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Burgdorf Erpressung und Körperverletzung: Opfer will davon vor Gericht nichts mehr wissen
Umland Burgdorf

Burgdorf: Täter oder Opfer: Wer lügt vor dem Amtsgericht?

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18:18 18.09.2019
Amtsrichterin Stefanie Lumm setzt die Verhandlung bis zum 20. November aus. Quelle: Symbolbild (Joachim Dege)
Burgdorf

Ein vermeintliches Erpressungsopfer steht möglicherweise bald selbst vor Gericht: wegen falscher Verdächtigungen oder wegen uneidlicher Falschaussage. Mit dieser überraschenden Wende hat Amtsrichterin Stefanie Lumm am Mittwoch eine Verhandlung wegen versuchter räuberischer Erpressung und Körperverletzung ausgesetzt.

Diese beide Taten wirft die Staatsanwaltschaft einem 30-Jährigen vor, der aus Afghanistan geflohen ist und nun in Deutschland lebt. Er weist jede Schuld von sich – auch wenn er der Verhandlung nach eigenen Angaben aufgrund seiner mangelnden Sprachkenntnisse nicht vollständig folgen konnte. Gleichwohl schilderte er dem Schöffengericht den Ablauf jenes 12. Mai 2018, an dem er einen ein Jahr jüngeren Landsmann um 10 Euro erpresst und mit zwei Faustschlägen ins Gesicht verletzt haben soll.

Schläge oder Schubserei: Gericht kann Tatverlauf nicht aufklären

Beide Männer hatten seinen Angaben zufolge bereits den Vortag gemeinsam verbracht, dann aßen sie nach dem Aufstehen einen Döner und gingen zum Burgdorfer Bahnhof. Dort, so steht es in den Vernehmungsprotokollen der Polizei und in der Anklageschrift, soll er seinen Freund attackiert haben. „Er schuldete mir 10 Euro und wollte sie mir nicht geben, stattdessen hat er meine Mutter beleidigt“, sagte er in der Verhandlung. Schläge oder Übergriffe verneinte der Angeklagte vehement, er habe den Jüngeren vielmehr nur einmal geschubst. Als das Opfer mit der Polizei drohte, verließ der 30-Jährige den Bahnhof und ging nach Hause.

Der Jüngere, der in Hannover-Linden lebt, suchte die Polizei auf und erstattete Anzeige wegen versuchter räuberischer Erpressung und Körperverletzung –er berichtete seinerzeit von Schmerzen an der Lippe. Davon wollte er in der Verhandlung am Mittwoch aber nicht mehr viel wissen. Vielmehr gab er zu Protokoll, dass er aus Wut und Trauer über den Vorwurf, jemanden Geld zu schulden, den Freund angezeigt habe.

Freundschaft verhindert kein Verfahren

Dieser habe ihn weder geschlagen noch, wie in der Anklage formuliert, am Kragen seiner Jacke gezerrt. „Ich schulde niemandem Geld“, sagte er im Gerichtssaal. Er habe seinem Freund an jenem Tag unter anderem das Bier und den Döner bezahlt, deshalb habe er ihm auch kein Geld mehr geben wollen. Inzwischen aber seien beide wieder gut befreundet, sagten das Opfer sowie der Angeklagte und dessen Pflichtverteidiger Rüdiger Zach übereinstimmend.

Eine Einstellung des Verfahrens gegen 200 Euro Geldauflage lehnte der 30-Jährige ab: „Er betont, dass er nichts Unrechtes getan hat“, sagte Zach nach einer Sitzungspause. Nach Einschätzung der Richterin hatte der Hannoveraner entweder bei seiner Aussage bei der Polizei oder nun im Gericht gelogen. Dabei akzeptiere sie auch nicht, dass der Mann die Auseinandersetzung möglicherweise aus Verärgerung über seinen Freund bei der Polizei drastischer geschildert habe. Ob sich jener nun tatsächlich wegen versuchter räuberischer Erpressung und der Körperverletzung zu verantworten habe, hänge vom weiteren Verfahren ab.

Amtsgericht lässt die Polizisten aussagen

Denn um die Diskrepanz der Opfer-Aussagen aufzuklären, setzt das Gericht die Verhandlung aus. Sie geht am 20. November um 9 Uhr weiter. Dann mit den beiden Polizisten, die den Hannoveraner vernommen hatten, und mit einem Dolmetscher. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Vorwürfe gegen den 30-Jährigen nicht stimmen, erwarten den Mann aus Hannover dann ein Verfahren wegen falscher Verdächtigungen und wegen falscher uneidlicher Aussage. „Sie haben die Pflicht, die Wahrheit zu sagen“, betonte der Staatsanwalt, „so funktioniert nun einmal der Rechtsstaat.“

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