaunlich, dass es Kommunen gibt, die Projekte wie unseres in sterbenden Kleinstädten deutlich mehr fördern als es Burgdorf tut“, sagt Zenker. Als Beispiel nennt das Quinas-Team die Absperrungen beim verkaufsoffenen Sonntag, die den Laden jedes Mal vom Kundenstrom abschneidet. Und ein großes Plus nahmen sie mit in ihre Arbeit: „Wir waren die Einzigen, die ausschließlich selbst Produziertes im eigenen Laden verkaufen“, sagt Zenker mit hörbarem Stolz.

Das sind die Quinas-Macherinnen

 Katharina Lampasiak Quelle: Antje Bismark

Katharina Lampasiak:Die Künstlerin aus Hannover hat eine Ausbildung als Keramikerin absolviert, anschließend ihr Wissen und ihre Fertigkeiten an der Kunstschule vertieft. Sie fertigt Teller und Tassen, Schalen und Krüge aus Keramik. „Es ist Gebrauchsgeschirr für den Alltag“, sagt sie.

Petra Stege-Mättig Quelle: Bismark

Petra Stege-Mättig:Die Arpkerin bestückt den Laden mit ganz unterschiedlichen Arbeiten. Zum einen nutzt die gelernte Werbetechnikerin vor allem Filz und Felle, um Wohnaccessoires wie Sitzkissen zu schaffen. Zum anderen verwendet sie Beton, um daraus neben Dekorationsartikeln auch Schmuck herzustellen.

Daniela Schiecke Quelle: Bismark

Daniela Schiecke:Über Jahre fotografierte die Hannoveranerin die Neugeborenen im Krankenhaus Großburgwedel – nun gestaltet sie mit ihren Bildern unter anderem Postkarten und Kalender. Die gelernte Dekorateurin hat zudem ihre künstlerische Vorliebe für das Gestalten mit Beton entdeckt.

Silke Jüngst Quelle: Bismark

Silke Jüngst: Die Gold- und Silberschmiedemeisterin aus Burgdorf nutzt für neue Kreationen ausgesonderte Schätze aus dem Alltag – so erhalten Lego-Steine oder defekte Zifferblätter von Uhren als Stein für einen Ring ein zweites Leben. Hinter vielen Gegenständen verbergen sich Geschichten, die die Kunden gern im Laden erzählen.

Susanne Zenker Quelle: Bismark

Susanne Zenker:Für die Obershagenerin steht das Thema Nachhaltigkeit im Fokus der Arbeit. So fertigt sie beispielsweise Kinderkleidung, die über mehrere Größen mitwächst, und nachhaltige Accessoires, wie waschbare Kosmetiktücher oder wiederverwendbare Kaffeefilter.

Iris-Marie Sieben Quelle: Bismark

Iris-Marie Sieben: Die gelernte Tischlerin aus Arpke hat bereits früh das Nähen für sich entdeckt und widmet sich dieser Arbeit nach einem Gestalterstudium komplett. Sie entwirft eigene Modelle und verwendet ausschließlich eigene Stoffe für ihre modische Kleidung. Ein Blickfang im Laden sind zudem ihre Hausschuhe aus Rindsleder – von Größe 21 bis zu 47.

Diese Hose von Zora besteht nur als Naturmaterialien. Quelle: Bismark

Zora:Die Burgdorferin zeigt ihre Kreationen, die sie ausschließlich aus pflanzlichen Naturmaterialien fertigt – ihre Mode besteht unter anderem aus Hanf, Leinen und Baumwolle. Den Laden kennt die gelernte Maßschneidermeisterin seit zehn Jahren: Schließlich hat ihre Mutter Silke Jüngst ihn einst gegründet.

Handgemachte Seifen sind die Spezialität von Manuela Plate-Jäger. Quelle: Bismark

Manuela Plate-Jäger:Wer Quinas betritt, nimmt die Arbeiten der Edemisserin sofort wahr. Sie fertigt Pflanzenseife in ihrer Manufaktur und arbeitet dabei unter dem Motto „Tue nichts auf deine Haut, was du nicht auch essen kannst.“ Und so findet sich in Seife viel Natürliches von A wie Avocado bis Z wie Ziegenmilch.

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Von Antje Bismark

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